Internationale Saar-Uni

Drei Fragen an Astrid Fellner

Vizepräsidentin für Europa und Internationales


Die Universität des Saarlandes bezeichnet sich als "europäische Universität". Warum?

Seit ihrer deutsch-französischen Gründung ist die Universität des Saarlandes europäisch ausgerichtet. Sie ist auch europäisch, weil sie im Herzen Europas liegt: im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg sowie in unmittelbarer Nähe zu Belgien und damit zu zahlreichen EU-Institutionen. Daraus ergibt sich für die Saar-Uni die Chance, die europäische Idee, den europäischen Geist zu leben, Mehrsprachigkeit und grenzüberschreitendes Studieren und Forschen zur Selbstverständlichkeit zu machen und damit europäisches Modell zu sein.

Die Saar-Uni geht aber noch ein Stück weiter und hat Europa zu einem ihrer drei Schwerpunkte erklärt. Im Europa-Schwerpunkt widmet sie sich europabezogenen Themen in Forschung und Lehre, betrachtet Europa als interdisziplinären Forschungsgegenstand und erforscht die weltweiten transeuropäischen Verflechtungen. Diese europäische Ausrichtung der Saar-Uni ist eingebettet in die zahlreichen Kooperationen mit Partneruniversitäten auf der ganzen Welt. Für Studierende hat das eine Vielfalt internationaler Studienmöglichkeiten zur Folge, und für die Forschung bedeutet es, dass sie weltweite wissenschaftliche Netzwerke pflegt. Dies umso mehr, als die Wissenschaftler der Universität intensiv mit den international orientierten Forschungseinrichtungen auf dem Campus zusammenarbeiten.


Was bedeutet die europäische Ausrichtung und die Kooperation in der Großregion für Studierende und Wissenschaftler der Universität?

Die Saar-Uni hat einen weit überdurchschnittlichen Anteil internationaler Studierender, insbesondere aus Westeuropa. In Saarbrücken kann man aus einem großen Angebot an grenzüberschreitenden Studiengängen wählen, die zu einem Doppel- oder sogar Dreifachabschluss führen. Die meisten dieser Studiengänge vermitteln eine besondere Frankreichkompetenz und werden gemeinsam mit französischen und luxemburgischen Partnerunis durchgeführt. Mit dem Zertifikat Europaicum ermöglichen wir außerdem Studierenden aller Fachrichtungen, interdisziplinäre Europakompetenzen zu erwerben. Im Rahmen der Europa-Professur kommt zudem jedes Jahr ein Gastprofessor oder eine Gastprofessorin aus einem anderen europäischen Land nach Saarbrücken.

Auch die Universität der Großregion hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Durch den Verbund von Hochschulen aus dem Saarland, Lothringen, Luxemburg, Wallonien und der Westpfalz haben wir die Chance, "Europa im Kleinen" zu leben. Studierende können ohne große bürokratische Hürden das Studienangebot aller Partnerunis nutzen, und auch zwischen Wissenschaftlern findet eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit statt. Europa als Forschungsgegenstand vereint darüber hinaus viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Saar-Uni über die Disziplinen hinweg und eröffnet damit neue Horizonte.


Die Uni hat vor einiger Zeit eine Internationalisierungsstrategie entworfen. Welche neuen Maßnahmen für deren Umsetzung gibt es?

Neben der Weiterentwicklung des Europaschwerpunkts und dessen Fokus auf Frankreich ist der Ausbau unserer Willkommenskultur und -praxis auf dem Campus wesentlicher Baustein unserer Internationalisierungsstrategie. Hier hat sich bereits einiges getan. So hilft das Welcome Center internationalen Gastwissenschaftlern und Studierenden über die ersten Einstiegshürden in Saarbrücken hinweg, und mit dem Masterkolleg haben wir eine neue zentrale Anlaufstelle für internationale Masterstudierende geschaffen. In diesem Zusammenhang ist auch die Mehrsprachigkeit des Campus auf allen Ebenen von zentraler Bedeutung. Vorreiter war die Saar-Uni außerdem beim Angebot eines Studiums für Flüchtlinge. Als eine der ersten Hochschulen bundesweit hat sie die Möglichkeit geschaffen, dass Flüchtlinge auch ohne Vorlage von Zeugnissen ein Bachelorstudium in einem MINT-Fach aufnehmen können und freut sich, junge, begabte Flüchtlinge zu integrieren und ihnen eine neue Zukunft zu eröffnen.