Mitschreiben in Seminaren und Vorlesungen

Die Mitschrift ist die vielleicht am häufigsten gebrauchte Textsorte im Studium. Natürlich stellt die Professorin das Skript oder die Folien zur Vorlesung oft zur Verfügung, und es fühlt sich ja auch gut an, wenn man das Gehörte schwarz auf weiß auf Papier oder dem Notebook mit nach Hause tragen kann. Leider führt das passive Rezipieren der Inhalte nicht zu einem optimalen Lerneffekt.

Da hilft also eigentlich nur: Selbst mitschreiben! Doch Mitschreiben ist eine komplexe Angelegenheit: Wie soll das gehen, gleichzeitig zuhören, mitdenken, womöglich noch auf der PPt des Dozenten mitlesen und dann auch noch etwas notieren? Oft wundern wir uns, wenn wir Wochen später unsere Notizen nochmal durchlesen: „Was? Da war ich drin? Ich kann mich gar nicht mehr an den Inhalt erinnern! Was war denn nun mit diesem Satz gemeint? Den verstehe ich jetzt gar nicht mehr.“

Mitschreiben – oder lieber den Stift weglegen und nur zuhören?

Das ist keine gute Idee, denn:

  • Das Mitschreiben dient der Dokumentation des Gehörten.
  • In der Veranstaltung selbst kann sie Vorlage für eine sich anschließende Diskussion sein.
  • Nach der Veranstaltung ist sie hilfreich für die Nachbereitung des gehörten Stoffs und kann so z.B. auch schon Grundlage für eine Prüfungsvorbereitung sein.
  • Manchmal muss ein Protokoll einer Sitzung angefertigt werden; auch dafür bildet die Mitschrift die Basis.

Welche Challenge stellt das Mitschreiben für mich dar? 

  • Man sollte multitaskingfähig sein: zuhören, mitlesen, mitdenken und mitschreiben - alles gleichzeitig!
  • Wichtiges von Nebensächlichem trennen und nicht jedes Wort mitschreiben
  • Das Notieren wird oft erschwert durch schnelles Sprechtempo, zu leise oder nuschelnde Sprechweise, ungewohnte, abweichende Artikulation, Akzent der Vortragenden, oder durch Nebengeräusche (die Baustelle vor dem Fenster, der Kommilitone, der in seinem Buch rumblättert…)
  • Bei einem Vortrag über 90 Min. lässt auch die Konzentration nach
  • Da wir fast nur noch auf dem Handy oder dem Laptop tippen, ist die eigene Handschrift oft schwer lesbar.

Wie gelingt mir aber trotzdem eine gute Mitschrift?

  • Umfassende Vorbereitung:                                                                                                                                                                  Informiere dich vor der Veranstaltung in Handbüchern allgemein über das Vorlesungsthema, blättere die empfohlene Literatur durch und lies wichtige Passagen, schlag unbekannte Fachtermini nach.

TIPP: je mehr Vorwissen du mitbringst, desto besser gelingt die Mitschrift. Gegen Ende des Studiums werden die Mitschriften deswegen auch immer kürzer, weil immer mehr Inhalte bekannt sind und nicht mehr notiert werden müssen

  • Konzentration:
    Konzentriertes Zuhören ist das A und O, also: kein Surfen im Internet, Handy ausschalten. Versuch, die neuen Inhalte mit dem eigenen Vorwissen zu verknüpfen
  • Intelligente Notizen:                                                                                                                                                                                Trainiere das selektive Hören und unterscheide allmählich immer klarer Wichtiges von Unwichtigem, z.B. durch das Heraushören von Schlüsselwörtern > Notiere entsprechend nur das Wichtige und Interessante.

APROPOS: Wie erkenne ich Schlüsselwörter?

Schlüsselwörter sind häufig Fachtermini; Wörter, die gehäuft auftreten; meist Nomen, manchmal auch aussagekräftige Verben oder Adjektive; oft kommen sie schon am Anfang eines Kapitels oder Absatzes vor.

  • Schreib zusätzlich zum Gehörten auch eigene Fragen, Schlussfolgerungen auf, die dir durch den Kopf gehen.
  • Versuch auch die Struktur der gehörten Inhalte zu erfassen, z.B. durch Erkennen von Signalwörtern bzw. strukturierenden Redemitteln (zunächst möchte ich…, Bevor wir zu x kommen, muss ich y erklären, abschließend bleiben noch zwei Aspekte zu nennen…)
  • Ordne die Inhalte logisch, aber nicht unbedingt chronologisch an: Die Stichpunkte können über das Blatt verteilt angeordnet sein, nicht wie in einem fortlaufenden Text von oben nach unten.
  • Effiziente Notizen:                                                                                                                                                                                     Verwende Symbole (z.B. < für die Ursache, > für die Folge) und Abkürzungen (z.B. für oft wiederkehrende (Fach-)Begriffe).

