Sich wehren! Eine Frau ergreift das Wort
Wie reagiert ein Mensch, wenn Demokratie gewaltsam abgeschafft, Nachbarschaft vergiftet und Würde systematisch vernichtet wird? Der jüdisch-spanische Schriftsteller Max Aub stellte diese Frage bereits 1939 – im Exil, auf der Flucht vor Faschismus und Krieg. Sein zugleich berührender und hellsichtig vorausschauender Theatermonolog Ich will keinen Trost von niemandem liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor.
Im Mittelpunkt steht Emma, eine jüdische Frau im Wien nach dem „Anschluss“ 1938. Nach der Enteignung ihrer Wohnung wird sie nur noch in der Dachkammer ihres Hauses geduldet und schlägt sich als Putzfrau eines Theaters durch. Als Zeitzeugin wider Willen beobachtet sie die fortschreitende Verrohung einer Gesellschaft, in der ehemals freundliche Nachbarn und Mitmenschen plötzlich zu Ausgrenzung und Gewalt fähig werden. Die Trauer um ihren in Dachau ermordeten Mann Arnolf und den ungeklärten Tod ihres in Spanien umgekommenen Sohnes Samuel verwandelt sich allmählich in kalte Wut, mit der sie, zuvor völlig unpolitisch, nun widerstehen will.
Die Buchvorstellung verbindet Lesung, Gespräch und historische Kontextualisierung. Herausgeber Albrecht Buschmann, derzeit Gastwissenschaftler am Käte Hamburger Kolleg CURE, und Übersetzerin Stefanie Gerhold sprechen gemeinsam mit Ulf Schmidt, Chefdramaturg des Saarländischen Staatstheaters, über die literarische Kraft des Textes und seine beklemmende Aktualität. Schauspielerin Martina Struppek liest Auszüge aus dem Monolog.
Das Käte Hamburger Kolleg an der Universität des Saarlandes und das Saarländische Staatstheater laden zu einem Abend über Erinnerung und Widerstand ein, der der Frage nachgeht, wie rasch durch Hass und andauernde Hetze würdiges Leben unmöglich wird.
Mit:
Albrecht Buschmann (Herausgeber)
Stefanie Gerhold (Übersetzerin & Herausgeberin)
Ulf Schmidt (Chefdramaturg Saarländisches Staatstheater)
Lesung: Martina Struppek
Montag, 16. Juni 2026, 20 Uhr
Sparte 4, Eisenbahnstraße 22, 66117 Saarbrücken
Eintritt 5 EUR, VVK unter https://www.staatstheater.saarland/detail/sich-wehren-eine-frau-ergreift-das-wort
Weitere Informationen finden Sie hier.
Eine Kooperation des Käte Hamburger Kollegs CURE mit dem Saarländischen Staatstheater, mitveranstaltet von der Stiftung Demokratie Saarland, der Synagogengemeinde Saar, der Heinrich-Böll-Stiftung Saar und dem Institut für Romanistik der Universität des Saarlandes.
