Veranstaltungsreihe: "Der Nahost-Konflikt - Projektionen, Reflexionen, Transformationen"
Der gegenwärtige Nahost-Konflikt stellt eine Herausforderung dar, welche sich auch auf die deutsche Gesellschaft sowie deutsche Universitäten auswirkt.
Die multidisziplinäre Veranstaltungsreihe „Der Nahost-Konflikt - Projektionen, Reflexionen, Transformationen“ setzt sich mit verschiedenen Perspektiven auf den Nahost-Konflikt auseinander. Die eingeladenen Expertinnen werden den Konflikt aus verschiedenen disziplinären Standpunkten beleuchten. Die Vorträge sollen die Möglichkeit bieten, das Thema aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven zu betrachten und zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe wird unter dem Dach des Cluster für Europaforschung (CEUS) von Professor Dominik Brodowski, Professur für Europäisierung, Internationalisierung und Digitalisierung des Strafrechts und des Strafverfahrensrechts, sowie Professor Fabian Lemmes, Professur für Kultur- und Mediengeschichte, organisiert.
Die Veranstaltungsreihe ist geöffnet für interessierte Mitglieder der saarländischen Hochschulen. Um Anmeldung wird unter nachfolgenden Links gebeten. Aufgrund des begrenzten Platzangebots werden wir Ihnen dann in Kürze mitteilen, ob wir Ihnen die Teilnahme ermöglichen können.
Veranstaltungen in 2026

On Monday 13 April at 4 pm, Professor Milette Shamir will discuss the impact of the Middle East conflict on Israeli universities in her lecture entitled ‘Academic Freedom in Times of War’.
Academic Freedom in Times of War: Lessons from Israeli Universities
Milette Shamir, Tel Aviv University
In the weeks after the Hamas attack, universities across Israel were operating in a state of shock. Many students and staff had been called to military reserve duty; others were mourning the lives of friends and family members. And soon another concern emerged. Our campuses bring together a diverse student body that includes both Jewish and Arab students. One of our immediate concerns was that anger and grief would turn into violence. We worried not only about how to maintain safety, but how to do so without sacrificing the university’s defining role as a place where difficult disagreements can still be freely expressed and examined.
In the two and a half years of war that followed, it became clear that this initial dilemma was only the first manifestation of a much broader series of tests. The war has placed Israeli universities under pressure from several directions at once. Drawing on my experience as Vice President for International Affairs at Tel Aviv University, my lecture will examine three arenas in which Israeli universities, and the principle of academic freedom, has come under strain.
The first concerns freedom of speech on campus. I will discuss how Tel Aviv University has been attempting to maintain open expression while preventing intimidation or confrontation, and what this experience suggests about the responsibilities of university leadership at times of war.
The second arena concerns the autonomy of universities vis-a-vis the state. Wartime environments often strengthen political pressures on academic institutions, and this is what’s been happening in Israel, where the government seeks to advance legislative initiatives affecting higher education when public attention is focused on national security concerns. I will address how Israeli universities have been working to defend institutional autonomy while operating within a democratic society under extraordinary stress.
The third challenge is the growing momentum of international academic boycotts. Since October 7, calls to isolate Israeli universities have intensified in large parts of the global academic community, and most especially in Europe. I will reflect on the implications of these efforts for international scientific cooperation and on the broader question of whether academic boycotts undermine or strengthen the very values they claim to defend.
Professor Milette Shamir is the Vice President for Academic International Affairs at Tel Aviv University and a researcher in the field of American Studies at the Faculty of the Humanities. Shamir joined Tel Aviv University in 1998 after earning her PhD from Brandeis University. Her research on 19th-century literary and cultural history has been published by Columbia University Press, Penn University Press, and other leading venues. She has been invited as visiting researcher to several universities including Duke University, The University of Texas in Austin, and New York University.
Shamir is currently the editor-in-chief of the journal Poetics Today. From 2015 to 2019 she served as Vice Dean of the Humanities for Academic Affairs. She co-founded TAU’s American Studies program in 2006, and served as its head for thirteen years. She served as chair of the Department of English and American Studies from 2006 to 2009. In 2012 she founded TAU’s pioneering undergraduate program for international students—the BA in Liberal Arts—and served as its academic director until 2016.
Veranstaltungen in 2025

