Lehrveranstaltungen

Lehre SS 2021

FW-GM/NG: PS Neuzeit: Einführung in das Studium der Neueren Geschichte:
Die „antisemitische Schmierwelle“ vom Winter 1959 / 1960 – zur Lage des deutschen Judentums in der frühen Bundesrepublik

Dienstag 10-12 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19, Tutorium N.N.
Am Ende des ersten Jahrzehnts der Adenauer-Ära erschütterten eine Hakenkreuzschmierwelle und verschiedene antisemitische Vorfälle um den Jahreswechsel 1959/60 die selbstzufriedene politische Kultur der jungen westdeutschen Demokratie. Voller Erstaunen musste die bundesdeutsche Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen, dass die nationalsozialistische Weltanschauung und der rassische Antisemitismus nicht zusammen mit dem NS-Staat im Mai 1945 verschwunden war. Erst jetzt begann eine ernsthafte politische und juristische Auseinandersetzung der bundesdeutschen Politik und Gesellschaft mit dem personellen und ideellen Erbe des NS-Staates; eine Aufgabe, die die Mehrheit der Zeitgenossen (und ehemaligen „Volksgenossen“) als lästiges Thema der unmittelbaren Nachkriegs- und Besatzungszeit abgehakt hatten. Im Proseminar werden anhand des gewählten Themas Grundkenntnisse der Geschichte der Neuzeit vermittelt sowie in die spezifischen wissenschaftlichen Arbeitsweisen und Methoden der Geschichtswissenschaft der Neuzeit eingeführt. Allgemeine Kenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens werden vorausgesetzt bzw. parallel zur Veranstaltung im Teilmodul Übung TWA des Fachwissen-Orientierungsmoduls erworben. Zum Proseminar findet ein verpflichtendes begleitendes Tutorium statt, das die Teilnehmer*innen bei den einzelnen Arbeitsaufgaben individuell unterstützt und betreut.
Literatur zum Fach Geschichte allgemein: Georg Eckert und Thorsten Beigel, Historisch Arbeiten. Handreichung zum Geschichtsstudium. (UTB; Geschichte. Studienratgeber) Göttingen 2019; Norbert Franck, Fit fürs Studium. Erfolgreich reden, lesen, schreiben. München 10. A. 2011; Stefan Jordan, Einführung in das Geschichtsstudium. Neuausgabe Stuttgart 2019; Winfried Schulze, Einführung in die neuere Geschichte. Stuttgart 5. A. 2010.
Literatur zum PS-Thema: Wolfgang Benz (Hrsg.), Handbuch des Antisemitismus: Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Bde. 1-8. München 2008-2015; Werner Bergmann, Geschichte des Antisemitismus. München 5. A. 2016; Thomas Brechenmacher, Die Bonner Republik: politisches System und innere Entwicklung der Bundesrepublik. (Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert; 13) Berlin 2010; Jörg Echternkamp, Die Bundesrepublik Deutschland 1945/49–1969. (Seminarbuch Geschichte) Paderborn 2012; Tobias Freimüller, Frankfurt und die Juden. Neuanfänge und Fremdheitserfahrungen 1945–1990. Göttingen 2020; Rudolf Morsey, Die Bundesrepublik Deutschland: Entstehung und Entwicklung bis 1969. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte; 19) München 5. A. 2007; Lars Rensmann, Demokratie und Judenbild. Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden 2004; Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 5: Bundesrepublik und DDR 1949-1990. München 2008; Edgar Wolfrum, Die Bundesrepublik Deutschland 1949–1990. (Handbuch der deutschen Geschichte/Gebhardt; 10., völlig neu bearb. Aufl.) Stuttgart 2005.

FW/OM: Übung: TWA A – Technik des wissenschaftlichen Arbeitens
Mittwoch 10-12 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Das verpflichtende Einführungsmodul im 1. Fachsemester bietet den Studienanfänger*innen eine erste Beschäftigung mit dem wissenschaftlichen Studium des Faches Geschichte. Im Teilmodul „Übung Technik des wissenschaftlichen Arbeitens (TWA)“ werden den Studierenden grundlegende Kenntnisse über das wissenschaftliche Arbeiten in den drei Großepochen von der Entwicklung der Fragestellung über die Informationssuche und –auswertung, den Umgang mit Quellen und wissenschaftlichen Darstellungen, bis zur Präsentation der Arbeitsergebnisse vermittelt und gemeinsam eingeübt. Eine schriftliche Überprüfung findet am Ende der Vorlesungszeit statt.
Literatur - zur Anschaffung empfohlen: Georg Eckert und Thorsten Beigel, Historisch Arbeiten. Handreichung zum Geschichtsstudium. (UTB; Geschichte. Studienratgeber) Göttingen 2019; Norbert Franck, Fit fürs Studium. Erfolgreich reden, lesen, schreiben. München 10. A. 2011; Stefan Jordan, Einführung in das Geschichtsstudium. Neuausgabe Stuttgart 2019.

