Wintersemester 2026/27
Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls für französische und italienische Literaturwissenschaft
FRANZÖSISCHE LITERATURWISSENSCHAFT
Di, 10-12 Uhr: HS Frz. Die Erfindung einer nervösen Moderne: Charles Baudelaire
Gebäude A2 2 - Seminarraum 2.03
Charles Baudelaire (1821-1867) ist nicht nur der wichtigste Dichter der französischen Literatur, sondern auch ein Vordenker der Modernität. Seine Fleurs du Mal (1857) revolutionieren die Lyrik, seine Prosagedichte eröffnen ihr Wege jenseits des Verses. Seine Essays zu Dichtung, Malerei und Drogen skizzieren ein neues Verständnis von Literatur und Kunst in ihrer historischen Dynamik. Zu diesem Zweck bedient sich Baudelaire bei der Medizin und erprobt die verschiedensten Stimulanzien (Wein, Haschisch u.a.): Sie dienen der Bestimmung des Dichters als Dandyhafter Großstadtmensch, der aus neuen Inspirationsquellen schöpft. Diese emphatische Hinwendung zur Modernität schließt ihre Kritik nicht aus: Baudelaire misstraut Innovationen, bedauert das neue Stadtbild von Paris, trauert der Vergangenheit nach. Das Seminar arbeitet die Besonderheit von Baudelaires Vers- und Prosagedichten heraus und erschließt dabei sein ambivalentes Selbstverständnis: ein radikaler Neuerer, der aus der Zeit gefallen scheint – ein antimoderner Moderner.
Bitte besorgen Sie sich folgende Ausgabe:
- Charles Baudelaire, Œuvres complètes, éd. Michel Jamet, préface Claude Roy, Paris: Laffont 2011 (Bouquin). ISBN-13: 978-2221125762
Di, 14-16 Uhr: Vorlesung Frz. Die Literatur Frankreichs I (Anfänge bis Aufklärung)
Gebäude B3 1 - HÖRSAAL II (0.13)
Die Vorlesung präsentiert die Literatur Frankreichs: Sie bietet einen Überblick über die Epochen und Strömungen der französischen Literatur und führt in deren zentralen Werke, Autoren und Gattungen ein, vom Mittelalter bis heute. Erstens soll die Vorlesung einen vertiefenden Überblick über die französische Literatur vermitteln. Zweitens sucht sie, das historische Bewusstsein zu schärfen: Sie fragt nach den Möglichkeiten und Grenzen der Literaturgeschichte, vermittelt die Alterität früherer Zeiten und lehrt den kritischen Gebrauch historischer Begriffe. Schließlich wird die Anwendung textanalytischer Methodik (Drama, Lyrik, Erzähltext) an herausragenden Beispielen der französischen Literatur eingeübt. Die behandelten Texte werden vorab in einem Reader zur Verfügung gestellt.
Die Vorlesung ist auf zwei Semester angelegt (Wintersemester: Mittelalter bis Aufklärung; Sommersemester: Romantik bis heute). Es wird dringend geraten, beide Veranstaltungen im Laufe eines Studiums zu besuchen! Nur so wird ein Überblick über die französische Literaturgeschichte erworben.
Di, 16-18 Uhr: Frz./Ital. Examenskolloquium
Gebäude A2 2 - Seminarraum 1.26
Das Kolloquium hat zwei Aufgaben: Einerseits soll es auf das Staatsexamen vorbereiten und andererseits beim Verfassen von BA- und MA-Arbeiten helfen. Es gliedert sich in drei Teile: Im wiederholenden Teil werden die Methoden der Textanalyse vertiefend in Erinnerung gerufen; im Lektüre- und Diskussionsteil werden Grundlagentexte der Literaturgeschichte und -theorie gelesen, vorgestellt und diskutiert; im vorbereitenden Teil werden Abschlussarbeiten konzeptionell besprochen sowie die mündliche Prüfung geplant und geprobt.
Herr Apl. Dr. Niklas Bender darf in den Bereichen Frz. und Ital. Literaturwissenschaft sowohl Abschlussarbeiten (Lehramt, Bachelor, Master) betreuen als auch das mündliche Staatsexamenabnehmen. Falls Sie sich von ihm prüfen lassen wollen, setzen Sie sich gerne mit ihm in Verbindung: niklas.bender2(at)uni-saarland.de
ITALIENISCHE LITERATURWISSENSCHAFT
Mi, 10-12 Uhr: PS/HS Ital. Sprachfeuerwerke gegen den Faschismus: Carlo Emilio Gadda und der italienische Roman
Gebäude B3 1 - SEMINARRAUM 2.05
Der Ingenieur Carlo Emilio Gadda (1893 bis 1973) gilt als einer der wichtigsten italienischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ein Gadda-Roman kann lustig sein und von einem einfachen, spannenden Plot ausgehen, er schöpft jedoch aus einem derart großen Formen- und Sprachreichtum, dass er schier aus den Nähten platzt; Gadda wird daher zurecht unter die Großen der modernen Literatur gezählt. Das Seminar liest La cognizione del dolore (1938-1941), der Roman, mit dem der Romancier berühmt geworden ist, und Quer pasticciaccio brutto de via Merulana (1957), sein größtes Werk. Gadda ist jedoch nicht nur ein formaler Neuerer, sondern auch ein kritischer Denker: Obwohl der eine Roman in einem lateinamerikanischen Fantasieland spielt und der andere einen römischen Kriminalfall erzählt, gehört in beiden der italienische Faschismus zu den eigentlichen Themen. Das Seminar wird dessen Darstellung und allgemeiner das Verhältnis von moderner Literatur und Politik diskutieren.
Bitte besorgen Sie sich folgende Bücher:
Carlo Emilio Gadda, La cognizione del dolore, ed. Paola Italia, Giorgio Pinotti, Claudio Vela, Mailand: Adelphi 2019. EAN: 9788845934407
Carlo Emilio Gadda, Quer pasticciaccio brutto de via Merulana, ed. Giorgio Pinotti, Mailand: Adelphi 2023. EAN: 9788845937644
(Bei Bedarf können auch die deutschen Übersetzungen der beiden Texte, erschienen im Klaus Wagenbach Verlag, hinzugezogen werden.)
Nach Vereinbarung: Doktoranden- und Habilitandenkolloquium (1 SWS)
Im Kolloquium werden neue und laufende Forschungsvorhaben der Teilnehmer präsentiert und diskutiert. Zudem werden neuere Arbeiten und Tendenzen der literaturwissenschaftlichen Fachdiskussionen rezipiert und debattiert.