Die Europäische Kommission setzt sich für exzellente Arbeits- und Forschungsbedingungen im europäischen Forschungsraum ein. Zu diesem Zweck wurden 2005 die Europäische Charta für Forscher und der Verhaltenskodex für die Einstellung von Forschern verfasst, um gemeinsame Standards für wissenschaftliche Arbeitsverhältnisse an europäischen Hochschulen zu etablieren.  Die Universität des Saarlandes verschreibt sich den in der Charta und im Kodex festgesetzten Prinzipien und Zielen und strebt eine Zertifizierung durch das Siegel HR Excellence for Research Award der Europäischen Kommission an. Sie möchte damit zur Entwicklung eines offenen und nachhaltigen Arbeitsmarktes für Forscherinnen und Forscher beitragen. Neben einer offenen, transparenten und leistungsbezogenen Einstellungspolitik umfasst dies beispielsweise die Gewährleistung guter wissenschaftlicher Praxis und Möglichkeiten zum Transfer von Forschungsergebnissen sowie die Förderung von ­­­Mobilität und Karriere-Unterstützung in allen Phasen wissenschaftlicher Qualifikation.
 

Charta und Verhaltenskodex

 

Derzeit unterzieht die Universität des Saarlandes ihre Arbeits- und Forschungsbedingungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einer Überprüfung durch das Zertifizierungsprogramm „Human Resources Strategy for Researchers“ (HRS4R) der Europäischen Kommission, welches vier Themenbereiche umfasst:

Ethische und berufsständische Aspekte

Dieses Themenfeld beinhaltet beispielsweise Forschungsfreiheit, Verantwortung und Haltung im Forscherberuf, vertragliche Pflichten, gute wissenschaftliche Praxis, Nutzung von Forschungsergebnissen, Evaluation und Gleichstellung.

Einstellungsverfahren und Rekrutierung

Unter diesem Themenfeld werden z.B. die Transparenz und Leistungsorientierung von Rekrutierungsverfahren verhandelt sowie die Anerkennung von Qualifikationen, Mobilitätsphasen und Stationen im Lebenslauf, die von einem klassischen wissenschaftlichen Karriereweg abweichen .

Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit

Dieser Bereich widmet sich unter anderem der Stabilität und finanziellen Sicherheit von Arbeitsverhältnissen sowie den Themen Lehre und Partizipation.

Karriere und Weiterbildung

Im Fokus stehen hier die wissenschaftliche Betreuung sowie Möglichkeiten beruflicher Weiterentwicklung. Letztere umfasst sowohl spezifisch wissenschaftliche Fähigkeiten als auch allgemeinere Soft Skills.

Ablauf des Zertifizierungsverfahrens

Innerhalb der ersten zwölf Monate nach der Anmeldung müssen drei maßgebliche Dokumente eingereicht werden: Gap Analysis, Action Plan und OTM-R Checklist.

Gap Analysis

Anhand der 40 Kriterien aus Charta und Kodex dient die Gap Analysis dazu, den Ist-Stand der Universität zu ermitteln und gleichzeitig Verbesserungsbedarfe und Lücken zu identifizieren. Entsprechend werden darin Zielvorstellungen und Maßnahmen zu deren Erreichung festgehalten.

OTM-R-Checklist

Die OTM-R-Checklist dokumentiert den aktuellen Umsetzungsstand eines offenen, transparenten und leistungsorientierten Einstellungsverfahrens (Open, Transparent, Merit-Based Recruitment) an der UdS. Anhand dieser Selbstevaluation entwickelt die Hochschule anschließend Leitlinien zur Einhaltung einer solchen Einstellungspolitik.

Action Plan

In direktem Rückbezug zur Gap Analysis und zur OTM-R Checklist werden im Action Plan konkrete Maßnahmen aufgelistet und ausdifferenziert, anhand derer die festgesetzten Ziele erreicht werden sollen. Die Maßnahmen werden einer strategischen Priorisierung unterzogen; eine jeweilige Zeitschiene zur Umsetzung und konkrete Meilensteine pro Maßnahme bieten einen Orientierungsrahmen für die interne Umsetzung sowie für Fortschrittskontrollen durch externe Experten. Der Action Plan wird regelmäßig aufgrund der aktuellen Gegebenheiten bewertet und entsprechend aktualisiert.

