27.02.2026

Forschung von Prof. Dr. Christian Bentz: Steinzeit-Zeichen so komplex wie frühe Proto-Keilschrift

Foto: Oliver Dietze

Auch bereits vor rund 40.000 Jahren ritzten unsere frühen Vorfahren Zeichen in Werkzeuge und Skulpturen, um Gedanken festzuhalten und zu teilen: Linien, Punkte, Kerben oder Kreuze, die sich häufig wiederholen. Für Christian Bentz, Professor für Sprachwissenschaft im Fachbereich Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie an der Universität des Saarlandes ist klar: „Eine frühe Alternative zur Schrift“. Im Rahmen des Forschungsprojekts Die Evolution Visueller Informationskodierung (EVINE), das der Europäische Forschungsrat mit einem ERC Starting Grant fördert, ist es Christian Bentz nun in Zusammenarbeit mit Archäologin Ewa Dutkiewicz vom Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin gelungen, die DNA der steinzeitlichen Zeichensysteme näher zu entschlüsseln – mit einem Ergebnis, das selbst das Forschungsduo überraschte. 

Gegenstand der Untersuchung war nicht etwa die konkrete Bedeutung der Zeichen – diese liegt weiter im Dunkeln –, sondern ihre grundlegenden, messbaren Eigenschaften. Mit computergestützten Methoden der quantitativen Linguistik analysierten die Forscher*innen mehr als 3.000 geometrische Zeichen auf rund 260 Objekten hinsichtlich bestimmter Regularitäten und Häufigkeitsmuster, um Ähnlichkeiten und Unterschiede zu späteren Zeichensystemen festzustellen. „Wir konnten zeigen, dass infolge der hohen Wiederholungsraten der paläolithischen Zeichen und der leichten Vorhersagbarkeit des nachfolgenden Zeichens die sogenannte Entropie – ein Maß für die Informationsdichte – mit der 40 Jahrtausenden späteren Proto-Keilschrift vergleichbar ist“, fasst Christian Bentz die Ergebnisse zusammen. Dieses Ergebnis überraschte das Forschungsteam insofern, als dass sie erwartet hätten, dass die frühe Proto-Keilschrift allein aufgrund der relativen zeitlichen Nähe sehr viel näher an heutige Schriftsysteme heranreicht. Das bedeutet im Umkehrschluss: Zwischen der Altsteinzeit bis hin zur ersten Proto-Keilschrift hat sich offenbar wenig geändert. „Danach, vor rund 5.000 Jahren, kam relativ plötzlich ein neues System auf, das gesprochene Sprache wiedergibt – da finden wir natürlich völlig veränderte statistische Eigenschaften“, erläutert Christian Bentz.

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