24.06.2026

Vortrag: "Umgenutzt und angepasst. Vom mittelalterlichen Trinkhorn zum Reliquienbehältnis"

Rinderhorn, mit goldenen Strukturen verziert, auf "Vogelfüßen" aufrecht stehend.© Adeline Schwabauer
Hornreliquiar C, 15. Jahrhundert und später, Horn, Kupferlegierung, vergoldet, 32 × 43 × 14,2 cm, 2954 g, Maastricht, St. Servatius, Inv.-Nr. 13249-990.

Am 24. Juni um 18:00 Uhr findet im Rahmen der Vortragsreihe des Instituts für Kunstgeschichte ein Vortrag von Adeline Schwabauer (Goethe-Universität Frankfurt) mit dem Titel „Umgenutzt und angepasst. Vom mittelalterlichen Trinkhorn zum Reliquienbehältnis“ statt (Gebäude B3 1, Raum 1.30).

Horn aus den Stirnwaffen von Rinderartigen ist ein allgegenwärtiges und vielfältiges Material im Mittelalter. Aus den keratinhaltigen Konen wurden Kämme und Laternenfenster gefertigt, Brillen, Pfeilbögen, Werkzeuggriffe oder Sähtrichter. Im Spätmittelalter wurden die Hornscheiden durch passgenaue Metallfassungen zu aufrechtstehenden Trinkgefäßen, welche an der Festtafel, im Gildenmahl oder Willkommenstrunk angewandt wurden. Doch auch hier findet die Transformation des Hornes kein Ende: So sind zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert Trinkhörner vermehrt in Kirchenschätzen zu finden, wo sie vor allem als Reliquiare umgenutzt wurden. Adeline Schwabauer wird in ihrem Vortrag die Objektgeschichten von Hornreliquiaren dargelegt, um deren Weg vom ordinären Alltagsmaterial zum repräsentativen Reliquienbehältnis zu erklären. 

Adeline Schwabauer studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Im Jahr 2025 promovierte sie an der Universität zu Köln mit der Arbeit „Hörner im Dienst der Kirche. Mittelalterliche Trinkhörner, Greifenklauen und gefasste Horngefäße in sakraler (Um-)Nutzung“, welche mit dem Forschungspreis für Angewandte Kunst 2026 ausgezeichnet wurde. 
Seit 2025 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Mittelalter der Goethe-Universität Frankfurt am Main tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Umnutzungs- und Wiederverwendungsprozesse, Material, Materialität und künstlerisch-handwerkliche Goldschmiedetechniken sowie die Objektkultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, insbesondere Trinkgefäße, Reliquiare und objektspezifische Hüllen.

Zeit: 24. Juni 2026, 18:00 Uhr 
Ort: Gebäude B3 1, Raum 1.30

Kontakt:
Universität des Saarlandes, Institut für Kunstgeschichte
sekretariat-kuge(at)uni-saarland.de