Zika-Virus

Epidemiologie, aktuelle Entwicklung
Der Erreger wurde 1947 erstmals in Uganda beschrieben. In den folgenden Jahrzehnten wurde weltweit von einigen sporadischen Fällen in Afrika und Asien berichtet. 2015 wurden erstmals Infektionen auf dem südamerikanischen Festland in Brasilien beobachtet. Genanalysen haben inzwischen gezeigt, dass das Virus bereits zwischen Mai und Ende Dezember 2013 nach Südamerika eingeschleppt wurde. Seit dem Frühjahr 2015 breitet sich das Zika-Virus rasant in Süd- und Mittelamerika aus. Insgesamt 31 Staaten des amerikanischen Kontinents und der Karibik sind mittlerweile betroffen (Stand: 26.02.2016). Am 1. Februar 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im Zusammenhang mit Zika-Virus-Infektionen eine „Public Health Emergency of International Concern“ (PHEIC) ausgerufen. Auslöser war eine Häufung von Mikrozephalie-Fällen bei Neugeborenen sowie das vermehrte Auftreten neurologischer Erkrankungen wie Guillain-Barré-Syndrom in Ländern, in denen zuvor oder zeitgleich Zika-Ausbrüche auftraten. Ein Zusammenhang dieser Ereignisse wird als wahrscheinlich angesehen. Das am stärksten betroffene Land ist Brasilien, wo im August die Olympischen Sommerspiele stattfinden werden. Bis auf Weiteres sollten Schwangere sowie Frauen mit Kinderwunsch, also bei möglicherweise bestehender Schwangerschaft, von Reisen in die betroffenen Länder Abstand nehmen.

Übertragungswege
Das Zika-Virus wird durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen, die auch Vektoren für das Gelbfieber- und das Dengue-Virus sind. Zusätzlich gibt es den Nachweis weiterer Übertragungswege, etwa durch Geschlechtsverkehr. Während dabei die mögliche Übertragung vom Mann auf die Frau bereits schon längere Zeit bekannt ist, gab es zuletzt auch den Nachweis einer Virusübertragung beim Geschlechtsverkehr von der Frau auf den Mann. Auch durch eine Bluttransfusion könnte das Virus übertragen werden, ebenso perinatal von einer Mutter auf ihr Kind. Zudem wurde der Erreger in Urin und Speichel nachgewiesen. Die Bedeutung hinsichtlich der Weiterverbreitung muss noch geklärt werden.

Krankheitsverlauf
Etwa 80% aller Infektionen verlaufen asymptomatisch, in den übrigen Fällen kommt es fast ausschließlich zu milden Verläufen. In solchen Fällen sollten Sportler in üblicher Weise behandelt und diagnostiziert werden, wie es bei Verdacht auf einen Virusinfekt indiziert ist. Eine Isolation ist nicht erforderlich; Geschlechtsverkehr sollte unterbleiben oder zumindest ein Kondom verwendet werden. Entzündungsindikatoren im Labor können die klinisch-symptomatische Begleitung unterstützen und bei der "return to play"-Entscheidung helfen. Neben erhöhter Temperatur, Kopf- und Gliederschmerzen treten ein Hautausschlag sowie eine nichteitrige Konjunktivitis auf. Die Symptome klingen nach etwa einer Woche spontan wieder ab. Schwere Verlaufsformen bis hin zum Tod sind bislang nur vereinzelt bei Personen mit bereits vorbestehenden Grunderkrankungen beobachtet worden. Aktuell wird ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Zika-Virus-Infektion während der Schwangerschaft und Hirnfehlbildungen des Fötus als sehr wahrscheinlich angesehen. In Brasilien und Französisch Polynesien waren in zeitlicher Nähe zu Zika-Ausbrüchen vermehrt Kinder mit einem zu geringen Kopfumfang (sog. Mikrozephalie) zur Welt gekommen. Mittlerweile konnte bei einigen Frauen, die ein Kind mit zerebraler Schädigung erwarten, oder im Gewebe von nach der Geburt verstorbenen betroffenen Babys das Virus nachgewiesen werden. Eine Mikrozephalie ist oftmals verbunden mit geistiger Behinderung oder neurologischen Schädigungen. Zudem wurde in den genannten sowie in weiteren von Zika betroffenen Ländern ein Anstieg der Inzidenz des Guillain-Barré-Syndroms registriert. In einigen Fällen konnte bei den Patienten eine vorangegangene Zika-Virus-Infektion bestätigt werden, oder sie zeigten zumindest in der jüngeren Vergangenheit typische Symptome einer Zika-Infektion. Auch hier laufen Untersuchungen zu einem möglichen Zusammenhang. Bei dem Guillain-Barré-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung der Nervenbahnen, vorwiegend derjenigen, die zum Bein ziehen. Es äußert sich durch eine Muskelschwäche, die letztlich zur vollständigen Lähmung der Beine, Arme sowie auch zu Atemlähmung führen kann. Mitunter treten Sensibilitätsstörungen auf, etwa beim Empfinden von Berührung, Schmerz oder Temperatur. Auch die Hirnnerven oder das autonome Nervensystem können betroffen sein. Durch eine entsprechende Therapie können die Symptome i. d. R. größtenteils, manchmal auch vollständig, zurückgebildet werden. In den meisten Fällen ist eine zuvor durchgemachte Infektionskrankheit Auslöser des Guillain-Barré-Syndroms.

