Lehrveranstaltungen
Sommersemester 2026
Jun.-Prof. Dr. Simone Egger
Mi. 10:15 bis 11:45
Die europäische Geschichte ist von Migrationsbewegungen geprägt. Im 20. und 21. Jahrhundert war lange Zeit die Auswanderung in die USA eine zentrale Angelegenheit. In Irland und Italien, Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich machten sich Menschen auf den Weg und verließen ihre Heimat aus wirtschaftlicher Not, um vor allem in Nordamerika auf ein gutes Auskommen und den sozialen Aufstieg der Familie zu hoffen. Seit den 1950er Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland Abkommen mit Staaten wie Italien und der Türkei getroffen, um Arbeitskräfte anzuwerben. Diese ungeheure Dynamik ist in der Gegenwart kaum Gegenstand deutscher oder europäischer Erinnerungskultur, ebenso wenig wird die Vielheit der Bevölkerung, die durch Zuwanderung zustande gekommen ist, thematisiert. Eine gemeinsame, transnationale Geschichte kommt auch im kommunikativen Gedächtnis der postmigrantischen Gesellschaft nur am Rande zur Sprache.
Insbesondere politische Akteur:innen der Zeit erkennen Deutschland und andere europäische Staaten nicht als Einwanderungsländer an, von Problemen mit dem #stadtbild ist in der konservativen deutschen Mitte die Rede, während rechte Gruppierungen unter dem Stichwort „Re:Migration“ unverhohlen ethnische Säuberungen durch den Staat verlangen. Die Problematisierung des Diskurses entspricht der Polarisierung der flüchtigen Moderne. Immer wieder kommt es zu Anschlägen und Übergriffen auf Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen.
Analog wurden und werden im Diskurs vermehrt Stimmen laut, die Diversität als gelebten Alltag thematisieren. Formen von Empowerment lassen sich vielfach im popkulturellen Kontext beobachten, wie in der Gegenwart zum Beispiel eine Vielzahl von Comedians mit Flucht- oder Migrationserfahrung auf analogen Bühnen wie auch im Netz zeigen. Insbesondere Hiphop galt und gilt als Medium, um über die eigene, mehrheimische Position in Deutschland und anderswo zu reflektieren. Von Advanced Chemistrys „Fremd im eigenen Land“ von 1992 bis hin zu Apsilons „Köfte“ von 2022 lässt sich dieser Diskurs um Zugehörigkeit im Rap verfolgen. Vergleichbare Positionen lassen sich auch in der bildenden und der darstellenden Kunst sowie in der Literatur ausmachen.
Jun.-Prof. Dr. Simone Egger
Di. 16:15 bis 17:45
Seit rund zwei Jahrzehnten erfährt Heimat eine nie da gewesene Konjunktur. Im Rahmen des Seminars spüren wir dem Empfinden von Zugehörigkeit in einer spätmodernen Gesellschaft nach. Das Saarland behauptet von sich selbst, das „Herz Europas” zu sein. Auch andere Regionen beanspruchen diesen Titel für sich. Das gegenwärtige Heimat-Phänomen ist gekennzeichnet durch seine ästhetische wie auch politische Dimension, zwei Qualitäten, die nicht nur im Hinblick auf die Behauptung eines europäischen Herzens fliessend ineineinanderübergehen.
Wir werden uns im Rahmen des Seminars mit wissenschaftlicher Literatur und populären Publikationen befassen, die den Diskurs aufgegriffen und in den vergangenen Jahren zahlreiche Positionen – sei es in Gestalt von Monografien, Sachbüchern, Sammelbänden oder auch biografischen Erinnerungen – hervorgebracht haben. Der Kurs beinhaltet zudem die Möglichkeit, eine Projektarbeit durchzuführen: Wir werden sowohl empirisch als auch historisch archivalisch danach fragen, was Zugehörigkeit in der Region Saar-Lor-Lux ausmachen kann. Diese Erhebung von Materialien ist als eine Art Zeitschnitt zu verstehen, es geht um Befindlichkeiten von Menschen angesichts immenser Transformationen.
Unter dem Motto "About Heimat" nimmt die Projektgruppe am 12. Juni 2026 außerdem am Tag des offenen Campus teil und wird versuchen, bei dieser Gelegenheit mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Im Vorfeld gibt es ganz unterschiedliche Dinge zu tun: Fragen müssen festgelegt, Flyer bestellt und kreative Mitmachaktionen entwickelt werden. Wir brauchen T-Shirts und Banner, ein Logo und Give aways. Daran werden wir gemeinsam arbeiten und das gesammelte Material im Anschluss zusammentragen und analysieren.
