Zwillinge sind selten: Nur rund drei Prozent der Babys in Deutschland kommen als Zwilling zur Welt und lediglich vier von 1000 Geburten sind eineiige Zwillinge. „Sie können uns helfen, wichtige Forschungsfragen zu lösen. Zum Beispiel, welche genetischen Faktoren bei der Entstehung bestimmter Krankheiten eine Rolle spielen. Oder welche Umwelteinflüsse sich positiv auf die Entwicklung von Kindern und Jugendliche sowie unsere Gesundheit auswirken können“, erklärt Frank Spinath, Psychologie-Professor an der Universität des Saarlandes. Zwillinge seien für die Forschung besonders wertvoll, da eineiige Zwillinge hundert Prozent ihrer Gene teilten, während zweieiige Zwillinge sich etwa zu 50 Prozent ähnelten.
„Da zweieiige Zwillinge noch stärker als normale Geschwister in ähnlichen sozialen Umgebungen aufwachsen, helfen auch sie den verschiedenen Forschungsgruppen dabei, besser verstehen, welchen Beitrag Genetik und Umwelt für verschiedene Merkmale und Verhaltensweisen leisten“, sagt Frank Spinath. So geht es bei den Forschungsprojekten zum Beispiel um den Lebensstil, die Ernährung und den Sport, aber auch um besondere Lebensereignisse oder soziale Umstände, die den Alltag und das zwischenmenschliche Miteinander prägen.
In dem bundesweiten Register „Gertrud“ können sich Zwillinge ab 16 Jahren bis ins hohe Alter über ein Online-Formular selbst eintragen, für jüngere Zwillingskinder können Eltern die Anmeldung übernehmen. Sie werden per Mail kontaktiert, wenn neue Studien anstehen und können dann einwilligen, wenn sie an der jeweiligen Studie teilnehmen möchten. Das Register „Gertrud“, eine Kurzform für „German Twin Registry“, ist verortet am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und wird von dort aus koordiniert gemeinsam mit mehreren Universitäten und Forschungsinstituten, die bereits seit vielen Jahren in der Zwillingsforschung aktiv sind. Dazu zählen das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, die Universität Bielefeld, die Universität des Saarlandes, die Medical School Hamburg sowie das Universitätsklinikum Tübingen.
„Wir hoffen, dass es sich auch hier in der Region herumspricht, dass Zwillinge einen wichtigen Beitrag zur internationalen Forschung leisten können. Wenn Sie also Zwillinge in der Familie oder im Bekanntenkreis kennen, dann machen Sie diese gerne auf das neue bundesweite Register aufmerksam. Alter und Wohnort sind für uns sekundär, wichtig ist nur die Bereitschaft, etwas Zeit und Offenheit für wissenschaftliche Fragestellungen mitzubringen“, sagt Psychologie-Professor Frank Spinath.
Weitere Informationen:
Infos zum bundesweiten Register, der Zwillingsforschung und den aktuellen Studien:
www.gertrud.info
Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Frank M. Spinath
Universität des Saarlandes
T: 0681/302 64079
E-Mail: f.spinath(at)mx.uni-saarland.de

