09.06.2026

Maria Milisavljević mit dreizehnter Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik ausgezeichnet

Portraitfoto© Clemens Porikys
Maria Milisavljević

Bereits zum 13. Mal richtet die Universität des Saarlandes mit dem Saarländischen Staatstheater, der Stadt Saarbrücken und dem VHS Regionalverband Saarbrücken die international renommierte Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik aus. In diesem Jahr übernimmt die vielfach ausgezeichnete Autorin, promovierte Kulturwissenschaftlerin, Dramaturgin und Übersetzerin Maria Milisavljević die Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik der Universität des Saarlandes.

Maria Milisavljević wird an drei Montagen im Juni (15., 22. und 29. Juni) drei öffentliche Vorträge über ihre Stücke und ihr Konzept des Theatershalten – und zwar im Saarländischen Staatstheater, im Schlosskeller (im Saarbrücker Schloss) sowie im Filmhaus Saarbrücken. Anschließend wird sie mit den Anwesenden ins Gespräch kommen. In der Alten Feuerwache des Saarländischen Staatstheaters war parallel zur Dozentur (seit der Uraufführung am 27. März 2026) Maria Milisavljevićs großartiges und bewegendes neues Stück „Blutschwester“ zu sehen.

Maria Milisavljević, 1982 in Arnsberg geboren, arbeitete nach dem Studium der Anglistik und Kunstgeschichte als Regisseurin und Dramaturgin erst in Deutschland und London und promovierte über Autor:innentheater am Londoner Royal Court Theatre. Von 2013 bis 2015 lebte und arbeitete sie in Kanada als Dramaturgin und Regisseurin am Tarragon Theatre in Toronto. Dort war sie zudem von 2013 bis 2020 International Playwright-in-Residence, zudem 2021/22 Hausautorin am Theater Regensburg. Ihre Stücke wurden an renommierten Theatern in Europa und weltweit aufgeführt und bereits in viele Sprachen übersetzt. Für ihre inzwischen über 20 Bühnenwerke ist sie vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem 2013 mit dem Kleistförderpreis für junge Dramatik, 2016 mit dem Autoren-Preis des Heidelberger Stückemarkes, 2016 mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis, 2025 mit dem Dramatikpreis und dem Publikums-preis bei den Mülheimer Theatertagen sowie 2026 mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis für ihr Gesamtwerk.

Maria Milisavljevićs Stücke verbinden eine poetisch-präzise Sprache mit Alltagskommunikation, Tragik mit Wut und Humor, bieten unkonventionelle, komplexe, aber berührende und bewegende Erzählformen. Ihr Debut Brandung (2013) war zugleich ein Thriller wie ein Jugendstück und eine Vierecksgeschichte, Beben (2018) fokussierte die vielfach gefährdete, erschütterte Gegenwart zwischen Realitätsflucht und dem Einbruch von Gewalt und Krieg. Bietet Brynhild (2023) eine Neuinterpretation des Nibelungenstoffes, erzählt Staubfrau (2025) von Beleidigungen, Demütigungen, Erfahrungen häuslicher Gewalt gegen Frauen, die Generationen verbinden, von einem Femizid und von dem Bemühen, den Strom der Gewalt zu unterbrechen. Blutschwester (2026) offenbart das Innenleben einer Frau Anfang Sechzig, die zum zweiten Mal an Krebs erkrankt ist, nun ohne Heilungschancen, zeigt sie in Wut und Verzweiflung, in Ohnmacht und Ausgeliefertsein, begleitet sie im Lebensrückblick, im Sterben.