Das Seminar knüpft inhaltlich an ein Projekt an, dass 2026 und 2027 von der Europäischen Kulturanthropologie in Kooperation mit der Germanistik (Prof. Dr. Romana Weiershausen) an der UdS durchgeführt wird.
Seminar / Hauptseminar: About Heimat. Über Zugehörigkeiten im „Herzen Europas“
Jun.-Prof. Dr. Simone Egger / Dr. Alexander Friedman
Die Termine entnehmen Sie bitte den Einzeleinträgen der beiden Veranstaltungen.
Das Interdisziplinäre Themenmodul ITM "Migration und Konstruktionen von Zugehörigkeit in Geschichte und Gegenwart"
wird veranstaltet von:
- Juniorprof. Dr. Simone Egger: "About Heimat. Über Zugehörigkeiten im „Herzen Europas"" (Europäische Kulturanthropologie) und
- Dr. Alexander Friedman: "Geschichte der Migration in der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und im wiedervereinigten Deutschland" (Neuere und Neueste Geschichte)
Die Termine und Räume entnehmen Sie bitte den Einzeleinträgen der beiden Veranstaltungen.
Jun.-Prof. Dr. Simone Egger
Termine nach Absprache
Das Kolloquium wird als Blockveranstaltung angeboten und für Bachelor- und Masterstudierende geöffnet.
Termine nach Absprache. Bitte melden Sie sich zusätzlich per E-Mail (simone.egger@uni-saarland.de) oder Teams bei Frau Egger an.
Leonie Müller M.A.
Do. 12:15 bis 13:45
Städte sind keine neutralen Räume, sondern durch soziale Machtverhältnisse, Geschlechterordnungen und Alltagspraktiken strukturiert. Feministische Stadtforschung fragt danach, wie urbane Räume geplant, genutzt, wahrgenommen und verhandelt werden und welche Formen von Ausschluss, Ungleichheit, aber auch Widerstand und Fürsorge dabei entstehen. Das Seminar führt in zentrale theoretische Ansätze der feministischen Stadt- und Raumforschung ein und verbindet diese mit empirischen Zugängen der Kulturanthropologie. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verknüpfung von Theorie und Empirie. Die Teilnehmenden arbeiten mit ethnografisch inspirierten Methoden wie teilnehmender Beobachtung, Stadtspaziergängen, Mapping, kurzen Interviews oder der Analyse urbaner Praktiken und Infrastrukturen. Ziel ist es, die Stadt als Forschungsfeld zu erschließen und feministische Perspektiven im konkreten urbanen Alltag sichtbar zu machen.
Leonie Müller M.A.
17.09.2026 - 19.09.2026
Die Veranstaltung wird als Exkursion zur 31. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Empirischen Kulturwissenschaft (ÖGEKW) angeboten, die vom 17. bis zum 19. September 2026 in Innsbruck stattfinden wird.
Maribel Graf M.A.
Blocktermin 03.07.2026 - 05.07.2026
Zwischen romantischer Idealisierung und kritischer Entzauberung wollen wir Liebe („whatever that means“) in diesem Seminar in ihrer Ambivalenz und Vielschichtigkeit betrachten. Wie lernen und leben Menschen Liebe historisch und gegenwärtig? Inwiefern prägen Vorstellungen von Liebe zwischenmenschliche Beziehungen und Ordnungen? Wie normativ ist Liebe, wem wird sie zugestanden, wem vorenthalten? Und Liebe – was ist das überhaupt?
Aus einer kulturanthropologischen Perspektive nähern wir uns Liebe als sozialer, kultureller, sinnstiftender, konsumgeprägter, politischer und emotionaler Praxis, Diskurs und Ethik. Entlang verschiedener Achsen von Ungleichheiten, Gewalt und Machtverhältnissen fragen wir danach, wie mit und anhand ‚Liebe‘ individuelle sowie gesellschaftliche Normen, Strukturen und Praktiken stabilisiert, (re)produziert und organisiert – und mitunter auch unterlaufen, umgedeutet und transformiert werden.
Das Seminar verbindet theoretische Texte mit empirischen Beispielen aus der Kulturanthropologie und angrenzenden Disziplinen und lädt dazu ein, eine der scheinbar alltäglichsten und gleichzeitig außergewöhnlichsten Erfahrungen des kulturellen Erlebens neu zu befragen.
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