Verfolgt und vergessen: Frauen im Gestapo-Lager Neue Bremm
Seit dem Sommersemester 2025 arbeiten Studierende der Universität des Saarlandes an der Entwicklung eines Audiorundgangs für das ehemalige Frauenlager des Gestapo-Lagers Neue Bremm. Das Projekt entstand aus dem Seminar „Grenzüberschreitungen: Von Paris über Saarbrücken ins KZ Ravensbrück. Deportation von Frauen aus Frankreich (1942–1944). Geschichte und Erinnerung“ von apl. Prof. Dr. phil. habil. Mechthild Gilzmer und Prof. Dr. Fabian Lemmes und wird in Zusammenarbeit mit EuroKey sowie der Initiative Neue Bremm realisiert. Gefördert wird das Vorhaben durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds.

Die deutsch-französische Perspektive spielt dabei eine besondere Rolle. Das ehemalige Gestapo-Lager Neue Bremm liegt unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze und war während der NS-Zeit ein Ort grenzüberschreitender Verfolgung. Viele der inhaftierten Frauen stammten aus Frankreich oder wurden über Saarbrücken in andere Lager deportiert. Gerade an diesem historischen Ort erscheint es daher besonders wichtig, die Geschichte aus einer deutsch-französischen Perspektive zu erforschen und zu vermitteln.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars haben sich bereits in Referaten und Hausarbeiten intensiv mit der Geschichte weiblicher Häftlinge und Täterinnen in der Neuen Bremm sowie mit den Deportationswegen nach Ravensbrück beschäftigt.
Aus diesem wissenschaftlichen Interesse heraus engagieren sich viele von ihnen über das Seminar hinaus und arbeiten seitdem kontinuierlich an der Konzeption und Umsetzung des Audiorundgangs weiter.
In der bestehenden App gibt es bereits einen Rundgang über das Gelände des Gestapo-Lagers Neue Bremm. Das ehemalige Frauenlager wird dort bislang jedoch nur am Rande behandelt. Ziel des neuen Projekts ist es daher, die bislang wenig erforschte Geschichte dieses Lagerbereichs in einem eigenständigen Rundgang mit zehn Stationen sichtbar zu machen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Die Geschichte des Frauenlagers wurde lange Zeit von Forschung und Erinnerungskultur vernachlässigt. Dieses Vergessen setzte bereits unmittelbar nach Kriegsende ein: Im Rastatter Prozess von 1946 wurden ehemalige weibliche Häftlinge zwar als Zeuginnen vernommen, jedoch vor allem zu den Geschehnissen im Männerlager befragt und nicht als Betroffene ihrer eigenen Verfolgungsgeschichte wahrgenommen. Selbst auf den im Prozess verwendeten Skizzen erscheint das Frauenlager lediglich als unbeschriftete Fläche. Der Audiorundgang möchte dazu beitragen, diese Leerstelle in der Erinnerung zu schließen und die Erfahrungen der dort inhaftierten Frauen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Hier geben wir zukünftig auch weitere Einblicke in den Arbeitsprozess sowie die Entwicklung des Audiorundgangs.
Mitwirkende: Prof. Dr. Fabian Lemmes | apl. Prof. Dr. phil. habil. Mechthild Gilzmer | Leyla Taşkiran, B.A. (Hilfskraft)