Workshop 7 (Saarbrücken, Juni 2026)
7. ARENES-Workshop
Der 7. Workshop des DFG-ANR-Projekts ARENES fand vom 10. bis zum 12. Juni 2026 an der Universität des Saarlandes statt.
Nachfolgend findet sich das Programm sowie ein Bericht zum Workshop.
Hier geht es zum Programm des Workshops.
Im Juni 2026 trafen sich die Mitglieder des ARENES-Forschungsprojekts sowie externe Expert:innen im Innovation Center der Universität des Saarlandes zum siebten und letzten regulären Workshop. Im Zentrum der Veranstaltung standen die Rolle und der Platz von Frauen in und um Sportstadien. Ziel war es, die in der Sport- und Fußballgeschichtsforschung oftmals noch vernachlässigte Gender-Dimension im Kontext der im ARENES-Projekt im Fokus stehenden Räume des Sports zu beleuchten. Nach der Begrüßung und einer kurzen Einführung in das Workshopthema entfaltete Xavier Breuil (Besançon) ein breites Panorama des westeuropäischen Frauenfußballs mit Blick auf die Stadien, in denen dieser praktiziert wurde und wird. Ausgehend von drei Phasen des Frauenfußballs – als „Sensation“ (1916-1921, 1950er bis 1970er Jahre), als verbotener Sport (1921-1969) und als „offizieller“ Sport (ab den 1970er Jahren) – skizzierte Breuil diverse Stadiontypen, in denen Frauen Fußball spiel(t)en: von ungeeigneten Brachflächen über bekannte „Männerstadien“ bis hin zu eigens auf den Frauenfußball zugeschnittene Arenen. Anschließend erörterte Corentin Joseph (Rouen / Saarbrücken) – basierend auf seinem Dissertationsprojekt zu den Sportbegegnungen zwischen Frankreich und Deutschland sowie den Orten dieser Aufeinandertreffen in der Zwischenkriegszeit – Wettkämpfe der Frauen in der Leichtathletik. Im Fokus standen dabei insbesondere Aufeinandertreffen zwischen den weiblichen Auswahlmannschaften der beiden Länder und der sie umrahmende diplomatische Kontext zwischen Entspannung und einer Atmosphäre der „Mobilmachung“.
Den zweiten Workshop-Tag eröffnete Tristan Muret (Besançon), der sich dem monetären Preis des Sportspektakels im Paris der Zwischenkriegszeit widmete. Mit Hilfe der Archives de l’Assistance Publique der Hôpitaux de Paris, Zeitungsartikeln sowie insbesondere Pressefotografien verglich er das Stade Roland-Garros mit dem Parc des Princes hinsichtlich des Einflusses der Eintrittspreise und geografischen Verteilung auf die Kategorie class. Ein spezielles Augenmerk lenkte er bei dieser Gegenüberstellung auch auf die Präsenz von Frauen in den beiden Arenen, die er aufgrund fehlender schriftlicher Quellen insbesondere über eine akribische Analyse von Fotografien sichtbar machte. Danach bot Helge Faller (Hagen) einen Blick auf die Stadien und Plätze des Frauenfußballs der Zwischenkriegszeit in mehreren europäischen Ländern. Diese eindrucksvolle Perspektive komplettierte das von Xavier Breuil im Eröffnungsvortrag skizzierte Panorama und unterstrich abermals die Vielgestaltigkeit der Räume des Frauenfußballs. Vom Großen ins Kleine ging anschließend der Vortrag von Charles de Carvalho (Reims), der die Sportstätten der Champagner-Stadt Reims und deren Nutzung durch Frauen in den Mittelpunkt rückte. Der Bibliothekar umriss dieses Verhältnis von den Anfängen des modernen Sports bis zu den großen Erfolgen der Frauenabteilung von Stade de Reims in den 1970er Jahren und zeigte dabei, wie sich Momente der Öffnung mit Phasen des Widerstands einer männlich dominierten Sportwelt abwechselten.
