Lehrveranstaltungen

Lehre SS 2022

FW-GM/NG: PS Neuzeit: Einführung in das Studium der Neueren Geschichte: „Den Fürsten keinen Pfennig!“ – der Volksentscheid zur Fürstenenteignung 1926
Dienstag 10-12 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19, Tutorium Montag 12-14 Uhr, Raum 3.19
Nachdem die konservativ eingestellte Weimarer Justiz Mitte der 1920er Jahre in mehreren Urteilen ehemaligen Fürstenhäusern ihr während der Revolution 1918/19 beschlagnahmtes Vermögen wieder zurückgegeben hatte, schlossen sich politisch linke und liberale Kräfte zusammen, um den politischen Umsturz von 1918 jetzt auch sozialpolitisch abzusichern. Das Volksbegehren zur Fürstenenteignung und der letztlich gescheiterte Volksentscheid von 1926 sind wichtige Ereignisse im politischen Kampf um den Bestand und die Sicherung der Weimarer Republik in ihren „Goldenen Zwanzigern“. Der erfolgreiche bürgerlich-konservativ-adlige Widerstand gegen die Fürstenenteignung kann als Vorzeichen für das spätere Scheitern und die Zerstörung dieser ersten deutschen Demokratie Anfang der 1930er Jahre betrachtet werden.
Im Proseminar werden anhand des gewählten Themas Grundkenntnisse der Geschichte der Neuzeit vermittelt sowie in die spezifischen wissenschaftlichen Arbeitsweisen und Methoden der Geschichtswissenschaft der Neuzeit eingeführt. Allgemeine Kenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens werden vorausgesetzt bzw. parallel zur Veranstaltung im Teilmodul Übung TWA des Fachwissen-Orientierungsmoduls erworben. Zum Proseminar findet ein verpflichtendes begleitendes Tutorium statt, das die Teilnehmerinnen bei den einzelnen Arbeitsaufgaben individuell unterstützt und betreut.
Literatur zum Fach Geschichte allgemein: Georg Eckert und Thorsten Beigel, Historisch Arbeiten. Handreichung zum Geschichtsstudium. (UTB; Geschichte. Studienratgeber) Göttingen 2019; Norbert Franck, Fit fürs Studium. Erfolgreich reden, lesen, schreiben. München 10. A. 2011; Stefan Jordan, Einführung in das Geschichtsstudium. Neuausgabe Stuttgart 2019; Winfried Schulze, Einführung in die neuere Geschichte. Stuttgart 5. A. 2010.
Literatur zum PS-Thema: Ursula Büttner, Weimar – die überforderte Republik: 1918 – 1933. (Handbuch der deutschen Geschichte/ Gebhardt; 10., völlig neu bearb. Aufl.) Stuttgart 2010; Ulrich Herbert, Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. (Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert) München 4. A. 2018; Eberhard Kolb und Dirk Schumann, Die Weimarer Republik. (Oldenbourg-Grundriss der Geschichte; 16) München 13. A. 2013; Andreas Wirsching, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft. (Enzyklopädie deutscher Geschichte; 58) München 2. A. 2008.

FW/OM: Übung: TWA – Technik des wissenschaftlichen Arbeitens
Mittwoch 10-12 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Das verpflichtende Einführungsmodul im 1. Fachsemester bietet den Studienanfänger*innen eine erste Beschäftigung mit dem wissenschaftlichen Studium des Faches Geschichte. Im Teilmodul „Übung Technik des wissenschaftlichen Arbeitens (TWA)“ werden den Studierenden grundlegende Kenntnisse über das wissenschaftliche Arbeiten in den drei Großepochen von der Entwicklung der Fragestellung über die Informationssuche und –auswertung, den Umgang mit Quellen und wissenschaftlichen Darstellungen, bis zur Präsentation der Arbeitsergebnisse vermittelt und gemeinsam eingeübt. Eine schriftliche Überprüfung findet am Ende der Vorlesungszeit statt.
Literatur - zur Anschaffung empfohlen: Georg Eckert und Thorsten Beigel, Historisch Arbeiten. Handreichung zum Geschichtsstudium. (UTB; Geschichte. Studienratgeber) Göttingen 2019; Norbert Franck, Fit fürs Studium. Erfolgreich reden, lesen, schreiben. München 10. A. 2011; Stefan Jordan, Einführung in das Geschichtsstudium. Neuausgabe Stuttgart 2019.

