Antibiotic Stewardship
Die rasche und besorgniserregende Zunahme von Antibiotikaresistenzen ist im Wesentlichen auf den breiten und häufig unkritischen Einsatz von Antibiotika zurückzuführen. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass 30 – 50% der Antibiotikagaben medizinisch nicht gerechtfertigt sind. Deshalb wurden in den letzten Jahren Strategien zum rationalen Einsatz von Antibiotika entwickelt, die als Antibiotic Stewardship (ABS) bezeichnet werden.
Primäres Ziel des ABS ist es, den Patienten – nach einer gezielten mikrobiologischen Diagnostik – die bestmögliche antimikrobielle Behandlung für ihre akute oder chronisch verlaufende Infektionskrankheit anzubieten. Ein ebenso wichtiges Ziel ist es, eine antimikrobielle Behandlung zu vermeiden bzw. zu beenden, wenn diese nicht (mehr) erforderlich ist. Wesentlicher Beweggrund für einen rationalen und zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika im Sinne des ABS ist der Schutz unserer Patienten vor
- unnötigen, nicht indizierten Antibiotikaanwendungen und deren unerwünschten Wirkungen, wie z.B. Antibiotika-assoziierte Diarrhoe, Arzneimittelexantheme, Störungen Organfunktion.
- der Selektion von Infektionserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen.
- einer inadäquaten Antibiotikatherapie, die für die jeweilige Infektionskrankheit und deren Erregerspektrum nicht angemessen ist.
- Fehlern in der Dosierung und beim Verabreichungsschema oder unerwünschten Interaktionen mit anderen Arzneimitteln.
- einer zu langen Behandlungsdauer.
Weitere Informationen
- AWMF S3 Leitlinie: Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus
- Positionspapier der ART zu personellen und strukturellen Voraussetzungen in Krankenhäusern
Antibiotic Stewardship ABS Kurs
Das InfectioSaar Netzwerk bietet gemeinsam mit dem Universitätsklinikum des Saarlandes und der Ärztekammer des Saarlandes einen Antibiotic Stewardship ABS Kurs für Klinikärztinnen und –ärzte im Saarland nach dem Curriculum der Bundesärztekammer an.

InfectioApp
Die InfectioApp ist eine Antibiotika-Leitlinie zur empirischen und gezielten Therapie häufiger Infektionen, welche am UKS entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Smartphone-App, die komplett kostenfrei ist und Ihnen im klinischen Alltag schnell und zuverlässig Informationen zu Infektionen sämtlicher Organsysteme zur Verfügung stellt. Die App wurde von der interdisziplinären Antibiotic Stewardship-Gruppe des UKS inhaltlich erstellt und wird fortlaufend aktualisiert. Dabei ist sie auch offline auf mobilen Endgeräten verfügbar und ermöglicht über eine Suchfunktion, dass alle relevanten Informationen schnell und unkompliziert gefunden werden können.
Neben detaillierten Therapie-Empfehlungen zu häufigen Krankheitsbildern finden sich auch Antibiotika-Steckbriefe, in denen Informationen zu Wirkspektrum, Nebenwirkungen, Kontraindikationen sowie der Dosierungsanpassung bei Nieren- und Leberfunktion angegeben werden. Auch Angaben zur Antibiotika-Therapie in der Schwangerschaft und in anderen besonderen Situationen werden in der App dargestellt.
Über interaktive Links in den einzelnen Kapiteln gelangen Sie einfach und intuitiv zu allen relevanten Informationen. Die App wird ständig erweitert und ihr inhaltlicher Umfang entspricht bereits jetzt etwa 200 Seiten Text – diese sind jedoch so aufbereitet, dass Sie schnell die für Sie in einer klinischen Situation relevanten Informationen finden.
Sie finden die kostenfreie InfectioApp im AppStore (Apple) sowie Playstore (Android) .Über Feedback sowie Verbesserungsvorschläge zu den Inhalten der InfectioApp würden wir uns sehr freuen. Bitte senden Sie diese an mikrobiologie(at)uks.eu.
Neu: Geänderte Interpretation von Antibiogrammen
Das europaweite System der mikrobiologischen Interpretation von Antibiogrammen hat sich geändert: Bisher wurde die Empfindlichkeit eines Bakteriums auf ein bestimmtes Antibiotikum in der Resistenztestung mit den Buchstaben S (sensibel), I (intermediär) und R (resistent) beschrieben. Die Definition des Buchstaben I hat sich nun grundlegend geändert: I bedeutet jetzt „empfindlich bei erhöhter Antibiotika-Dosierung/-exposition“.
Diese Änderung hat folgende klinische Konsequenz: I sollte nicht mehr als „halbresistent“ interpretiert werden. Vielmehr ist ein als I bewertetes Antibiotikum zur Therapie ebenso gut geeignet wie ein mit S gekennzeichnetes Antibiotikum, wenn eine entsprechend höhere Dosierung gewählt wird.
Dosierungshinweise für alle am UKS eingesetzten Antibiotika im Rahmen der aktuellen Änderung finden sich hier: www.uks.eu/abs
Weiterführende Links: