
Institut für Myopie und Myopiemanagement
Leitung: Prof. Dr. Hakan Kaymak
Die Gottfried O.H. Naumann-Stiftungsprofessur für Epidemiologie und Prävention der Myopie an der Universität des Saarlandes wurde 2024 gegründet. Als Forschungsinstitut befassen wir uns schwerpunktmäßig mit der Prävention und dem Management von Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern und jungen Erwachsenen. Dabei kooperieren wir eng mit Prof. Dr. Berthold Seitz, dem Direktor der Augenklinik und Prof. Dr. Achim Langenbucher, dem Direktor des Instituts für Experimentelle Ophthalmologie in Homburg/Saar sowie mit Prof. Dr. Frank Schaeffel, dem Leiter der Sektion für Neurobiologie des Auges an der Universität Tübingen. Als Mitglied des Internationalen Myopie Instituts (IMI) arbeitet Prof. Kaymak außerdem mit Forschern auf internationaler Ebene zusammen.
Myopie: Verbreitung und Risiken
Kurzsichtigkeit (Myopie) nimmt weltweit zu: Lt. der Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universität Mainz sind 35 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland kurzsichtig. Unter den Hochschulabsolventen verzeichneten die Forscher einen Anteil von 53 Prozent.
Am weitesten verbreitet ist die axiale Myopie, bei der der Augapfel übermäßig in die Länge wächst. Dadurch dehnen und verdünnen sich die Strukturen des hinteren Augenpols. Bei höheren Werten steigt damit das Risiko für Augenerkrankungen, die die Sehkraft bedrohen, wie z.B. Netzhautlöcher und -abhebungen, einen grauen oder grünen Star. Je mehr Menschen von hoher Myopie betroffen sind, desto gravierender sind auch die gesellschaftlichen Folgen.
Unser Ziel: Prävention hoher Myopie
Eine Zielsetzung der Stiftungsprofessur ist es, vor allem hohe Myopie durch effektive Präventionsmaßnahmen im Kindesalter zu vermeiden. Denn Kurzsichtigkeit entsteht in den meisten Fällen zwischen dem 8. und 15. Lebensjahr, deshalb wird sie auch Schulmyopie genannt. Im Durchschnitt erreicht sie Werte von -3 bis -6 dpt im Erwachsenenalter. Ab einem Wert von -5 dpt und/oder einer Achsenlänge des Augapfels von ≧ 25,5 mm spricht man von hoher Myopie.
Unser Fokus: die Versorgungsforschung
Um die Prävalenz beziffern zu können, führen wir Schulreihenuntersuchungen durch und entwickeln ein Kinderscreening. Das heißt, unser Team geht in Schulen und untersucht die Kinder. Dabei stellten wir fest, dass die Inzidenz bei rund 25 bis 30 Prozent liegt. Bei der Hälfte dieser kurzsichtigen Kinder ist die Myopie bis dahin nicht diagnostiziert worden. Das bedeutet, 40 bis 50 Prozent der Schüler haben nur einen Visus, der unter 63 ist. Dieses Ergebnis zeigt weiterhin, dass die Versorgung mit effektiven diagnostischen und therapeutischen Methoden verbessert werden muss.