FW-FM/NG, FW-BM/ FW-QMT: Übung: Studenten und Professoren, Universitäten, Wissenschaft und Politik in Deutschland im langen 19. Jahrhundert
Dienstag 12-14 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Universitäre Lehre und Forschung findet nicht im Elfenbeinturm statt, sondern ist Gegenstand und Teil der allgemeinen Kultur, Gesellschaft und Politik. Institutionen und „Ideen“ unterliegen historischem Wandel, Lehrende und Studierende sind von ihm geprägt und versuchen auf ihn Einfluss auszuüben. In dieser Übung soll anhand ausgewählter Quellentexte und wissenschaftlicher Beiträge auf dieses wechselseitige Verhältnis zwischen Studenten und Professoren, Universitäten, Wissenschaft und Politik von Beginn des 19. Jahrhunderts an bis in den Ersten Weltkrieg hinein näher eingegangen, aktuelle Forschungsdebatten vorgestellt und einzelne Problembereiche näher untersucht werden.
Literatur: Christa Berg (Hrsg.), Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte. Bde. 3-6. München 1987-1998; Hartmut Boockmann, Wissen und Widerstand. Geschichte der deutschen Universität. Berlin 1999; Frank-Lothar Kroll: Kultur, Bildung und Wissenschaft. München 2003/08 (Enzyklopädie deutscher Geschichte; 65/82); Rainer A. Müller, Geschichte der Universität: von der mittelalterlichen Universitas zur deutschen Hochschule. München 1990; Sylvia Paletschek, Stand und Perspektiven der neueren Universitätsgeschichte, in: NTM. Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin 19 (2011), S. 169-189, online unter: <http://www.springerlink.com/content/d277m14611604pt7/>; Walter Rüegg (Hrsg.), Geschichte der Universität in Europa. Bd. 3: Vom 19. Jahrhundert zum Zweiten Weltkrieg 1800-1945. München 2004; Wolfgang E.J. Weber, Geschichte der europäischen Universität. Stuttgart 2002.

FW-FM/NG, FW-BM/ FW-QMT: Übung: Von der Fischer-Kontroverse über den deutschen Sonderweg zum aktuellen Hohenzollern-Streit – zeitgeschichtliche Kontroversen im 20. und 21. Jahrhundert
Dienstag 14-16 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Zeitgeschichte zeichnet(e) sich seit jeher durch die zeitliche Nähe zum Forschungsgegenstand aus. Daraus ergeben sich besondere Probleme und Möglichkeiten im Umgang mit Geschichte. Während zeitgeschichtliche Kontroversen von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen und nicht selten politisch instrumentalisiert werden, beziehen sich aktuelle politische Debatten immer wieder auf zeithistorische Geschehnisse, und die Geschichtswissenschaft wird oftmals Teil der allgemeinen Geschichtspolitik. In der Übung sollen anhand ausgewählter Aufsätze und Quellentexte zu zeitgeschichtlichen Kontroversen des 20. Und 21. Jahrhunderts diese Probleme erkannt, analysiert und diskutiert werden.
Literatur: Volker Dotterweich (Hrsg.), Kontroversen der Zeitgeschichte: historisch-politische Themen im Meinungsstreit. München 1998; Jürgen Elvert (Hrsg.), Historische Debatten und Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert. Stuttgart 2003; Michael Fröhlich, Zeitgeschichte. Konstanz 2009; Marcus Funck (Hrsg.), Die Hohenzollern – Von der Gegenwart einer monarchischen Vergangenheit: Themenheft ZfG 68 (2020), H. 4; Klaus Große Kracht, Die zankende Zunft. Historische Kontroversen in Deutschland nach 1945. Göttingen 2005; Kontroversen um die Geschichte (KUG)[Schriftenreihe]/ hrsg. von Arnd Bauerkämper, Peter Steinbach und Edgar Wolfrum. Darmstadt 2002ff.; Hartmut Lehmann (Hrsg.), Historikerkontroversen. Göttingen 2000; Gabriele Metzler, Einführung in das Studium der Zeitgeschichte. Paderborn 2004; Horst Möller und Udo Wengst (Hrsg.), Einführung in die Zeitgeschichte. München 2003; Alexander Nützenadel und Wolfgang Schieder (Hrsg.), Zeitgeschichte als Problem: nationale Traditionen und Perspektiven der Forschung in Europa. Göttingen 2004; Martin Sabrow (Hrsg.), Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945. München 2003; Heinrich August Winkler (Hrsg.), Griff nach der Deutungsmacht. Zur Geschichte der Geschichtspolitik in Deutschland. Göttingen 2004; Andreas Wirsching, Von der Lügenpresse zur Lügenwissenschaft? Zur Relevanz der Zeitgeschichte als Wissenschaft heute, in: Zeitgeschichte-online (2018), online unter: http://www.zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/von-der-luegenpresse-zur-luegenwissenschaft.