FW/OM: Übung: TWA B – Technik des wissenschaftlichen Arbeitens
Donnerstag 10-12 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Das verpflichtende Einführungsmodul im 1. Fachsemester bietet den Studienanfänger*innen eine erste Beschäftigung mit dem wissenschaftlichen Studium des Faches Geschichte. Im Teilmodul „Übung Technik des wissenschaftlichen Arbeitens (TWA)“ werden den Studierenden grundlegende Kenntnisse über das wissenschaftliche Arbeiten in den drei Großepochen von der Entwicklung der Fragestellung über die Informationssuche und –auswertung, den Umgang mit Quellen und wissenschaftlichen Darstellungen, bis zur Präsentation der Arbeitsergebnisse vermittelt und gemeinsam eingeübt. Eine schriftliche Überprüfung findet am Ende der Vorlesungszeit statt.
Literatur - zur Anschaffung empfohlen: Georg Eckert und Thorsten Beigel, Historisch Arbeiten. Handreichung zum Geschichtsstudium. (UTB; Geschichte. Studienratgeber) Göttingen 2019; Norbert Franck, Fit fürs Studium. Erfolgreich reden, lesen, schreiben. München 10. A. 2011; Stefan Jordan, Einführung in das Geschichtsstudium. Neuausgabe Stuttgart 2019.

FW-BM/ FW-QMT: Übung: „Pseudowissenschaft“ – zum Verhältnis von Wissenschaft und „Pseudowissenschaft“ seit dem 19. Jahrhundert bis heute
Dienstag 12-14 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Etablierte wissenschaftliche Erkenntnis wird in heutigen Corona-Zeiten von populistischen Kreisen massiv in Frage gestellt und zum Teil durch Verschwörungsglauben mit selbst erklärten „wissenschaftlichen“ Anspruch ersetzt. Wie kann „Pseudowissenschaft“ erkannt und von „echter“ Wissenschaft unterschieden werden? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, dass von „Wissenschaft“ gesprochen werden kann? Der Blick in die Wissensgeschichte seit dem 19. Jahrhundert bis heute zeigt, dass eine sichere Grenzziehung oftmals schwierig ist, dass spätere Wissenschaften zunächst als Pseudowissenschaft abgetan wurden und zeitgenössisch etablierte Wissenschaften heute als Pseudowissenschaften angesehen werden. In der Übung sollen anhand ausgewählter Beispiele von der „Deutschen Physik“ bis zur Rassenanthropologie, von der Anthroposophie bis zur Psychoanalyse, von der Welteislehre bis zur Judenforschung die Beziehungen zwischen Pseudo- und echter Wissenschaft analysiert und diskutiert werden. Eigenständige Beiträge der Studierenden zu und in den Sitzungen gestalten die Übung mit.
Literatur: Ernst Peter Fischer, Warum Spinat nur Popeye stark macht: Mythen und Legenden in der modernen Wissenschaft. München 2011; Norbert Franck, Handbuch wissenschaftliches Arbeiten. Neuausgabe Paderborn 2019; Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.), Sonderbericht zu Verschwörungsmythen und „Corona-Leugnern“. Düsseldorf 2021; Mai Thi Nguyen-Kim, Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit: wahr, falsch, plausibel? Die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft. München 2021; Johannes Pantenburg, Sven Reichardt, Benedikt Sepp, Corona-Proteste und das (Gegen-)Wissen sozialer Bewegungen (2021), online unter: <www.bpb.de/apuz/wissen-2021/325605>; Dirk Rupnow (Hrsg.), Pseudowissenschaft: Konzeptionen von Nichtwissenschaftlichkeit in der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt am Main 2008; Max-Planck-Gesellschaft, Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. München 2000/2009; Deutsche Forschungsgemeinschaft, Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis: Denkschrift; Empfehlungen der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft". Weinheim ergänzte Auflage 2013.