Diagnostik und Therapie
Eine gute Übersicht zum diagnostischen Vorgehen findet sich beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (http://www.bnitm.de/aktuelles/mitteilungen/954-empfehlungen-zur-diagnostik-der-zika-virus-infektion/), an das auch Proben gesandt werden können. Die Testverfahren dienen jedoch primär der Bestätigung einer Erkrankung. Eine Testung von symptomfreien Sportlern zum Zika-Ausschluss ist nicht sinnvoll, da die bisherigen Verfahren keine 100%ige Sensitivität besitzen und dementsprechend selbst bei einem negativen Ergebnis eine Infektion nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Eine spezifische Therapie für eine Zika-Virus-Erkrankung existiert nicht. Zur symptomatischen Behandlung werden fiebersenkende und schmerzstillende Mittel verabreicht, zudem sollten Patienten viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Prävention
Bislang existiert kein Impfstoff gegen eine Zika-Virus-Infektion. Wichtigste persönliche Schutzmaßnahme ist das Vermeiden von Mückenstichen, etwa durch das Tragen körperbedeckender Kleidung und das Auftragen von Insektenabwehrmittel auf unbedeckte Hautstellen. Die Kleidung sollte dicht gewebt sein und kann zusätzlich zur Verstärkung des Schutzes mit einem Insektizid wie Permethrin imprägniert werden. Die übertragenden Moskitos sind vorwiegend tagaktiv, wenn möglich sollte man sich daher tagsüber weitestgehend in klimatisierten Räumen mit Mückengittern vor den Fenstern aufhalten. Schwangere sowie Frauen mit Kinderwunsch sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt von nicht zwingend notwendigen Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete absehen. Es wird wegen der gegenseitigen Übertragbarkeit sowohl Männern als auch Frauen empfohlen, nach Rückkehr aus einem Endemiegebiet für 2 Monate Kondome zu benutzen. Bei Vorliegen einer Zika-Erkrankung wird eine längere Kondomnutzung empfohlen. Da derzeit jedoch noch Kontroversen über den genauen Zeitraum der Ansteckungsgefahr und der dementsprechend empfohlenen Kondomnutzung geführt werden, empfehlen wir nach der Rückkehr aus einem Zika-Endemiegebiet die Reevaluation der entsprechenden Empfehlungen über diese Website.
Weiterführende Information zur sexuellen Übertragung des Zika-Virus auch unter

www.cdc.gov/zika/transmission/sexual-transmission.html.


RKI-Infos


http://www.paho.org/hq/index.php?option=com_topics&view=article&id=427&Itemid=41484&lang=en#
http://www.cdc.gov/zika/geo/index.html
http://www.dtg.org/24.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=135&cHash=a1472a41911d6bb4ecec2bbbc7cc55d4%29

Ausbreitungsübersicht August 2016