Unsere Forschungsschwerpunkte
- Versorgungsforschung
Durchführung von Schulreihenuntersuchungen und Entwicklung und Umsetzung eines Kinderscreenings. - Weiterentwicklung einer altersangepassten Myopiekontrolle
Beurteilung der Risiken und des Therapieerfolges basierend auf dem physiologischen Augenlängenwachstum altersgleicher emmetroper Mädchen bzw. Jungen. - Erforschung und Vergleich von Myopietherapien
Im Rahmen einer Dosisfindungsstudie ermittelt das Institut die effektivste Dosierung von Atropin-Augentropfen. Weitere pharmakologische Untersuchungen sind vorgesehen, darunter auch innovative Optionen wie z.B. Kontaktlinsen als Medikamententräger. Die verfügbaren Therapien für die Myopiekontrolle bei Kindern umfassen außerdem unterschiedliche myopiehemmende Brillengläser und Kontaktlinsen sowie Ortho-K-Linsen. In einem Vergleich sollen diese auf ihre Wirksamkeit, Verträglichkeit und auf ihre Sicherheit hin untersucht werden. - Auswirkungen von refraktiven Korrekturverfahren
Nach aktuellen Erkenntnissen schreitet das Augenlängenwachstum bei hoher Myopie auch im Erwachsenenalter weiter fort. Deshalb soll untersucht werden, wie sich die verschiedenen refraktiven Korrekturverfahren darauf auswirken. - Entwicklung neuer Korrekturverfahren
Außerdem ist geplant, vor diesem Hintergrund neue Korrekturverfahren in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg zu entwickeln.
Altersangepasste Myopiekontrolle und Myopiemanagement (AMMC)
Sowohl bei der Bewertung von Risiken als auch zur Messung des Therapieerfolges wurde bisher die Refraktion zugrundegelegt. Da die Augenlänge bei der axialen Myopie eine zentrale Rolle spielt, ziehen wir das physiologische Augenlängenwachstum als Maßstab für die altersangepasste Myopiekontrolle (Age Matched Myopia Control, AMMC) heran und haben damit einen Paradigmenwechsel eingeleitet.
- Risikobewertung
Das axiale Wachstum des Auges wird anhand von Perzentilen beurteilt. Damit kann ein erhöhtes Wachstum gegenüber einem gesunden emmetropen Auge eines altersgleichen Mädchens oder Jungens frühzeitig festgestellt werden. - Definition des Therapiezieles
Bisher gibt es beim Myopiemanagement kein Therapieziel. Deshalb haben wir das physiologische Augenwachstum als Therapieziel definiert. Es dient somit auch als Maßstab, um den Therapieerfolg zuverlässig beurteilen zu können. Das physiologische Augenwachstum ist ein universales Ziel – für Europa, für Asien und überall auf der Welt und ist abhängig vom Alter und vom Geschlecht eines Kindes. - Vergleich verfügbarer Therapien
Das AMMC-Konzept bietet weiterhin verlässliche Standards, um verfügbare Therapien in Bezug auf ihre Effektivität, Wirksamkeit und Sicherheit miteinander vergleichen zu können. - Software für die klinische Anwendung
Basierend auf diesem Konzept wurde eine Software für Augenärzte entwickelt, mit der individuelle Werte direkt in eine von drei Kategorien eingestuft und beurteilt werden können: normales Wachstum, moderat verstärktes Wachstum und stark verstärktes Wachstum. Sie ist für Biometriegeräte aller gängigen Hersteller verfügbar. Augenärztinnen und Ärzte können sich die Software Myopia Solutions kostenlos herunterladen.
Geplant ist außerdem die Entwicklung KI-basierter Modelle, um Prognosen zum individuellen Verlauf der Myopie abgeben zu können. - Vergleich von Biometriegeräten
Welche Biometriegeräte für die Myopiekontrolle bei Kindern geeignet sind, soll ebenfalls in einem Vergleich untersucht werden.

Über Prof. Dr. Hakan Kaymak
Prof. Dr. Hakan Kaymak ist Forschungsprofessor der Gottfried O.H. Naumann-Stiftungsprofessur für Epidemiologie und Prävention der Myopie. Er ist außerdem Prof. für Experimentelle Ophthalmologie an der Universität des Saarlandes.
Darüber hinaus ist er Mitinhaber und Leiter des Makula-Netzhaut-Myopie-Zentrums in Düsseldorf und dort als Augenarzt und leitender Augenchirurg tätig.
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Prof. Dr. Hakan Kaymak
Augenklinik, Gebäude 22
Kirrberger Straße 100
66421 Homburg/Saar
Tel.: +49 6841 16-21218
dr.h.kaymak(at)gmail.com