Mittwoch, 11. Oktober 2017

Konferenz „Cell Physics“: Forscher aus aller Welt tauschen sich über die Vorgänge in Zellen aus

Aktuelle Forschungsergebnisse aus der Zellphysik diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt vom 11. bis 13. Oktober an der Universität des Saarlandes. Die Konferenz „Cell Physics“ findet zum dritten Mal auf dem Saarbrücker Campus statt. Veranstalter ist der Sonderforschungsbereich 1027 „Physikalische Modellierung von Nichtgleichgewichts-Prozessen in biologischen Systemen“ der Saar-Uni, der grundlegende physikalische Mechanismen in Zellen erforscht.

Welchen physikalischen Regeln folgen die Abläufe in und zwischen lebenden Zellen? Warum bewegen sich Immunzellen überhaupt auf Tumorzellen oder Viren zu? Und wie haften Bakterien an Oberflächen? Mit solchen Fragen befasst sich die Zellphysik. An der Saar-Uni forschen auf diesem Gebiet Physiker, Mediziner, Biologen und Bioinformatiker im Sonderforschungsbereich 1027. Sie gehen diesen Forschungsfragen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven nach: Theoretische Physiker modellieren biologische Prozesse im Computer, Experimentalphysiker und Zellbiologen untersuchen vereinfachte Modellsysteme, die sie unter kontrollierten Laborbedingungen beeinflussen können und Mediziner gewinnen neue Ideen für klinische Anwendungen.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz ist die Zellmechanik. Dabei geht es um das Verständnis von mechanischen Zellfunktionen (wie Migration, Polarisierung, Formänderung und Zellteilung) von und in lebenden Zellen. Die mikroskopische Ursache dieser Prozesse ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Moleküle, u.a. sogenannter Motor-Proteine, welches fundamental für das Wachstum und die Funktion von Organen und Organismen ist. Kleine, zum Beispiel durch genetische Veränderungen bedingte, Defekte dieser komplexen Maschinerie können schwere Krankheiten verursachen.
Die wichtigste zelluläre Struktur für die Zellmechanik, und daher ebenso ein Fokus der Konferenz, ist das Zytoskelett, ein dynamisches Arrangement von Fasern innerhalb der Zelle, welches neben mechanischen Aufgaben auch den Transport von Substanzen innerhalb der Zelle von einem Ort zum anderen übernimmt. Weiterhin ist die Adhäsion, also die Haftung von Zellen untereinander und an Oberflächen, ein wichtiger Aspekt der Zellmechanik und damit der Konferenz.

Insgesamt erwarten die Organisatoren Professor Heiko Rieger, der Sprecher des SFB 1027, und Professor Ludger Santen rund 200 Teilnehmer zur Konferenz, die sich in über 100 Vorträgen, Poster-Beiträgen und Diskussionsrunden über den aktuellen Stand der Wissenschaft auf dem Gebiet der Zellphysik austauschen werden. Die Sprecher kommen aus aller Welt, neben Deutschland beispielsweise aus benachbarten EU-Ländern, den USA, Israel und Singapur.

Die im zweijährigen Turnus stattfindende Konferenz „Cell Physics“ hat sich als ein weltweit beachtetes Ereignis für die internationale Forschungsgemeinschaft der Zell-Biophysiker etabliert und die Sichtbarkeit der Universität des Saarlandes sowie des SFB 1027 außerordentlich erhöht. „Die Konferenz war bereits Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit von Forschern der Saar-Uni mit auswärtigen Konferenzgästen sowie ein fruchtbares Rekrutierungsfeld für neue Doktoranden und Post-Docs“, erklärt Heiko Rieger.

 

Weitere Informationen:

www.cell-physics.uni-saarland.de 
http://www.sfb1027.uni-saarland.de/

 

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Heiko Rieger
Tel.: (0681) 3023969
E-Mail: h.rieger(at)mx.uni-saarland.de