Forschungsschwerpunkte und Projekte
Aktuelle Projekte
Vor der Erfindung der Schrift hinterließ Sprache keine eindeutigen archäologischen Spuren. Allerdings hat sich wohlmöglich eine wichtige Komponente der Schrift, nämlich Zeichenkombinatorik, auf sogenannten mobilen Artefakten im wahrsten Sinne des Wortes "eingeprägt". Das EVINE Projekt zur Evolution Visueller Informationskodierung hat zum Ziel, die relevanten archäologischen Funde in einer Datenbank zu erfassen. Darauf aufbauend sollen die Übergänge in der Informationskodierung mit Methoden aus der Computationalen Linguistik beleuchtet werden. Dazu werden Maße aus der Informationstheorie und Quantitativen Linguistik sowie Klassifikationsalgorithmen herangezogen. Diese werden auf paläolithische Zeichen, frühe Keilschrift-Texte und moderne Schriften angewendet.
Dieses Projekt wird vom Europäischen Forschungsrat im Rahmen eines ERC Starting Grant (ERC, EVINE, 101117111) finanziert.
Für weitere Informationen siehe https://www.erc-evine.de/index.html
SignBase ist eine Open Access Datenbank für geometrische Zeichen auf mobilen Artefakten aus dem Paläolithikum. Die Datenbank entstand aus einer Kollaboration zwischen Dr. Ewa Dutkiewicz und Dr. Christian Bentz und wurde ursprünglich im Rahmen des DFG Center for Advanced Studies "Words, Bones, Genes, Tools" gefördert (Kolleg-Forschungsgruppe 2237). Der Fokus der Datenerhebung liegt auf dem Eurasischen Paläolithikum und der Mittleren Steinzeit in Afrika. In diesen zeitlichen Perioden sind geometrische Zeichen - die in der Literatur auch als Motive, Muster, Markierungen bezeichnet werden - sowohl in der Felskunst als auch auf mobilen Objekten sehr häufig vertreten. Der Begriff “geometrisch” umfasst einfache, abstrakte Formen wie Punkte, Linien, und Kreuze, sowie sich daraus ergebende komplexere Muster.
Für weitere Informationen siehe https://www.signbase.org/ und
https://uni-tuebingen.de/en/research/core-research/dfg-research-units/words-and-bones/
Zeichen sind die Atome der Information. Wenn sie zu Abfolgen zusammengesetzt werden, dann resultiert aus ihrer Auswahl Vorhersagbarkeit -- oder Unvorhersagbarkeit. Die Auswahl an möglichen Zeichen ist das Fundament der Informationscodierung. Natürliche Sprachen sind kommunikative Systeme, die auf diesen Prinzipien basieren. Sie verwenden Laute, Grapheme, oder Gebärden um Bedeutung zu vermitteln. In der sprachwissenschaftlichen Forschung des Lehrstuhls wird untersucht, wie der Raum der möglichen menschlichen Sprachen beschaffen ist. Bewegen sich Sprachen innerhalb dieses Raums rein zufällig oder getrieben von nachweisbaren Sprachwandel-Phänomenen? Welche informations-theoretischen Eckdaten spannen den Raum der möglichen Sprachen auf? Haben menschliche Sprachen und Schriften einen universellen statistischen Fingerabdruck, der sie von anderen Zeichensystemen unterscheidet?
Für weitere Informationen siehe https://www.christianbentz.de/index.html


