15.06.2026

Poetikdozentur für Dramatik: Eröffnungsvortrag von Maria Milisavljević

Portraitfoto© Clemens Porikys
Maria Milisavljević

Im Rahmen der dreizehnten Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik hält Maria Milisavljević, eine der wichtigsten deutschsprachigen Dramatikerinnen, drei Vorträge. Beim Eröffnungsvortrag am Montag, 15. Juni, um 20:00 Uhr, spricht sie über „Autor*innentheater. Eine Unmöglichkeit im deutschen Theaterbetrieb?” (Saarländisches Staatstheater). Der Eintritt ist frei.

Bereits zum 13. Mal richtet die Universität des Saarlandes mit dem Saarländischen Staatstheater, der Stadt Saarbrücken und dem VHS Regionalverband Saarbrücken die international renommierte Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik aus. In diesem Jahr übernimmt die vielfach ausgezeichnete Autorin, promovierte Kulturwissenschaftlerin, Dramaturgin und Übersetzerin Maria Milisavljević, eine der bemerkenswertesten und wichtigsten deutschsprachigen Dramatikerinnen, die Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik der Universität des Saarlandes.

Maria Milisavljević wird an drei Montagen im Juni (15., 22. und 29. Juni) drei öffentliche Vorträge über ihre Stücke und ihr Konzept des Theaters halten – und zwar im Saarländischen Staatstheater, im Schlosskeller (im Saarbrücker Schloss) sowie im Filmhaus Saarbrücken. Anschließend wird sie mit den Anwesenden ins Gespräch kommen. In der Alten Feuerwache des Saarländischen Staatstheaters war parallel zur Dozentur (seit der Uraufführung am 27. März 2026) Maria Milisavljevićs großartiges und bewegendes neues Stück „Blutschwester“ zu sehen.

Maria Milisavljević, 1982 in Arnsberg geboren, arbeitete nach dem Studium der Anglistik und Kunstgeschichte als Regisseurin und Dramaturgin erst in Deutschland und London und promovierte über Autor:innentheater am Londoner Royal Court Theatre. Von 2013 bis 2015 lebte und arbeitete sie in Kanada als Dramaturgin und Regisseurin am Tarragon Theatre in Toronto. Dort war sie zudem von 2013 bis 2020 International Playwright-in-Residence, zudem 2021/22 Hausautorin am Theater Regensburg. Ihre Stücke wurden an renommierten Theatern in Europa und weltweit aufgeführt und bereits in viele Sprachen übersetzt. Für ihre inzwischen über 20 Bühnenwerke ist sie vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem 2013 mit dem Kleistförderpreis für junge Dramatik, 2016 mit dem Autoren-Preis des Heidelberger Stückemarkes, 2016 mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis, 2025 mit dem Dramatikpreis und dem Publikums-preis bei den Mülheimer Theatertagen sowie 2026 mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis für ihr Gesamtwerk.

Maria Milisavljevićs Stücke verbinden eine poetisch-präzise Sprache mit Alltagskommunikation, Tragik mit Wut und Humor, bieten unkonventionelle, komplexe, aber berührende und bewegende Erzählformen. Ihr Debut Brandung (2013) war zugleich ein Thriller wie ein Jugend-stück und eine Vierecksgeschichte, Beben (2018) fokussierte die vielfach gefährdete, erschütterte Gegenwart zwischen Realitätsflucht und dem Einbruch von Gewalt und Krieg. Bietet Brynhild (2023) eine Neuinterpretation des Nibelungenstoffes, erzählt Staubfrau (2025) von Beleidigungen, Demütigungen, Erfahrungen häuslicher Gewalt gegen Frauen, die Generationen verbinden, von einem Femizid und von dem Bemühen, den Strom der Gewalt zu unterbrechen. Blutschwester (2026) offenbart das Innenleben einer Frau Anfang Sechzig, die zum zweiten Mal an Krebs erkrankt ist, nun ohne Heilungschancen, zeigt sie in Wut und Verzweiflung, in Ohnmacht und Ausgeliefertsein, begleitet sie im Lebensrückblick, im Sterben.

Unter dem Titel „Unbedingtes Schreiben. Ein Plädoyer für den dringenden Erhalt neuer Dramatik im deutschsprachigen Gegenwartstheater” wird Maria Milisavljević in drei Vorträgen über ihre eigene Theaterarbeit reflektieren, aus ihren Stücken lesen und auf die Unverzichtbarkeit neuer Dramatik im deutschen Theater sprechen. Zugleich wird sie ihr Verständnis und Konzept des Autor:innentheaters darlegen und Einblick in ihre eigenen sowie internationale Arbeitsweisen geben.

Die Vorträge beginnen jeweils um 20:00 Uhr und dauern rund eine Stunde; anschließend findet eine offene Diskussion statt. Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Termine, Beginn jeweils um 20:00 Uhr:

Montag, 15. Juni 2026: Eröffnungsvortrag 
 „Autor*innentheater. Eine Unmöglichkeit im deutschen Theaterbetrieb?”
 Saarländisches Staatstheater, Großes Haus, Mittelfoyer

Montag, 22. Juni 2026: 2. Vortrag
 „Diese Dramatikerin und ihre zwei Herzen. Über unterschiedliches Arbeiten im deutschsprachigen und englischsprachigen Theater”
 Schlosskeller, Schloss Saarbrücken

Montag, 29. Juni 2026: 3. Vortrag
„Unbedingtes Schreiben. Von der Unverzichtbarkeit neuer Dramatik im deutschsprachigen Theater”
Filmhaus Saarbrücken, großer Kinosaal
 
Ansprechpartner:    
Dr. Johannes Birgfeld, Studiendirektor i.H., Universität des Saarlandes, FR 4.1 Germanistik
j.birgfeld@mx.uni-saarland.de
https://www.uni-saarland.de/fachrichtung/germanistik/veranstaltungen/poetikdozentur-fuer-dramatik.html