FW-FM/NG: Übung: „Der Dolch des Mörders war unter der Robe des Juristen verborgen“: im Namen des „gesunden Volksempfindens“ gegen Widerständler und „Gemeinschaftsfremde“ – zur nationalsozialistischen Unrechtsjustiz und ihrer Nachgeschichte in den beiden deutschen Staaten
Mittwoch 14-16 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Das Urteil des US-Militärgerichtshofs im Nürnberger Juristenprozess von 1947 über die deutschen Juristenkollegen fiel eindeutig aus: Sie hatten während der NS-Zeit im Namen des Rechts Unrecht gesprochen, waren oftmals zu Mördern geworden. Und trotzdem gelang es der deutschen Justiz, sich in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik als Opfer des NS-Staates zu stilisieren. In der Übung soll die Rolle der Justiz, der rechtsprechenden Gewalt, im NS-Staat genauer untersucht, ihr aktiver Beitrag zur gewaltsamen Durchsetzung der NS-Weltanschauung und ihr Verhältnis zu den anderen repressiven Organen von Polizei und SS geklärt sowie der Frage der juristischen Aufarbeitung der NS-Unrechtsjustiz in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten bis in die Gegenwart anhand der Lektüre ausgewählter Aufsätze und Quellentexte nachgegangen werden.
Literatur: Ralph Angermund, Deutsche Richterschaft 1919-1945. Krisenerfahrung, Illusion, politische Rechtsprechung. Frankfurt/Main 1990; Dieter Deiseroth und Annette Weinke (Hrsg.), Zwischen Aufarbeitung und Geheimhaltung: Justiz- und Behördenakten in der Zeitgeschichtsforschung. Berlin 2021; Jörg Echternkamp, Das Dritte Reich: Diktatur, Volksgemeinschaft, Krieg. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte; 45) Berlin 2018; Ulrich Eisenhardt, Deutsche Rechtsgeschichte. Grundrisse des Rechts. München 7. A. 2019; Manfred Görtemaker und Christoph Safferling, Die Akte Rosenburg. Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit. München 2016; Im Namen des Deutschen Volkes. Justiz und Nationalsozialismus. Katalog zur Ausstellung/ hrsg. vom Bundesminister der Justiz/ Red. Gerhard Fieberg. Bonn 1989; Friedrich Kießling und Christoph Safferling, Staatsschutz im Kalten Krieg: Die Bundesanwaltschaft zwischen NS-Vergangenheit, Spiegel-Affäre und RAF. München 2021; NS-Justiz in Stuttgart: Katalog zur Dauerausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Landgericht Stuttgart / Redaktion: Sabrina Müller. Stuttgart 2019; Michael Wildt, Geschichte des Nationalsozialismus. (Grundkurs Neue Geschichte) Göttingen 2008; Der Volksgerichtshof 1934-1945: Terror durch „Recht“/ hrsg. von der Stiftung Topographie des Terrors/ bearb. von Claudia Steur. Berlin 2018.

