Sorores (Verbundprojekt)

Sorores - Les religieuses non cloîtrées en Europe (XII-XVIII)

Verbundprojekt unter Mitwirkung von Cristina Andenna (Équipe directrice)

Die Entscheidung, die Welt zu verlassen um sich einem religiösen Leben zu widmen, ist von einem grundlegenden Spannungsfeld geprägt: Auf der einen Seite steht das Verlangen, sich Gott bedingungslos hinzugeben, auf der anderen Seite der Imperativ, die besondere Form eines religiösen Lebens mit der Kirche und deren Institutionen abzustimmen. Insbesondere ab dem 12. Jahrhundert haben sich viele Frauen für neue Formen eines religiösen Lebens entschieden, die entgegen den kirchlichen Bestimmungen keine Klausur beinhalteten (Beginen, Beatas, Bizzoche, Büßerinnen, Tertiarinnen etc.). Das internationale Projekt Sorores widmet sich der Untersuchung dieser Religiosen im europäischen Raum und in einer längeren transepochalen Perspektive (12.-18. Jahrhundert). Diese Frauen waren bisher allenfalls ein Randthema der Historiographie. Die zahlenmäßig große Präsenz dieser Frauen in den europäischen Städten (z.B. 195 Beaterios in Toledo am Ende des 15. Jahrhunderts oder die Beginenhöfe mit bis zu 1.500 Mitgliedern in Flandern zur gleichen Zeit), ihre enge Integration mit anderen Teilen der Gesellschaft (z. B. Familien, städtische Institutionen) und die Kontinuität ihrer Existenz vom Mittelalter bis zur Neuzeit sprechen jedoch für eine wichtige Bedeutung. Das Fortbestehen und die zunehmende Verbreitung solcher weiblichen Gemeinschaften zeigen gleichzeitig, dass die kirchlichen Institutionen nicht die einzige Quelle der Legitimation einer vita religiosa waren. Der Einfluss dieser Frauen kann in vielen Bereichen bis hin zu den zeitgenössischen karitativen und humanitären Vereinigungen gefunden werden. Das Sorores-Projekt zielt darauf ab, die internationalen Forschungsinitiativen zu bündeln und zu strukturieren, verschiedene historiographische Ansätze miteinander ins Gespräch zu bringen und neue Forschungsansätze und -methoden zu finden. Am Sorores-Projekt sind vier nordamerikanische und neun europäische Universitäten beteiligt. Das Projekt wird finanziell von der École française de Rome (Programm 2022-2026) und der Casa Velazquez (Programm 2022-2024) unterstützt. 

zur Projektseite