Aktuelles
Abendvorträge
Unser nächster Abendvortrag in Präsenz:
Dr. Enrico Lehnhardt (Vor- und Frühgeschichte, Universität des Saarlandes)
"Farbe und Status: Zur Bedeutung von rotem Glas in der Jastorf-Kultur sowie von Ägyptisch Blau und Zinnoberrot im Barbaricum“
Donnerstag, 9.4.2026, Beginn 18 Uhr c.t., Gebäude B3 1, Raum 1.30
Der Vortrag untersucht rotes Glas im südlichen Ostseeraum als Indikator für überregionale Kontakte und Technologietransfer während der späten Eisenzeit im Kontext der ‚Latènesierung‘ der Jastorf-Kultur. In diachroner Perspektive wird zudem die Verbreitung von Ägyptisch Blau und Zinnober von der späten Hallstattzeit bis in das Barbaricum der jüngeren römischen Kaiserzeit nachgezeichnet. Der Vortrag verdeutlicht, dass die farbigen Substanzen weit mehr als einfache Importgüter waren. Vielmehr fungierten sie als sichtbare Ausdrucksformen von Status und Prestige sowie als Instrumente kultureller Integration.
Zur Person: Enrico Lehnhardt studierte Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Osteuropäische Geschichte und Mittelalter-/Neuzeitgeschichte in Jena und Heidelberg. 2016 promovierte er an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über
"Die Anfänge der Eisenverhüttung im Bereich der Przeworsk Kultur". Nach einem Postdoctoral Fellowship zu den Anfängen der Eisengewinnung in Osteuropa im Rahmen des Exzellenzclusters Topoi war er von 2018-2025 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin tätig, wo er 2025 seine Habilitationsschrift einreichte. Im Anschluss übernahm er die Vertretung der Professur für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Frankfurt. Seit 1.4. ist er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität des Saarlandes tätig. Sein Forschungsschwerpunkt ist die späte Bronze- und Eisenzeit in Mittel- und Osteuropa.

Forschungskooperation mit Luxemburg
Am Freitag ging die erste gemeinsame Lehrgrabung der Saarbrücker Vor- und Frühgeschichte in Kooperation mit dem luxemburgischen Denkmalamt (INRA) zu Ende. Es war der Auftakt einer neu eingerichteten Forschungskooperation zur Erforschung der Eisenzeit im SaarLorLux Raum, die den Studierenden des Faches auch künftig eine sehr praxisnahe Ausbildung garantieren soll und zugleich neue archäologische Netzwerke in der Großregion etabliert. In den letzten vier Wochen hatten wir die seltene Gelegenheit, im Rahmen des Projektes eine mehrphasige Höhensiedlung mit doppeltem Abschnittswall zu untersuchen. Die Anlage liegt in einem Wald bei Itzig (Luxemburg), oberhalb des Flusses Alzette. Hier dokumentierten wir den Aufbau beider Wälle, von denen der größere sich als Mauer mit einem hölzernen Balkenwerk erwies. Außerdem wurde der Siedlungsbereich der Anlage untersucht, wobei auch Keramik aus römischer Zeit zu Tage kam, die wohl mit einer Nachnutzung zu verbinden ist. Die Ausgrabung erbrachte viele spannende Ergebnisse - eine Besiedlung der Anlage noch in der Spätantike ist anzunehmen. Die Studierenden konnten unter Einsatz modernster digitaler Grabungstechnik wichtige Praxiserfahrung sammeln, inklusive eines spannenden Einblickes in die regionale Siedlungsarchäologie.
Wir bedanken uns herzlichst beim luxemburgischen Denkmalamt (INRA) und bei der Grabungsfirma Archäoplan für die tolle Zusammenarbeit. Auch danken wir den Studierenden für ihre tolle Mitarbeit und ihr Engagement. Wir freuen uns schon sehr auf eine baldige Fortsetzung der Kooperation.
Neuer Bachelorstudiengang "Archäologie" seit dem Wintersemester 2021/22
Die Archäologie Europas steht im Mittelpunkt dieses Studienangebotes, welches gemeinsam von der Vor- und frühgeschichtlichen und der Klassischen Archäologie getragen wird. Das innovative Konzept des Studiengangs beruht auf der umfassenden Vermittlung von fachwissenschaftlichen, methodischen und praktischen Kompetenzen im Bereich landschafts- und fundstellenbezogener Archäologie sowie Objekt- und Bildwissenschaft. So erwerben Studierende fundierte Fachkenntnisse zu den zentralen Epochen und Kulturen des antiken / vormodernen Europas. Zugleich vermittelt der Studiengang neben den traditionellen auch eine große Bandbreite an modernsten digitalen Methoden, die in der archäologischen Forschung und Vermittlung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Schließlich sammeln die Studierenden Erfahrungen in allen relevanten archäologischen Berufsfeldern durch einen im Studienverlauf implementierten hohen Praxisanteil. Die dadurch erworbenen Kompetenzen sowie die Möglichkeit zur Ausbildung eines individuellen Curriculums bereiten optimal sowohl auf die Fortsetzung des Studiums in einem konsekutiven Masterstudiengang als auch auf einen frühen Berufseinstieg vor.
© MNHADas Institut für Vor- und Frühgeschichte trauert um Dr. h.c. Gérard Thill
13. März 1925 – 17. November 2025
Nach Abschluss seiner Schullaufbahn im Athénée de Luxembourg und dem Besuch der Cours universitaires in Luxemburg, begann Thill ein Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie sowie der französischen Sprach- und Literaturwissenschaften an den Universitäten Leuven und Paris.
Nach einer ersten Tätigkeit im Schulddienst, wechselte Thill 1965 als Konservator in den Dienst der Musées d’État in Luxemburg, wo er für die Abteilungen Geschichte und Kunst verantwortlich zeichnete. Im Jahr 1969 wurde er als Conservateur-Directeur zum Leiter der Musées de l’État berufen. Mit der Reorganisation der staatlichen Museen im Dezember 1988 wurde er zum Direktor des neu gegründeten Musée national d’histoire et d’art ernannt, dem er bis zu seiner Pensionierung im März 1990 vorstand.
Mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichte an der Universität des Saarlandes stand Thill in regem Austausch und mit den MitarbeiterInnen, insbesondere Univ.-Prof. Dr. Rolf Hachmann war er freundschaftlich verbunden.
Für seine Verdienste um die grenzüberschreitende Archäologie der Großregion wurde ihm im Dezember 1979 -als bislang einzigem Archäologen- die Ehrendoktorwürde an der Universität des Saarlandes verliehen.
Als besonderes Verdienst Gérard Thills gilt der Ausbau der archäologischen Abteilung der Musées de l‘État mit den entsprechenden Restaurierungswerkstätten sowie die Gründung der staatlichen Bodendenkmalpflege, welche mit einer regen Geländearbeit im gesamten Großherzogtum sowie einer intensiven wissenschaftlichen Publizistik einherging.