Weiterer Ablauf

Im August 2021 wird die Universität des Saarlandes die Antragsunterlagen für die externe Begutachtung durch ein Expertenteam der Europäischen Kommission einreichen. Ist das Ergebnis der Begutachtung erfolgreich, erhält die UdS den HR Excellence in Research Award und die Implementierungsphase beginnt. Nach zwei Jahren findet eine Zwischenevaluation statt, die Orientierung für die weitere Umsetzung der Maßnahmen in den kommenden drei Jahren gibt. Am Ende dieser insgesamt fünfjährigen Periode steht eine erneute Beurteilung durch die Europäische Kommission an, zu deren Zweck Gutachterbesuche vor Ort erfolgen. Anschließend findet immer wieder im Rhythmus von drei Jahren eine erneute Begutachtung statt, die sich abwechselnd mit und ohne Vor-Ort-Besuche gestaltet. Durch die Teilnahme an der HRS4R-Zertifizierung möchte die Universität des Saarlandes einen langfristigen Beitrag zur Optimierung der Forschungsbedingungen nach europäischen Standards machen.

Beteiligte

Die vom Universitätspräsidium in Auftrag gegebene Zertifizierung durch das HRS4R-Programm wird von einem universitären Beirat begleitet, der sich aus dem Vizepräsidenten für Verwaltung und Wirtschaftsführung, Mitgliedern des Personalrates und der Gleichstellungsbeauftragten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Karrierestufen zusammensetzt. Zudem werden alle Fächer bzw. Fakultäten, weitere universitäre Einrichtungen und Verwaltungsdezernate sowie verschiedene Akteurinnen und Akteure in das Verfahren einbezogen. Koordiniert wird das Verfahren von einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitarbeitenden des Präsidialbüros und der Dezernate für Personal sowie für Haushalt und Finanzen.

Meilensteine

Der Action Plan wurde finalisiert. Sie können den Action Plan hier einsehen.

Das Projektteam hat sich von drei externen Beraterinnen und Beratern ein umfangreiches Feedback zu den Antragsunterlagen eingeholt. Auf vielen Ebenen ergingen konstruktive Anregungen und Verbesserungsvorschläge, die nun auf dem Weg zur Endgestalt eingearbeitet werden.

Die Gap Analyse wurde dem universitären Beirat vorgelegt und wird nun auf die Rückmeldungen hin überarbeitet.

Im Juni 2020 hat die UdS sich für das HRS4R-Zertifizierungsverfahren angemeldet und bereitet seither die Antragsdokumente vor.

 

Aktueller Stand des Zertifizierungsverfahrens

Die Universität des Saarlandes befindet sich in der Antragsphase und hat einen Maßnahmenplan zur Umsetzung der Ziele der HRS4R-Strategie ausgearbeitet. Hierfür wurden zunächst in einer ausführlichen Selbstanalyse (Gap Analysis) Erfordernisse und Bedarfe eruiert. Anhand der OTM-R Checklist für eine offene, transparente und leistungsbasierte Einstellungspraxis unterzieht die Universität ihre Einstellungsverfahren einer Überprüfung.

Um die HRS4R-Strategie vorzubereiten, wurde eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Verwaltungsdezernaten gebildet. In Abstimmung mit weiteren Dezernaten und Stabstellen werden in verschiedenen Bereichen Maßnahmen entwickelt, um die in der Gap Analysis ermittelten Bedarfe zu decken. Dazu gehören unter anderem Leitlinien für transparente Einstellungsverfahren sowie die Einführung eines Online-Bewerbungstools.

Kontakt

Bei Fragen oder weiterem Informationsbedarf wenden Sie sich gerne an

hrs4r(at)uni-saarland.de

Projektteam: Dr. Katrin Baltes, Dr. Theo Jäger, Dr. Ruth Maurer, Benedikt Junker, Julia Petry, Anna-Maria Braun, Raluca Judele, Gregor Faltl, Bärbel Schreiner