TIPP: (unbekannte) Namen und selten verwendete Begriffe nicht abkürzen, da sie sonst einige Wochen später nicht mehr entschlüsselt werden können Endsilben/Endungen weglassen

  • Wo es möglich ist, kleine Übersichtsskizzen, Tabellen einarbeiten
  • Farben einsetzen
  • Hauptaussagen stichwortartig fixieren (Nominalstil)

TIPP: Achte darauf, argumentativ-logische Zusammenhänge zu versprachlichen (Beispiel: Schulen Mangel Lehrkräfte N-D wenig S-D Forderung KM. Diese Mitschrift wird bereits nach wenigen Wochen unverständlich sein, weil die logischen Verbindungen zwischen den Informationen fehlen).

  • Lass Platz zwischen den notierten Inhalten: Wenn zu Kerngedanken etwas nachgetragen/korrigiert bzw. ergänzt wird, kannst du die Info an der entsprechenden Leerstelle einfügen.
  • Übernimm die Struktur der Vorlesung. Dadurch erkennst du auch später, wenn du deine Notizen erneut liest, die logische Abfolge der Ideen der Dozentin wieder.
  • Übe hie und da, leserlich mit der Hand zu schreiben: Wie wäre es mit einer netten Karte an deinen besten Freund?

TIPP: Handschriftliches Notieren ist nachhaltiger als getipptes, denn man muss sich – limitiert durch die eigene Schreibgeschwindigkeit das Wesentliche konzentrieren.

  • Kompetente Nachbereitung                                                                                                                                                                                Schlag Unverstandenes möglichst bald im Anschluss an die Veranstaltung nach.                                                                                           Eventuell hilft es, bei Lücken einen Kommilitonen oder die Dozentin zu fragen, um dann ggf. die Mitschrift im Nachhinein ergänzen zu können.                                                                                                                                                                                              Lies oder überflieg wenigstens die empfohlene Literatur.

Welches Tool hilft mir bei meiner Mitschrift?

Als perfekt strukturierte Vorlage dient das sog. Cornell Notes-System.

Die Cornell Notes sind ein template als Basis für eine übersichtliche Mitschrift. Du kannst sie in Papierform als Notizbuch kaufen, (für die meisten Systeme) als App installieren, als pdf-Vorlage aus dem Internet downloaden – oder ganz einfach selbst gestalten J.

Das Cornell-Notizblatt (DIN A 4) ist in 4 Felder eingeteilt, einem oberen (A) und einem unteren Bereich (B) sowie einem Mittelteil. Dieser Mittelteil nochmal durch eine senkrechte Linie in eine schmale linke (1/4) (C) und eine breite rechte Spalte (3/4) (D) aufgegliedert. Die 4 Felder werden folgendermaßen gefüllt:

  • A: Thema/Titel, Name, Datum, andere übergeordnete Infos.
  • B: Alle wichtigen Daten, Zahlen, Inhalte in Stichpunkten
  • C: Nachbearbeitung der Inhalte aus (B): die wichtigsten Inhalte, eigene Ideen, noch offene Fragen, weitere Literaturverweise

TIPP: Bei der Prüfungsvorbereitung kann (B) abgedeckt werden und nur mit den zentralen Stichworten aus (C) gelernt werden

  • D: Kurze Zusammenfassung der Inhalte, Ergebnisse.

Wenn du noch mehr über das Mitschreiben wissen willst:

An unserer UdS gibt es immer zu Semesterbeginn einen Kurzworkshop (2 x 2 Stunden) zu Mitschrift und Protokoll. Aktuelle Infos finden Sie dazu auf der Seite des ISZ Saar: Dort finden Sie die studienbegleitenden Kurse im Bereich 'Wissenschaft und Wissenschaftskulturen international'.

Die Universität Heidelberg bietet außerdem eine sehr instruktive Videoreihe zum Thema an (https://www.uni-heidelberg.de/de/studium/service-beratung/angebote-fuer-internationale-studierende/workshops-und-tutorien/mitschreiben-in-vorlesungen-0).