Am 22. Mai 2025 von 16:15 – 17:45 Uhr eröffnet Professorin Stefanie Bock mit einem Vortrag zu "Der aktuelle Nahost-Konflikt: Eine völkerstrafrechtliche Einordnung" die Veranstaltungsreihe.
Der Konflikt im Nahen Osten hat Eingang in die Internationalen Gerichtshöfe gefunden. Südafrika will Israel vom Internationalen Gerichtshof verpflichten lassen, seine Militäroffensive einzustellen. Deutschland wird von Nicaragua vorgeworfen, mit seinen Waffenlieferungen Beihilfe zum Völkermord zu leisten. Und der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen hochrangige Mitglieder der israelischen Regierung und der Hamas erlassen. Prof. Dr. Stefanie Bock, Philipps-Universität Marburg, wird die Hintergründe dieser Verfahren beleuchten, einen Einblick in die rechtlichen Hintergründe geben und über die Möglichkeiten, Macht durch Recht zu begrenzen, reflektieren.
Stefanie Bock ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung an der Philipps-Universität Marburg und Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das Völkerstrafrecht und seine weltweite Durchsetzung, die Internationalisierung und Europäisierung der Strafrechtspflege, die Rechtsvergleichung sowie das Verhältnis von Recht und Geschlecht.

Am 27. Mai 2025 von 16:15 – 17:45 Uhr erörtert Professorin Esther Möller im Rahmen ihres Vortrags "Mehr als eine Konfliktregion: Der Nahe Osten vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts" den Konflikt aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.
In den letzten anderthalb Jahren haben die Konflikte im Nahen Osten und insbesondere zwischen Israel und Palästina eine bestürzende Eskalation erfahren. Der Vortrag wählt bewusst eine historische Langzeitperspektive, um die vielen verschiedenen Faktoren zu beleuchten, die zur heutigen Situation geführt haben und zu denen unter anderem der europäische Kolonialismus, der Zionismus, der arabische Nationalismus und der Holocaust gehörten. Neben einem differenzierten Blick auf die politischen, sozialen, religiösen und kulturellen Entwicklungen dieser Region von Provinzen des Osmanischen Reiches zu Nationalstaaten unter internationaler Vormundschaft bis hin zur Unabhängigkeit wird der Vortrag aber auch die vielen Formen der Gemeinschaftsbildung und Koexistenz über Grenzen hinweg aufzeigen und deutlich machen, dass es sich um mehr als eine Konfliktregion handelt, deren Kenntnis auch für die europäischen Gesellschaften von hoher Relevanz ist.
Esther Möller ist aktuell stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch Berlin und Gastprofessorin an der Humboldt-Universität Berlin. Als Historikerin des Nahen Ostens und der Beziehungen zwischen dieser Region und Europa im 19. und 20. Jahrhundert liegt ihr Schwerpunkt auf der Geschichte von Flucht und Migration, humanitärer Hilfe und kolonialer Bildung mit einem besonderen Fokus auf Ägypten, dem Libanon und dem Maghreb. Dies spiegelt sich auch in ihren Publikationen wider, zu denen unter anderem der die Artikel „Multiple Mittelmeer-Missionen. Wissenschaftliche, religiöse und humanitäre Begegnungen und Besitznahmen im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Geschichte und Gesellschaft, 49/2 (2023), S. 268-295 oder „Zwischen Solidarität und Souveränität. Zur politischen Bedeutung von Hilfe für andere in islamisch geprägten Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 70/4 (2022), S. 803-814 gehören. Speziell zum genannten Nahostkonflikt hat sie „Humanitarismus ohne Grenzen? Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und der Israel-Palästina-Konflikt 1948–1949“, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 66/1-2 (2015), S. 61–77.