Gesichtsfeldausfälle


Homonyme Gesichtsfeldausfälle und -störungen

Als homonyme Gesichtsfeldausfälle werden vollständige Ausfälle aller Sehleistungen in definierten Gesichtsfeldregionen bezeichnet.

Unter Gesichtsfeldstörungen hingegen werden Ausfälle bestimmter Sehleistungen bei relativem Erhaltensein anderer Leistungen verstanden, wie dem Farb- oder Formsehen.

Innerhalb der ersten 2-3 Monate kommt es bei etwa 10-20% der Patienten zu partiellen Spontanremissionen. I. d. R. erholen sich die peripheren Bereiche, während im Zentrum des Gesichtsfelds weiterhin Beeinträchtigungen bestehen bleiben. Es werden drei Arten von Funktionsbeeinträchtigungen unterschieden:


1. Hemianope Lesestörungen

2. Visuelle Explorationsstörungen

3. Visuell – räumliche Probleme



Therapieverfahren bei Gesichtsfeldausfällen


Hemianopisches Lesetraining

Ziel des Lesetrainings ist die Steigerung des Lesetempos, Verbesserung des Zeilensprungs sowie Reduktion der Fehlerzahl, um trotz eines  stabilen Gesichtsfeldausfalls effektive Lesestrategien zu ermöglichen.

Zunächst wird unter Nutzung des verbliebenen „Lesefensters“ das Lesen kurzer Wörter (3-4 Buchstaben) geübt. Sukzessive werden zum Lesen Stimuli innerhalb des Skotombereichs dargeboten.

Zeitgleich zur Lesetherapie erhalten die Betroffenen „Hausaufgaben“ zur selbständigen Durchführung, um möglichst bald den Behandlungstransfer in den Alltag sicher zu stellen.


Visuelles Explorationstraining

Das Training rascher Blickbewegungen (Sakkaden) sowie räumlich organisierter, systematischer Suchstrategien reduziert charakteristische Auslassungsfehler, die 40-60 % der Patienten mit homonymen Gesichtsfeldausfällen zeigen.

Das Sakkadentraining wird u. a. mittels großer visueller Vorlagen durchgeführt (ggf. auch großflächige Projektionen des Reizmaterials).

Der unmittelbare Transfer der erlernten Strategien auf Alltagssituationen ist ebenso ein zentraler Bestandteil der Therapie.

Zu Beginn der Therapie wird auf Kopfbewegungen als unterstützende Suchstrategie verzichtet, um Folgeprobleme wie Nackenschmerzen oder Schwindel zu vermeiden.

Zu einem späteren Zeitpunkt der Therapie, sobald die Sakkadenbewegungen rasch und effektiv erfolgen, können Kopfbewegung gezielt zur Unterstützung eingesetzt werden.


Crossmodales Explorationstraining

Diese Therapiemethode basiert auf dem Prinzip der zeitlich und örtlich gekoppelten, audio-visuellen Stimulation im blinden Gesichtsfeld.

Patienten mit homonymem Gesichtsfeldausfall lernen, visuelle Reize im Skotombereich durch den Einsatz schneller Augenbewegungen zu entdecken.

Dabei werden die Sakkaden durch akustische Stimuli aus dem betroffenen Halbfeld gebahnt.