Am 18.06.26 referiert Prof. Dr. Markus Scholz (Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen, Goethe-Universität Frankfurt am Main) zum Thema „Der zentrale Kultbezirk von Nida/Frankfurt a. M.-Heddernheim: interdisziplinäre Studien zu Raumgestaltung und Deponierungen“.
Im Bereich von Frankfurt a. M.-Heddernheim und -Praunheim bestand zwischen ca. 70/80 und 110 n. Chr. der zentrale militärische Knotenpunkt im Rhein-Main-Gebiet. Nach dem Bau des Limes wurde der Kastell-vicus Nida zum Hauptort der civitas Taunensium ausgebaut, der sich zu einem der bedeutendsten städtischen Zentren im Limesgebiet entwickelte und bis ca. 270 n. Chr. bestand. Infolge der hohen (militärischen) Mobilität im Vorfeld von Mainz zeichnete er sich durch regen Kulturpluralismus aus.
Bei Ausgrabungen des Denkmalamtes 2016–2018 konnte erstmalig das Zentrum von Nida großflächig untersucht werden. Dort, wo man bislang das forum vermutete, erstreckte sich ein ummauerter Kultbezirk mit mehrphasigen Holz- und Steinbauten. Die Befunde sind zusammenhängend und beinahe ungestört erhalten. Die Grundrisse der Tempel finden keine Parallelen in Obergermanien. Durch Inschriften und Skulpturen ist die Verehrung von Jupiter, Jupiter Dolichenus, Mercurius Alatheus, Diana und Epona nachgewiesen. Eine Besonderheit bilden über 80 Schächte und Gruben, in denen man offenbar Überreste von Opferhandlungen entsorgte. Skelettfunde werfen sogar die Frage nach möglichen Menschenopfern auf. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts scheint das Heiligtum gezielt niedergelegt und das Areal desakralisiert worden zu sein.
Das Zentralheiligtum von Nida zählt zu den am besten erhaltenen und am umfangreichsten ergrabenen römischen Sakralanlagen in Deutschland. Gefördert durch die DFG, haben sich die archäologischen Institutionen Frankfurts (Denkmalamt, Archäologisches Museum, RGK, Goethe-Universität) sowie die Universität Basel (IPNA) zusammengeschlossen, um die Ausgrabungen interdisziplinär auszuwerten. Die Zusammenarbeit von provinzialrömischer und klassischer Archäologie mit Archäozoologie und Archäobotanik verspricht nicht nur neue Erkenntnisse zur Geschichte von Nida, sondern darüber hinaus zu Kultpraktiken in den römischen Nordwestprovinzen.