Abschlussarbeiten

Einen Überblick, über mögliche Abschlussarbeitsthemen, können Sie den Präsentationen auf dieser Seite entnehmen.

Weitere Themen

Insufficient Effort Responding in (Smartphone-mediierten) Onlinebefragungen

Einführung in die Thematik:
Die Verständlichkeit von Items ist die Grundlage der Validität von Selbstberichtsdaten. Ein mangelndes Verständnis der Teilnehmenden, z.B. durch Abweichung in kulturellem Hintergrund, Bildungsstand oder Expertenwissen, kann zu zusätzlicher Belastung durch Unsicherheit führen. Da Teilnehmende häufig trotzdem incentiviert sind die Befragung zu beenden (z.B., durch Versuchspersonenstunden) begegnen sie dieser Unsicherheit durch Ausweichstrategien (z.B. durch Wahl neutraler Antwortkategorien), die zu zusätzlichem Messfehler führen. Solche inhaltsunabhängigen Antworten sind in der Literatur z.B. als Careless Responding, Satisficing, Acquieszenz oder Insufficient Effort Responding (IER) beschrieben. Mangelndes Verständnis von Items ist vor allem in Online-Studien problematisch, in denen keine Versuchsleitung für Rückfragen zur Verfügung steht.

In der psychologischen Forschungspraxis kommen zudem nicht selten unzureichend validierte „ad-hoc“ Maße zum Einsatz, wenn für das Konstrukt des Interesses kein validiertes Maß existiert, oder existierende Maße in andere Forschungsfragen adaptiert werden. Somit ist in der Regel unklar, ob die Maße in der Zielpopulation auch tatsächlich nur (oder überhaupt) das intendierte Konstrukt erfassen. Trotz großer Sorgfalt bei der Erstellung von Maßen, kann es daher zu bedeutsamen Verzerrungen in den Daten kommen, die sich post-hoc nicht ohne Zuhilfenahme weiterer Hilfsvariablen entdecken oder korrigieren lassen.

Die Nutzung von Computern und Smartphones ermöglicht es parallel zur Beantwortung Verhaltensdaten des Antwortprozesses zu erfassen, sogenannte Paradaten. Diese Daten können genutzt werden, um problematische Items post-hoc oder sogar noch während des Befragungszeitraums zu identifizieren oder sogar zu ersetzen. Beispielsweise können dafür Mausbewegungen genutzt werden, die während der Befragung aufgezeichnet werden.

Mögliche Forschungsfragen

  • Theoretische Arbeiten:
    • Welche Ansätze, Daten und Modelle werden verwendet, um Messfehler durch Paradaten aus Computer-mediierten Studien vorherzusagen? Wie Erfolgreich sind diese? Welche Perspektiven zur Anwendung gibt es? Wie lassen sich diese auf Smartpohne-mediierte Studien übertragen?
  • Empirische Arbeiten
    • Wie verhalten sich cross-sectional etablierte Paradaten (z.B. Antwortzeiten) in längsschnittlichen Studien? Lassen sich diese auch in längsschnittlichen Studien nutzen?
    • Lasst sich aus Smartphone-Paradaten die Verständlichkeit einzelner Items ableiten?
    • Hängt die Häufigkeit des Auftretens bestimmter Smartphone-Paradaten-Muster von bestimmten (Persönlichkeits-)Variablen ab?
    • Welchen Einfluss haben verschiedene Möglichkeiten IER zu korrigieren
      auf die Schätzungen von Modellparametern?
    • Haben bestimmte States der Probanden (z.B., Müdigkeit) Einfluss darauf, inwiefern etablierte Paradaten (z.B., Antwortzeiten) IER vorhersagen können.

Zu nutzende Daten: Vorhandene Daten, simulierte Daten oder eigene Erhebung (abhängig vom Thema).

Möglichkeit zur Gruppenarbeit: Es müssen grundsätzlich eigenständige Arbeiten verfasst werden. Jedoch können sich Forschungsfragen ergänzen, sodass in parallelen Arbeiten große Gemeinsamkeiten bei der Literaturrecherche und Datenaufbereitung entstehen.

Ansprechperson: Alexander Hart