Am Nachmittag lieferte zunächst Fidel Cruz (Freiburg) eine literaturwissenschaftliche Analyse dreier von Frauen geschriebener Sportromane: La petite communiste qui ne souriait jamais von Lola Lafon (2015), La dama de la nieblavon Carla Montero (2025) und Alto rendimiento von Carolina Sanin (2016). Hierbei stellte der Freiburger Doktorand eine Trias von (weiblichem) Heldentum, Gewalt und Maskulinität fest und machte deutlich, dass sich die hier dargestellte Perspektive der Frauen stark von den Diskursen männlicher Sportlichkeit unterschied. Clément Mommessin (Limoges) präsentierte im Anschluss die Fortschritte seines Promotionsprojekts zum Palais des sports de Beaublanc in Limoges und ging im zweiten Teil seines Vortrags auch auf Wettkämpfe mit weiblicher Beteiligung in verschiedenen Sportarten in diesem „Sportpalast“ ein. Zuletzt stellte er die weiteren Rollen von Frauen in und um diese Arena vor. Mit Carina Sophia Linne (Berlin) präsentierte dann eine weitere ausgewiesene Expertin die Ergebnisse ihrer Dissertation zum Frauenfußball im geteilten Deutschland 1945 bis 1990. Sie zeigte die unterschiedlichen Entwicklungsphasen und die gesellschaftlichen, oft ideologisch eingefärbten Reaktionen auf diesen Sport in der Bundesrepublik und der DDR auf. Den Abschluss des zweiten Tages machte Philipp Didion (Saarbrücken / Besançon), der ebenfalls die diversen Rolle von Frauen in und um die von ihm analysierten Sport-Arenen in Reims, Kaiserslautern, Saint-Étienne und Mönchengladbach thematisierte. Im zweiten Teil seines Vortrags untersuchte er fallbeispielartig, wie der männliche Spitzenfußball in den von Krisen und sinkenden Zuschauerzahlen geprägten langen 1960er Jahren Frauen als Zuschauerinnen (wieder-)entdeckten und mehr oder minder klischeebehaftet danach strebte, den Stadionbesuch für das weibliche Publikum attraktiver zu machen.
Am Vormittag des letzten Veranstaltungstages standen noch zwei weitere Vorträge auf dem Programm. Zunächst erläuterte Ulrich Pfeil (Metz), wie im Zuge der Enttrümmerung unter anderem in der DDR – aber auch in Westdeutschland) – auf Trümmerschutt errichtete Sportstadien entstanden. Dabei legte er das ideologische Framing sowie dessen praktische Grenzen offen und verwies insbesondere auf die Mobilisierung der Jugend. Danach präsentierte Aurélien Gérard (Paris / Besançon) das Mitreden von weiblichen Zuschauerinnen in der ansonsten stark von Männern dominierten Fanzine-Welt von Leeds United. Er verdeutlichte, dass auch Frauen an der Fabrikation dieser Magazine von Fans für Fans beteiligt waren, sich dort äußerten und die weit verbreitete Misogynie im Fußball anprangerten. Ähnlich wie dieser letzte Beitrag haben sämtliche Präsentationen veranschaulicht, dass Frauen durchaus verschiedene Rolle in und um Sport-Arenen innehatten und -haben, dass diese oftmals nur mit einem erhöhten Aufwand (vor allem aufgrund fehlender schriftlicher Quellen) zu entschlüsseln sind, dass es aber durchaus lohnend erscheint, sich diese Mühe zu machen! So lassen sich spannende Erkenntnisse zutage fördern, was auch einen neuen Blick auf die im ARENES-Forschungsprojekt angesiedelten Dissertationsvorhaben ermöglichte. Auch wenn der Workshop mit Anreiseschwierigkeiten aufgrund des Generalstreiks der französischen SNCF konfrontiert war, so lässt sich alles in allem festhalten, dass das Oberthema „Der Platz von Frauen in Sport-Arenen“ die Möglichkeit für einen fruchtbaren Austausch und neue, oftmals übersehene Perspektiven auf Sportstätten bot. Anfang März 2027 werden die ARENES-Mitglieder sowie weitere Gäste nun erneut treffen, um im Rahmen einer Abschlusstagung in Besançon Bilanz zu ziehen.
(Bericht verfasst von Philipp Didion)
