09.07.2026

Gastvortrag: „Ästhetische Figurationen der Ausnahme im Floreroman von Konrad Fleck“

Im Rahmen des mediävistischen Kolloquiums am Donnerstag, 9. Juli, um 8:30 Uhr spricht Professorin Amélie Bendheim (Universität Luxemburg) über das Thema „Ästhetische Figurationen der Ausnahme im Floreroman von Konrad Fleck“ (Gebäude C5 3, Raum 206). Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Prof. Dr. Amélie Bendheim (Universität Luxemburg):
„Ästhetische Figurationen der Ausnahme im Floreroman von Konrad Fleck“
9. Juli 2026, 8.30 Uhr in Gebäude C5 3, Raum 206 
Eine Online-Teilnahme über MS Teams ist ebenfalls möglich. Interessierte erhalten den Teilnahme-Link nach Anmeldung per Mail an: stephanie.muehlenfeld(at)uni-saarland.de

Der Erzählstoff von Flore und Blanscheflur hat eine weitreichende transnationale Verbreitung und eine bis in die Moderne anhaltende Popularität erfahren; er zählt zu den großen „Bestsellern“ des europäischen Mittelalters. Verhandelt wird darin eine Form der Krisenbewältigung nicht über kollektive Ordnung, sondern über ein individuelles Schicksal: Die unwahrscheinliche Liebe des heidnischen Königssohns Flore zur christlichen Sklaventochter Blanscheflur bildet dabei zugleich ein Gegenmodell zu den traumatischen zeitgeschichtlichen Erfahrungen und Gewaltlogiken der Kreuzzüge.

Im Vortrag wird die mittelhochdeutsche Bearbeitung von Konrad Fleck als literarischer Black-Swan-Fall diskutiert, der Figurationen der glücklichen Ausnahme als narratives Strukturprinzip funktionalisiert. Die im Text gewählte „kleine Lösung’“ die die Vorstellung eines Weltchristentums durch ein Modell charismatischer Ausstrahlung ersetzt, bildet einen ideengeschichtlich bemerkenswerten Impuls für eine veränderte Haltung zur Krise und gibt Anlass, interkulturelle Dynamiken neu zu reflektieren.