Mittwoch, 12. August 2015

Flüchtlinge sollen unbürokratischen Zugang zu Universitätsstudium in MINT-Fächern erhalten

Gemeinsame Pressemitteilung von Landesregierung und Universität des Saarlandes

Die detaillierten Informationen zu dem Eignungstest und zu den Einschreibebedingungen werden gegenwärtig erarbeitet und stehen in Kürze auf den Webseiten der Universität zur Verfügung. Bereits jetzt können Sie ein Internetformular nutzen unter:
www.uni-saarland.de/studieren/refugee-students

Bis zum 30. September können sich Interessierte über das Internetformular zum Eignungstest anmelden.


Ab dem kommenden Wintersemester ermöglichen die Landesregierung und die Universität des Saarlandes Asylberechtigten und anerkannten Flüchtlingen einen unbürokratischen Zugang zu einem Universitätsstudium in ausgewählten Fächern des MINT-Bereichs, kombiniert mit einem speziellen Deutschkurs. Voraussetzung ist, dass die Flüchtlinge einen Eignungstest für das Studium bestehen und erfolgreich einen einjährigen Deutschkurs absolvieren. Sie können dann an der Saar-Uni ein grundständiges Studium in einem nicht-zulassungsbeschränkten MINT-Fach aufnehmen (beispielsweise Systems Engineering oder Informatik). Damit erhalten studierfähige Asylberechtigte auch ohne Vorlage ihrer Zeugnisse die Chance auf ein Studium. Die Landesregierung wird dazu die entsprechenden Rechtsgrundlagen anpassen.


Die meisten Flüchtlinge bringen nicht die notwendigen Sprachvoraussetzungen für ein Studium mit. Zudem fehlt ihnen das Wissen über Bewerbungsverfahren an Hochschulen sowie die Fremdsprachenkenntnisse, um die Formulare ausfüllen zu können. Darüber hinaus sind bei vielen die Zeugnisse auf der Flucht verloren gegangen oder die Dokumente wurden von Schleppern vernichtet, wodurch für diese Personen die Teilnahme an regulären Bewerbungsverfahren ausscheidet.

Deshalb bietet die Universität des Saarlandes ab Oktober dieses Jahres einen Eignungstest für Flüchtlinge an, der die Studierfähigkeit für ein MINT-Studienfach prüft; die Teilnahme ist ohne komplexes Anmeldeverfahren möglich. Haben die Flüchtlinge den Test erfolgreich bestanden, so können sie im Studienkolleg der Universität des Saarlandes an einem speziellen Deutschkurs teilnehmen, der ihnen innerhalb eines Jahres die notwendigen Sprachkenntnisse vermittelt. Der Sprachkurs endet mit der so genannten Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH). Die bestandene Sprachprüfung nach einem Jahr zusammen mit dem erfolgreichen Abschluss des Eignungstests ermöglicht den Flüchtlingen, an der Universität des Saarlandes in grundständigen MINT-Fächern ohne Zulassungsbeschränkung zu studieren, zum Beispiel in den Fächern Systems Engineering oder Informatik.

Durch die Einschreibung am Studienkolleg während des Deutschkurses erhalten die Flüchtlinge von Anfang an Bafög, sofern die übrigen Voraussetzungen für eine Bafög-Förderung gegeben sind.

„Viele der jungen Flüchtlinge bringen gute schulische Voraussetzungen für einen Neuanfang in Deutschland mit“, sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. „Wir wollen dazu beitragen, dass dieses Potenzial  auch genutzt wird. Das Programm hilft dabei, diese jungen Menschen schneller in unserem Land zu integrieren. Und zugleich unterstützen wir damit die Ausbildung von MINT-Fachkräften, auf die unser Land in Zukunft besonders angewiesen sein wird.“

Universitätspräsident Volker Linneweber begrüßt die Regelung ebenfalls: „Wir wollen mit diesem Programm einen unbürokratischen Zugang für Flüchtlinge schaffen, um den begabten jungen Leuten in Deutschland eine gute Zukunft zu ermöglichen. Ich sehe hier an der Universität eine große Bereitschaft, an der Umsetzung des Programms mitzuwirken. Das freut mich ganz persönlich, und ich finde, das setzt ein gutes Zeichen für das Miteinander mit den vielen Flüchtlingen, die zu uns kommen.“

Der Eignungstest soll erstmals im Oktober angeboten werden; der Beginn des Deutschkurses ist für November vorgesehen. In den nächsten Monaten wird sich auch klären, ob der Eignungstest in jedem Semester oder nur einmal im Jahr durchgeführt werden wird.