Forschungsschwerpunkte der Rechtsmedizin
In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Forschungsschwerpunkte herauskristallisiert. Ein besonders dynamisches Feld stellt die Blutspurenanalyse dar. Neben ihrer rekonstruktiven Bedeutung in der Fallarbeit eröffnet sie zugleich weitreichende Möglichkeiten für methodische Weiterentwicklungen. Bereits früh wurden neue visuelle Technologien in die Forschung integriert, darunter Hochgeschwindigkeitsfotografie, moderne Kameratechnologien sowie zunehmend photogrammetrische Verfahren. Viele dieser Forschungsansätze gehen unmittelbar aus praktischen Fragestellungen der Fallarbeit hervor und führten in der Vergangenheit zu Lösungen, die inzwischen auch in Ermittlungsbehörden Anwendung finden. Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz rückt dabei insbesondere die Frage nach evidenzbasiertem Erkenntnisgewinn und methodischer Validierung in den Mittelpunkt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die forensische Kardiologie. Da ein erheblicher Teil der natürlichen Todesfälle auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurückzuführen ist, spielt das Herz auch in der rechtsmedizinischen Obduktion eine zentrale Rolle. Durch die enge Kooperation mit klinischen Fächern konnten in den vergangenen Jahren wichtige wissenschaftliche Beiträge zu strukturellen Herzerkrankungen, insbesondere zur hypertrophen Kardiomyopathie und anderen kardialen Veränderungen, geleistet werden. Neben diagnostischen Möglichkeiten postmortaler Labor- und Gewebeanalysen wird hier auch Grundlagenforschung betrieben.
Darüber hinaus konnten in den vergangenen Jahren wichtige Beiträge zur Bestimmung der postmortalen Liegezeit geleistet werden. Modelle zur komplexen Todeszeitbestimmung, die unterschiedliche biologische und physikalische Parameter miteinander verbinden, gewinnen zunehmend Bedeutung in der praktischen Fallarbeit.
Der wissenschaftliche Output des Instituts ist – gemessen an der personellen Größe – bemerkenswert hoch. Die einzelnen Arbeitsgruppen und Unterabteilungen sind eng miteinander vernetzt und profitieren von einer intensiven internen Kooperation. Neben klassischen Visualisierungs- und Musteranalysen werden zunehmend auch Prognose- und Bewertungsmodelle im forensischen Kontext entwickelt und eingesetzt.
Ein wichtiges Ziel der kommenden Jahre besteht darin, neue Technologien systematisch zu integrieren. Dazu gehört insbesondere die geplante Etablierung einer postmortalen Computertomographie, die zusätzliche diagnostische Möglichkeiten eröffnet und die rechtsmedizinische Untersuchung weiter präzisieren kann. Auch Forschungsprojekte zur strukturellen Analyse biologischer und chemischer Marker gewinnen zunehmend an Bedeutung.
So versteht sich das Institut als Ort, an dem Fallarbeit, Lehre und Forschung in einem produktiven Spannungsverhältnis stehen und sich gegenseitig kontinuierlich weiterentwickeln.