Lehrveranstaltungen
Wintersemester 2026 / 2027
Jun.-Prof. Dr. Simone Egger
Mi. 10:15 bis 11:45
Mit welchen Inhalten befasst sich die Europäische Kulturanthropologie? Was ist unter einem weiten Kulturbegriff zu verstehen? Was zeichnet eine Kulturanalyse aus? Was ist mit empirischen Methoden gemeint? Die Vorlesung führt grundlegend in die Themen und Fragestellungen der Europäischen Kulturanthropologie ein - es wird um Stadt gehen, um Identitäten, um Heimaten und Diversität, um Körper, Moden und Szenen, um Fake News, soziale Ungleichheit, materielle Kultur, transnationale Beziehungen und Migration.
Woran lassen sich Veränderungen in einer Gesellschaft festmachen? Wie handeln Individuen ihr Zusammenleben aus? Wie wird mit Objekten umgegangen? Welche Effekte haben politische Diskurse auf alltägliche Situationen? Was für Kontexte lassen sich ausgehend von einem Ort aufmachen? Mit diesen und anderen Fragen werden wir uns im Wintersemester anhand aktueller Beispiele beschäftigen.
Vorlesung: Kulturanthropologische Perspektiven. Felder und Fragestellungen
Jun.-Prof. Dr. Simone Egger
Di. 16:15 bis 17:45
Die Veranstaltung beinhaltet die Vortragstermine der gleichnamigen Ringvorlesung in Kooperation mit der Kultur- und Mediengeschichte und der Goethe Universität Frankfurt am Main. Genauere Infos folgen!
Leonie Müller M.A.
Mo. 16:15 bis 17:45
Wir verstehen die Jugend oder das Jungsein nicht nur als kurze Lebensphase, sondern als kulturell determinierte, transformative und habituell geprägte Übergangsphase zum Erwachsenwerden. Jungsein wird durch Stil, Konsum, Körperinszenierung, Raumnutzung und soziale Zugehörigkeit alltäglich hergestellt und ausgehandelt. Das Seminar nähert sich der Jugend kulturanthropologisch: ausgehend von klassischen Ansätzen der Jugend(kultur)forschung über stil- und klassentheoretischen Arbeiten bis zu aktuellen Debatten um Gender, Migration und digitale Jugendkulturen. Im Zentrum steht die Frage, wie soziale Ungleichheiten, darunter Klasse, Gender, Herkunft, in jugendkulturellen Praktiken sicht-, spür- und verhandelbar werden. Neben der Lektüre zentraler Theorietexte erproben die Teilnehmenden ethnografische Methoden in eigenen kleinen Feldübungen.
Leonie Müller M.A.
Di. 14:15 bis 15:45
Was wir tragen, beschäftigt uns jeden Tag. Über Kleidung drücken wir aus, wer wir sein wollen und/oder wer wir sind. Mode hat mit Identität und Zeitgeist zu tun, ist an Habitus und Lebensstil geknüpft und kann Medium politischer Inhalte sein. In der Kostümgeschichte wandeln sich Körperbilder und mit ihnen die Silhouetten. Haute Couture inszeniert Kleidung an der Schnittstelle von Mode und Kunst. Produktionsbedingungen sind oft wenig glamourös.
Die Jeans als Gegenstand materieller Kultur ist mit der Geschichte der Migration aus Europa im 19. Jahrhundert ebenso verbunden wie mit der Entstehung hybrider Kulturformen in den USA. In der Moderne ist die Jeans ein Produkt globaler ökonomischer Prozesse und Objekt des Konsums. Seit der Verlagerung der Textilherstellung in vermeintliche Billiglohnländer – und angesichts von Fast Fashion – hat die Jeans heute mehr denn je mit der Ausbedeutung von Menschen und Ressourcen zu tun.
Sich kleiden als Praxis bedeutet, sich zwischen individuellen und kollektiven Positionen zu verorten. Zugrunde liegt das soziale Bedürfnis, dazugehören und sich gleichzeitig abheben zu wollen. Mode ist eine kulturelle Ausdrucksform, an der sich gesellschaftliche Werte und Normen festmachen lassen. Im Zeitalter der Bilder geht es mehr denn je um die Ikonografie von Kleidung als visueller Textur.
Mode ist etwas Dynamisches, aus einer kulturanthropologischen Perspektive lassen sich viele Fragen an das Textile stellen. Grundlegende theoretische und empirische Aspekte im Umgang mit Kultur und Gesellschaft sollen am Exempel von Mode und Kleidung eingeführt werden. Die Bandbreite der behandelten Themen geht vom Dirndl als Ferienkleid über den New Look von Dior bis hin zum 1990er Revival der Gegenwart.
Übung / Kurs: Mode, Kleidung und Gesellschaft. Eine Einführung in die Kulturanthropologie
Dr. Nisrein Alhasan
Mo. 10:15 - 11:45
Formen populärer Frömmigkeit zählen zu den Kernthemen der Historischen Anthropologie. Populäre Frömmigkeit entwickelte und entwickelt sich abseits der offiziellen, über die Kirchen vermittelten Inhalte, Bilder und Praktiken des Religiösen, ist in der Regel aber nicht völlig unabhängig von diesen bzw. orientiert sich häufig an kirchlichen Ritualen und Artefakten. So strukturierte bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, um hier nur ein Beispiel zu nennen, das katholische Kirchenjahr zu zahlreichen Anlässen auch die Festkultur. Wie die einzelnen Feste begangen wurden und werden, ist allerdings oft eher brauchtümlich verankert als kirchlich vorgegeben.
Ein eher modernes Phänomen ist die Rückkehr des Religiösen in die gesellschaftlichen Diskurse der Gegenwart. Spätestens seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York ist die Auseinandersetzung um Religion und Religiosität in den westlich geprägten Gesellschaften wieder sehr präsent. Auf der anderen Seite ist schon seit den 1960er Jahren eine Zuwendung zu einer Bricolage (Mischung) aus religiös christlichen, asiatischen, spirituellen und als esoterisch eingestuften Glaubensformen zu sehen, die Grenzen sind fließend. Und spätestens seit seinen Erfolgen in den sozialen Medien ist auch die Rückkehr des Magischen und seiner Praktiken in die Populärkultur unübersehbar.
In dieser Lehrveranstaltung beschäftigen wir uns mit ausgewählten Aspekten der sogenannten 'Volksfrömmigkeit'. Dabei fragen wir, sofern gewünscht, nach ursprünglich religiösen Festen wie der Kirchweih und analysieren das Phänomen der Heiligenverehrung am Beispiel von Wallfahrten z.B. nach Lourdes. Wir fragen auch nach der Geschichte und Gegenwart der Marienverehrungen in Marpingen, nach den Bemühungen, dort ein Saarländisches Lourdes als Pilgerzentrum zu errichten. Wir fragen nach der Revitalisierung und Popularisierung des Pilgerns im Gefolge von Hape Kerkelings Wanderungen über den Jakobsweg und der Etablierung neuer Jakobswege im Saarland. Und wir fragen nach der Bedeutung des Übernatürlichen insgesamt. Dabei legen wir, fachbedingt, den Fokus nicht nur auf die Vorstellungen und Konzepte des Geglaubten, sondern auch auf die Praktiken, mit denen Menschen ihre Frömmigkeit konkret ausüben und ausleben. Der Zugang ist historisch wie gegenwartsorientiert, die Auswahl der einzelnen Themen finden wir zu Anfang des kommenden Semesters gemeinsam.
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