FW-BM/ FW-QMT: Übung Wissenschaftliche Texte schreiben – eine praxisorientierte Übung
Donnerstag 10-12 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Vorbemerkung: Erst ab dem 2. Fachsemester Geschichte!
Das Anfertigen von Texten, von einem knappen lexikalischen Text über ein „Abstract“ oder eine Rezension bis hin zu einer größeren wissenschaftlichen Hausarbeit stellt nicht nur Studienanfängerinnen, sondern auch erfahrene Studierende immer wieder vor scheinbar unüberwindliche Hindernisse. In dieser Übung sollen diese Probleme angegangen, Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Lösungen gefunden werden. Ohne eine aktive Teilnahme mit eigenen, kürzeren schriftlichen Beiträgen sowie deren Präsentation und Diskussion in der Übung ist ein positives Ergebnis nicht zu erwarten; Grundkenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens (Besuch der Übung TWA und eines Proseminars im Fach Geschichte) werden vorausgesetzt.
Literatur: Helga Esselborn-Krumbiegel, Richtig wissenschaftlich schreiben. Paderborn 6. A. 2020; Dies., Tipps und Tricks bei Schreibblockaden. Paderborn 2. A. 2020; Dies., Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben im Studium. Paderborn 5. A. 2017; Norbert Franck, Fit fürs Studium. Erfolgreich reden, lesen, schreiben. München 10. A. 2011; Andrea Frank e. a., Schlüsselkompetenzen. Schreiben in Studium und Beruf. Stuttgart 2. A. 2013; Lothar Kolmer und Carmen Rob-Santer, Geschichte schreiben. Von der Seminar- zur Doktorarbeit. Paderborn 2006; Otto Kruse, Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt/Main 12. A. 2007; Ders., Lesen und Schreiben. Studieren, aber richtig. Wien 3. A. 2018; Stefan Kühtz, Wissenschaftlich formulieren: Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. Paderborn 6. A. 2020.           

FW-FM/NG: Übung: Hermann Röchling, Heinrich Welsch und Willi Graf – saarländische Lebenswege im 20. Jahrhundert zwischen NS-Aktivismus und Widerstand; ein biografischer Ansatz zur Zeitgeschichte
Donnerstag 12-14 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Das „Zeitalter der Extreme“ (Eric Hobsbawm), das kurze 20. Jahrhundert mit seinen großen historischen Linien, hat auch im Kleinen in der saarländischen Geschichte seine Spuren hinterlassen. In dieser Übung geht es darum, sich anhand von drei zeitgenössischen Biographien in wichtige zeithistorische Themen mit regionalspezifischem Bezug wie NS-Aktivismus, Volksgemeinschaft, Mitläufertum und Widerstand einzuarbeiten, verschiedene Möglichkeiten der Recherche auszuprobieren und sich die Themen eigenständig mittels Auswertung des Forschungsstandes und von Quellenarbeit zu erschließen. Besuche im Archiv bieten die Möglichkeit, direkt mit Archivgut zu arbeiten; eigenständige Beiträge der Studierenden zu und in den Sitzungen gestalten die Übung mit.
Literatur: Martin Burkhardt, Arbeiten im Archiv. Praktischer Leitfaden für Historiker. Paderborn 2006; Thomas Etzemüller, Biographien: lesen - erforschen – erzählen. (Historische Einführungen; 12) Frankfurt am Main 2012; Levke Harders, Historische Biografieforschung, in: Docupedia-Zeitgeschichte (2020), online unter: <http://docupedia.de/zg/Harders_historische_Biografieforschung_v1_de_2020>; Ulrich Herbert, Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. (Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert) München 4. A. 2018; Hans-Christian Herrmann (Hrsg.), Das Saarland: Geschichte einer Region. St. Ingbert 2012; Ders. und Ruth Bauer (Hrsg.), Widerstand, Repression und Verfolgung: Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus an der Saar. St. Ingbert 2014; Eric J. Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München 5. A. 1997; Christian Klein (Hrsg.), Handbuch Biographie: Methoden, Traditionen, Theorien. Stuttgart 2009; Marcel Lepper (Hrsg.), Handbuch Archiv: Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. Stuttgart 2016 (Online-Ressource), online unter: < http://dx.doi.org/10.1007/978-3-476-05388-6>.