Unter dem Titel „Unbedingtes Schreiben. Ein Plädoyer für den dringenden Erhalt neuer Dramatik im deutschsprachigen Gegenwartstheater” wird Maria Milisavljević in drei Vorträgen über ihre eigene Theaterarbeit reflektieren, aus ihren Stücken lesen und auf die Unverzichtbarkeit neuer Dramatik im deutschen Theater sprechen. Zugleich wird sie ihr Verständnis und Konzept des Autor:innentheaters darlegen und Einblick in ihre eigenen sowie internationale Arbeitsweisen geben
Auf „Autor*innentheater. Eine Unmöglichkeit im deutschen Theaterbetrieb?” (15. Juni) folgen „Diese Dramatikerin und ihre zwei Herzen. Über unterschiedliches Arbeiten im deutschsprachigen und englischsprachigen Theater” (22. Juni) und „Unbedingtes Schreiben. Von der Unverzichtbarkeit neuer Dramatik im deutschsprachigen Theater” (29. Juni). Im Anschluss an jeden Vortrag wird sie für ein offenes Gespräch mit den Anwesenden bereitstehen. 
Die Vorträge beginnen jeweils um 20:00 Uhr und dauern rund eine Stunde; anschließend findet eine offene Diskussion statt. Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Hintergrund:
Als erste Universität des deutschsprachigen Raumes richtet die Universität des Saarlandes seit dem Wintersemester 2011/12 gemeinsam mit dem Saarländischen Staatstheater, der Landeshauptstadt Saarbrücken und der VHS Regionalverband Saarbrücken jährlich die einzige Poetik-Dozentur nur für Dramatik aus. Ziel ist es, herausragende Bühnenautoren und Theatermachende der Gegenwart aus Deutschland, der Schweiz und Österreich nach Saarbrücken einzuladen, um in öffentlichen Vorträgen ihre Poetik, ihren Begriff von Drama und Theater zu formulieren und darüber zu reflektieren. 
Vor Maria Milisavljević hatten Rimini Protokoll, Roland Schimmelpfennig, Kathrin Röggla, Albert Ostermaier, Falk Richter, Milo Rau, She She Pop, Rebekka Kricheldorf, Ewald Palmetshofer, Philipp Löhle, Susanne Kennedy und Armin Petras die Dozentur inne.

Die Vorträge der ersten zehn Saarbrücker Poetikdozenturen für Dramatik liegen gedruckt vor: Rimini Protokoll: „ABCD. Saarbrücker Poetikvorlesungen“ (2012), Roland Schimmelpfennig: „Ja und Nein“ (2014), Kathrin Röggla: „Die falsche Frage“ (2015; alle: Theater der Zeit, Berlin), Albert Ostermaier: „Von der Rolle. Über die Dramatik des Verzettelns“ (2016), She She Pop: „Sich fremd werden. Beiträge zu einer Poetik der Performance“ (2018), Falk Richter: „Disconnected. Tanz Theater Politik“ (2018), Milo Rau: Das geschichtliche Gefühl. Wege zu einem globalen Realismus“ (2019), Rebekka Kricheldorf: „Dem Tod ins Gesicht lachen. Ein Plädoyer für Komik und die Feier des Absurden im Theater“ (2022), sowie Ewald Palmetshofer: „Körper.Schreiben.“ (2024), Philipp Löhle: „Wahr ist was war/ist“ (2025), Susanne Kennedy: „I AM (A STRANGE LOOP)“ (2026, im Druck) (alle: Alexander Verlag, Berlin).

Termine, Beginn jeweils um 20:00 Uhr:
Montag, 15. Juni 2026: Eröffnungsvortrag 
 „Autor*innentheater. Eine Unmöglichkeit im deutschen Theaterbetrieb?”
Saarländisches Staatstheater, Großes Haus, Mittelfoyer

Montag, 22. Juni 2026: 2. Vortrag
 „Diese Dramatikerin und ihre zwei Herzen. Über unterschiedliches Arbeiten im deutschsprachigen und englischsprachigen Theater”
Schlosskeller, Schloss Saarbrücken

Montag, 29. Juni 2026: 3. Vortrag
 „Unbedingtes Schreiben. Von der Unverzichtbarkeit neuer Dramatik im deutschsprachigen Theater”
 Filmhaus Saarbrücken, großer Kinosaal
  
Ansprechpartner
Dr. Johannes Birgfeld, Studiendirektor i.H., Universität des Saarlandes, FR 4.1 Germanistik
j.birgfeld@mx.uni-saarland.de
https://www.uni-saarland.de/fachrichtung/germanistik/veranstaltungen/poetikdozentur-fuer-dramatik.html