Über SOUNDS

Ein Frühwarnsystem für die Gesellschaft

Wo kippt eine Debatte in Hass? Wann wächst Misstrauen in Institutionen? Wo radikalisiert sich Sprache?

Demokratische Gesellschaften verändern sich selten plötzlich. Meist gibt es frühe Anzeichen. SOUNDS macht diese Entwicklungen sichtbar.
Das Societal Observatory Using Novel Data Sources untersucht gesellschaftlichen Wandel mit neuen Datenquellen und wissenschaftlichen Methoden. Dafür nutzt das Observatorium Spuren, die im Alltag längst entstehen: Satellitenbilder, Social-Media-Beiträge, Suchanfragen, Bewertungen, Kartendienste und weitere Datenquellen.
Wie ein Wetterdienst Veränderungen in der Atmosphäre misst, beobachtet SOUNDS gesellschaftliche Entwicklungen und schafft wissenschaftliche Grundlagen, um Veränderungen frühzeitig zu verstehen.
SOUNDS wird geleitet von Prof. Dr. Daniela Braun (Politikwissenschaft) und Prof. Dr. Ingmar Weber (Societal Computing).

Gesellschaftliche Fragen sichtbar machen

Gesellschaft hinterlässt täglich digitale und analoge Spuren. SOUNDS verbindet diese Datenquellen, um Entwicklungen sichtbar zu machen, die mit klassischen Methoden nur schwer kontinuierlich erfasst werden können.

Was wir beobachten

Einzeln erzählen diese Quellen nur Ausschnitte. Verbunden und über die Zeit betrachtet zeigen sie gesellschaftliche Entwicklungen näher am Geschehen.
Dabei arbeitet SOUNDS im Rahmen geltender Datenschutz- und Forschungsregeln und nutzt neue Möglichkeiten des regulierten Datenzugangs für die Forschung.

Die Frage kommt zuerst

SOUNDS beginnt nicht mit einer Methode, sondern mit einer gesellschaftlichen Frage. 
Welche Daten helfen, ein Phänomen besser zu verstehen? Welche wissenschaftlichen Methoden passen dazu? Diese Entscheidungen folgen der Fragestellung – nicht umgekehrt.

So arbeiten Informatik und Sozialwissenschaft von Anfang an gemeinsam und verbinden technische Möglichkeiten mit gesellschaftlicher Expertise.
SOUNDS versteht sich damit als Think-and-Do-Tank, der Forschung und gesellschaftliche Anwendung miteinander verbindet.

Gesellschaftlichen Wandel gemeinsam verstehen

Aktuelle Forschung

Wo setzen Forschende aus dem SOUNDS-Team computergestützte Methoden ein, um klassische Analyseverfahren zu erweitern?

Computergestützte Methoden kommen bei uns in sehr unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz. Mit Computer-Vision-Verfahren identifizieren wir Fahrzeuge auf Satellitenbildern, um daraus Rückschlüsse auf Binnenvertreibung zu ziehen, etwa im ukrainischen Kherson vor und nach der Invasion. Wir tragen zu KI-gestützten Ansätzen für Katastrophenhilfe und die Beobachtung von Vertreibungsdynamiken bei und verknüpfen Umfragedaten mit digitalen Verhaltensspuren, etwa um Suchtverhalten auf TikTok zu untersuchen. Im Bereich der politischen Kommunikation nutzen wir computergestützte Textanalyse, um die Bedeutung zentraler europäischer Streitfragen im Parteienwettbewerb herauszuarbeiten, etwa zur Europawahl 2024 oder zu geschlechterbezogenen Themen europaweit.

Welche innovativen Werkzeuge zur Datenerhebung entwickelt unser Team, und welche Datensätze sind daraus bereits entstanden?

Entstanden sind bislang unter anderem ein mehrsprachiger, plattformübergreifender Datensatz zum europäischen politischen Online-Diskurs und ein Datensatz zur politischen Kampagnenarbeit auf Twitter während der Europawahl 2019. 

Ein Datensatz ist im Kern aber eine statische Momentaufnahme, eine Datei, die man einmal herunterlädt. Die Socioscope, die wir erstellen, sind etwas anderes. Es sind Messinstrumente, die gesellschaftliche Phänomene fortlaufend beobachten statt sie einmalig zu erfassen. In diese Richtung entwickeln wir derzeit ein System, das große Mengen an Online-Bewertungen kontinuierlich erfasst, um daraus laufend gesellschaftlich relevante Signale abzuleiten. Damit verschiebt sich unser Ansatz zunehmend von der einmaligen Datenerhebung hin zu einer laufenden, echtzeitnahen Beobachtung gesellschaftlicher Phänomene.

Wo und wie nutzen Forschende aus dem SOUNDS-Team nicht-traditionelle Datenquellen, und welche Ideen verfolgen wir?

Ein Beispiel ist die Rolle von Social Media in Wahlkämpfen: Wie hängt zum Beispiel das Geschlecht von Kandidat:innen mit ihrer Nutzung von Twitter/X zusammen, wie spiegeln sich digitale religiöse Profile von Kandidat:innen online wider und wie sichtbar positionieren sich Spitzenkandidat:innen im Online-Wahlkampf? Genauso setzen wir Werbezielgruppendaten von Facebook und Instagram ein, um subnationale Geschlechterunterschiede beim Internet- und Mobilfunkzugang weltweit sichtbar zu machen, und wir nutzen dieselben Werbedaten, um Binnenvertreibung in Krisenregionen wie der Ukraine nahezu in Echtzeit zu erfassen (s. Abbildung), eine Methode, die half, die offizielle UN-Schätzung deutlich nach oben zu korrigieren. Künftig wollen wir das Spektrum um weitere Quellen erweitern, etwa Google Trends.

Eine Auswahl an Publikationen sowie Datensätzen unseres Teams finden Sie hier.
 

 

Warum das für die Universität des Saarlandes zählt

SOUNDS verbindet zwei besondere Stärken des Standorts: die Informatik des Saarland Informatics Campus und die sozialwissenschaftliche Forschung.

Mit einer Förderung von 29 Millionen Euro aus dem Transformationsfonds für Forschung und Wissenstransfer Saar läuft das Projekt bis August 2032. Es stärkt die Computational Social Sciences, fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit und unterstreicht das Profil der Universität als Forschungsstandort mit gesellschaftlicher Wirkung.

SOUNDS lebt vom Austausch mit Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. 

Sie haben eine gesellschaftliche Fragestellung, bei der neue Datenquellen und wissenschaftliche Methoden helfen könnten? 

Wir freuen uns auf den Austausch und darauf, gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln!