Gastvortrag von David Bessis

“If AI does the Science, what is left for us?“

 

„KI knackt mathematische Annahme“ /„LLMs liefern Forschung auf Promotionsniveau“ / „Die führenden Physiker:innen haben angesichts der Überlegenheit von KI bereits kapituliert.“

Schlagzeilen wie diese prägen derzeit die öffentliche Debatte. Die Fähigkeiten von KI-Systemen entwickeln sich rasant weiter – und ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht absehbar. Ist dies das Ende der menschlichen Wissenschaft? Welchen Stellenwert hat eine Promotion noch, wenn Forschung künftig weitgehend automatisiert werden könnte? Und warum sollte man sich überhaupt noch die Mühe machen, etwas zu lernen oder gar eine Doktorarbeit zu schreiben?


Mit diesen Fragen befasste sich der Gastvortrag “If AI does the Science, what is left for us?”, den das Zentrum für Quantentechnologien (QuTe) Anfang Juli 2026 veranstaltete. Zu Gast war der Mathematiker, Tech-Gründer und Autor David Bessis, der 2024 das Buch Mathematica: A Secret World of Intuition and Curiosity veröffentlichte. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit der Rolle von Intuition, Kreativität und menschlichem Erkenntnisgewinn in der Mathematik – und damit genau mit den Fragen, die durch den rasanten Fortschritt Künstlicher Intelligenz (KI) heute neu gestellt werden.

Zum Gastvortrag kamen mehr als 160 Teilnehmende im Hörsaal des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme (MPI-SWS) zusammen, um Antworten auf diese Fragen zu erhalten und die Rolle von KI in Wissenschaft und Forschung zu diskutieren. Nach einer Begrüßung sowie einer kurzen Einführung in das Zentrum für Quantentechnologien (QuTe) durch den Geschäftsführer Christian Hochbruck begann der erste Themenblock des Abends: ein moderiertes Gespräch zwischen David Bessis und dem wissenschaftlichen Direktor von QuTe, Prof. Dr. Moritz Weber. Im Mittelpunkt standen dabei die Auswirkungen moderner KI-Systeme auf wissenschaftliches Arbeiten. Diskutiert wurde unter anderem, welche Leistungen aktueller KI-Modelle tatsächlich beeindruckend sind, wo ihre Grenzen liegen und warum wissenschaftliches Verständnis auch dann unverzichtbar bleibt, wenn Maschinen zunehmend in der Lage sind, Probleme zu lösen oder neue Erkenntnisse vorzuschlagen. Darüber hinaus ging es um die Frage, welche Kompetenzen Forschende künftig benötigen, wie sich die Rolle von Promotionen und wissenschaftlicher Ausbildung verändert und weshalb menschliche Kreativität, Intuition und Urteilsvermögen auch im Zeitalter fortschrittlicher KI-Systeme unverzichtbar bleiben. Anstelle eines Szenarios, in dem KI Wissenschaftler:innen ersetzt, zeichnete die Diskussion vielmehr das Bild einer zukünftigen Forschungspraxis, in der KI neue Möglichkeiten eröffnet und Forschenden dabei hilft, komplexe Fragestellungen schneller und umfassender zu bearbeiten.

An das Gespräch zwischen Bessis und Weber schloss sich eine Paneldiskussion zum Thema “Wie verändert KI die Forschungspraxis?” an, an der Forschende mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und wissenschaftlichen Perspektiven teilnahmen. Ziel war es, über allgemeine Schlagzeilen und Hype-Debatten hinauszugehen und anhand konkreter Beispiele zu diskutieren, wie KI den wissenschaftlichen Arbeitsalltag bereits heute verändert – von der Strukturierung erster Ideen und der Literaturrecherche über die Planung von Experimenten und die Datenanalyse bis hin zum Verfassen wissenschaftlicher Artikel und Gutachten. Dabei wurde deutlich, dass KI von den Panelteilnehmenden vor allem als unterstützendes Werkzeug verstanden wird, das neue Möglichkeiten eröffnet und wissenschaftliche Prozesse in vielen Bereichen erleichtern kann. Gleichzeitig betonten die Diskutierenden die Notwendigkeit transparenter Regeln für den verantwortungsvollen Einsatz von KI, insbesondere im Hinblick auf Nachvollziehbarkeit, wissenschaftliche Integrität und die Kennzeichnung KI-gestützter Inhalte.

Die zentrale Botschaft des Abends lautete schließlich: Künstliche Intelligenz wird die Forschung in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern und zahlreiche Arbeitsabläufe erleichtern. Wissenschaftlicher Fortschritt lebt auch künftig von menschlicher Kreativität, kritischem Denken, Intuition und der Fähigkeit, neue Fragen zu stellen sowie Erkenntnisse kritisch einzuordnen.

 

Die vollständige Aufzeichnung des Gastvortrags mit David Bessis gibt es hier.

 

 


Das Zentrum für Quantentechnologien (QuTe) wird unterstützt durch das Transformationsprogramm Forschung und Wissenstransfer Saar.