FW-FM/NG: Übung: Nach Hitler: Antisemitismus, Rassismus und völkisches Denken in Deutschland seit 1945
Mittwoch 14-16 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Antisemitismus, Rassismus und völkisches Denken begleiten die deutsche Nachkriegsgeschichte in der Bundesrepublik, aber auch in der DDR, von Kriegsende bis heute, phasenweise unterschwellig, phasenweise offen, organisiert oder von Individuen betrieben, von verbalen Äußerungen bis hin zu terroristischen Verbrechen. Auch die staatlichen und gesellschaftlichen Reaktionen variieren, sie sind von Ignoranz bis hin zu aktiven, rechtsstaatlich-wehrhaften Vorgehen gekennzeichnet. In dieser Übung sollen anhand ausgewählter Quellentexte und wissenschaftlicher Beiträge Fragen der Kontinuität und des Wandels dieser Denkstrukturen nachgegangen und ihre Auswirkungen auf die soziale Praxis rekonstruiert werden; aktuelle Forschungsdebatten werden vorgestellt und einzelne Problembereiche näher untersucht. Eigenständige Beiträge der Studierenden zu und in den Sitzungen gestalten die Übung mit.
Literatur: Maria Alexopoulou, Rassismus als Kontinuitätslinie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, in: APuZ H. 38-39 (2018), S. 18-24; (Anti-)Rassismus – Themenheft APuZ 42-44 (2020); Werner Bergmann, Geschichte des Antisemitismus. (C. H. Beck Wissen) München 5. A. 2016; Gideon Botsch, Die extreme Rechte in der Bundesrepublik Deutschland: 1949 bis heute. Darmstadt 2012; Bundesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.), Lagebild Antisemitismus. Bonn 2020; Bundeszentrale für Politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus: Schwerpunkt Rassismus (2021); Norbert Frei, Franka Maubach, Christina Morina, Maik Tändler, Zur rechten Zeit: wider die Rückkehr des Nationalismus. Berlin 2019; Helmut Kellershohn (Hrsg.), Kulturkampf von rechts: AfD, Pegida und die Neue Rechte. Münster 2016; Fabian Virchow (Hrsg.), Handbuch Rechtsextremismus. Wiesbaden 2016.

FW-FM/NG, FW-BM/ FW-QMT: Übung: Recht und Politik: Höchstrichterliche Entscheidungen vom Kaiserreich bis heute als (zeit)historische Quelle zur deutschen Geschichte (19.-21. Jahrhundert)
Donnerstag 12-14 Uhr Gebäude B 3.1 Raum 3.19
Das öffentliche und private Leben wird in der Moderne durch rechtliche Normen, Gesetze und ihre Anwendungen, geprägt. Politik und Recht sind nicht zwei strikt voneinander getrennte Bereiche, sondern beeinflussen sich gegenseitig in vielfältiger Weise. Gerichtliche Entscheidungen können über den konkreten Einzelfall hinaus symbolische Ausstrahlungskraft auf die gesamte Gesellschaft haben und die politische Entscheidungsfindung beeinflussen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die höchstrichterliche Rechtsprechung, wie sie in der deutschen Geschichte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zunächst durch das Reichsgericht und seit 1949/51 durch das Bundesverfassungsgericht und die obersten Gerichtshöfe der Bundesrepublik Deutschland ausgeübt wurde und wird; auch die Entscheidungen des Obersten Gerichts der DDR sind Ausdruck eines spezifischen Verhältnisses von Recht und Politik. In dieser Übung sollen diese Organe der Rechtsprechung historisch betrachtet, wichtige Entscheidungen zu ausgewählten Bereichen der (Zeit)Geschichte erörtert, ihr historischer Hintergrund geklärt und der Quellenwert juristischer Entscheidungen für die allgemeine Geschichte herausgearbeitet werden. Eigenständige Beiträge der Studierenden zu und in den Sitzungen gestalten die Übung mit.
Literatur: Dieter Deiseroth und Annette Weinke (Hrsg.), Zwischen Aufarbeitung und Geheimhaltung: Justiz- und Behördenakten in der Zeitgeschichtsforschung. Berlin 2021; Ulrich Eisenhardt, Deutsche Rechtsgeschichte. Grundrisse des Rechts. München 7. A. 2019; Jürgen Finger (Hrsg.), Vom Recht zur Geschichte. Akten aus NS-Prozessen als Quellen der Zeitgeschichte. Göttingen 2009; Oliver F. R. Haardt, Bismarcks ewiger Bund: eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Darmstadt 2020; Sibylle Hofer, Leitfaden der Rechtsgeschichte: Quellen und Grundzüge der Rechtsordnung. Wien 2019; Im Namen des Deutschen Volkes. Justiz und Nationalsozialismus. Katalog zur Ausstellung/ hrsg. vom Bundesminister der Justiz/ Red. Gerhard Fieberg. Bonn 1989; Im Namen des Volkes? Über die Justiz im Staat der SED. Bde. 1-3. Leipzig 1994; Jörn Ipsen, Der Staat der Mitte: Verfassungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. München 2009; Stephan Meder, Rechtsgeschichte - eine Einführung. Wien 5. A. 2014; Jörg Menzel und Ralf Müller-Terpitz (Hrsg.), Verfassungsrechtsprechung: ausgewählte Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in Retrospektive. Tübingen 3. A. 2017; Uwe Wesel, Der Gang nach Karlsruhe. Das Bundesverfassungsgericht in der Geschichte der Bundesrepublik. München 2004; Uwe Wilhelm, Das Deutsche Kaiserreich und seine Justiz: Justizkritik, politische Strafrechtsprechung, Justizpolitik. Berlin 2010.