Initiativen und Rechtsrahmen

Unionale Maßnahmen für die Quantentechnologie

Die Industrialisierung des Quantensektors schreitet mit großen Schritten voran, die gesetzgeberische Aufmerksamkeit für Quantentechnologien nimmt entsprechend zu. Bereits Mitte 2025 hat die Europäische Kommission ihre Quantenstrategie (hierzu mehr) veröffentlicht, die – so das ambitionierte Ziel – Europa bis 2030 in der Quantentechnik weltweit führend machen soll. Die Strategie soll ein resilientes, souveränes Quantenökosystem fördern, das Start-up-Unternehmen wachsen lässt, „bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse in marktreife Anwendungen umwandeln hilft“ und zugleich die wissenschaftliche Führungsrolle Europas im Bereich der Quantentechnologien aufrechterhält. Auch der Competitiveness compass (hierzu mehr) der Draghi-Report, die Quantum Declaration von 24 Mitgliedstaaten sowie die Europäische Strategie für wirtschaftliche Sicherheit (JOIN(2023) 20 final) haben die Quantentechnologie als strategisch bedeutsam identifiziert und es wurde seitens der Europäischen Kommission in diesem Zusammenhang ein Quantum Act avisiert. Zwischen Oktober 2025 und Dezember 2025 fand dementsprechend ein Call for evidence statt. 

Die Maßnahmen der Europäischen Union in Bezug auf Quantentechnologien erstrecken sich bisher ausschließlich auf nicht-gesetzgeberische Instrumente. Ein industriepolitischer Rechtsakt in diesem Bereich wird – so die europäischen Pläne – der Quantum Act sein (hierzu mehr). Die unabhängig von diesem Quantum Act existierenden nicht-gesetzgeberischen Maßnahmen sind vielgestaltig. Zu den wichtigsten, die Quantentechnologie fördern sollen, zählen etwa: 

  • Quantum Technologies Flagship (hierzu mehr)

    Eine langfristige Forschungs- und Innovationsinitiative, die 2018 initiiert wurde, und die darauf abzielt, Europa an die Spitze der zweiten Quantenrevolution zu bringen. Das „Quantum Technologies Flagship“ soll über einen Zeitraum von zehn Jahren die Arbeit von Hunderten von Quantenforschern unterstützen und verfügt über ein Budget von ca. 1 Mrd. Euro aus EU-Mitteln.


  • Horizon Europe (hierzu mehr)

    Dabei handelt es sich um das wichtigste Förderprogramm der EU im Bereich Forschung und Innovation. Es bekämpft den Klimawandel, trägt zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung bei und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum der EU.


  • Quantum Europe Strategy (European Commission, 'Quantum Europe Strategy: Quantum Europe in a Changing World', COM(2025) 363 final, Brussels, 2 July 2025 (hierzu mehr)

    Dabei handelt es sich um ein nicht-gesetzgeberisches Instrument, das in erster Linie der Festlegung von Leitlinien und Koordinierungsziele dient.


  • European High Performance Computing Joint Undertaking (EuroHPC JU), (hierzu mehr)

    Das Gemeinschaftsunternehmen unterstützt, im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen, die Anschaffung von Supercomputern und Quantencomputern. Dies ist deswegen von Bedeutung, weil Quantencomputer ihren ersten praktischen Nutzen voraussichtlich als Beschleuniger entfalten werden, die in klassische Supercomputer integriert sind. Nutzer sollen praxisnahe Anwendungen entwickeln und testen können, bevor vollständig eigenständige Quantencomputer ausgereift sind. Seit 2026 ist EuroHPC JU die wichtigste europäische Umsetzungsplattform für Quantenforschung und - entwicklung und für integrierte Aktivitäten, welche zuvor im Rahmen von „Horizon Europe“ gefördert wurden.


  • Chips Joint Undertaking (Chips JU), (hierzu mehr)

    Das Gemeinschaftsunternehmen ist eine europäische öffentlich-private Partnerschaft, welche die Entwicklung und Einführung fortschrittlicher, in Europa hergestellter nanoelektronischer Chip-Technologien und -Systeme fördert. Das Gemeinschaftsunternehmen gliedert sich in zwei Teile, die auf die Bedürfnisse des europäischen Halbleiter-Ökosystems zugeschnitten sind: die Initiative „Chips for Europe“ und „Forschung und Innovation im Bereich elektronischer Komponenten und Systeme“ (ECS R&I).


  • European Quantum Communication Infrastructure (EuroQCI), (hierzu mehr)

    Wurde 2019 in Leben gerufen mit der EuroQCI Declaration (hierzu mehr) und dient der Finanzierung für den operativen Betrieb von EuroQCI mit zwei Segmenten: terrestrisch und weltraumgestützt.


  • Connecting Europe Facility (hierzu mehr) and IRIS2 (hierzu mehr)

    Dabei handelt es sich EU-Programme, die strategische Investitionen und Maßnahmen im Bereich EuroQCI ermöglichen, insbesondere Boden- und Weltraumkomponenten der europäischen Infrastruktur für sichere Quantenkommunikation.


  • European Defence Fund (hierzu mehr)

    Stellt Fördermittel für Quantentechnologien mit verteidigungsbezogenen Anwendungen bereit. Es wird dabei auch berücksichtigt, wie sich die Auswirkungen von zivilen auf sicherheitspolitische Bereiche koordinieren lassen sollten.


  • Empfehlung der Kommission über einen Fahrplan für die koordinierte Umsetzung des Übergangs zur Post-Quantum-Kryptografie vom 11.4.2024, C(2024) 2393 final (hierzu mehr)

    Die Kommissionsempfehlung bezweckt, den Übergang zur Post-Quanten- Kryptografie im Hinblick auf den Schutz digitaler Infrastrukturen und Dienste für öffentliche Verwaltungen und anderer kritischer Infrastrukturen in der Union zu fördern, indem die Mitgliedstaaten u.a. in die Lage versetzt werden, einen Fahrplan für die koordinierte Umsetzung der Post-Quanten-Kryptografie aufzustellen.


  • Chips Act 2.0-Entwurf (hierzu mehr)

    Die Aktualisierung des Chips Acts ist eine industriepolitische Maßnahme, welche nicht unmittelbar Quantentechnologien betrifft, aber ihre Basis, indem die Verordnung die europäische Semiconductor-Industrie stärken, Lieferkettenabhängigkeiten beseitigen und technische Souveränität fördern soll. Der Chips Act und das Chips Joint Undertaking (Chips JU) befassen sich mit Quantenchips und den damit verbundenen Halbleitertechnologien, indem sie Entwicklungskapazitäten, Pilotproduktionslinien, den Prototypenbau, Tests und Validierungen fördern und damit einen Teil des Weges von der Quantenchip- Forschung zur künftigen industriellen Produktion ebnen. Diese Instrumente decken jedoch nicht den gesamten Quanten-System-Stack ab.


  • Wassenaar-Abkommen (hierzu mehr)

    Es handelt sich dabei um ein Abkommen über Exportkontrollen hinsichtlich konventioneller Waffen und doppelverwendungsfähigen Gütern und Technologien (dual use), das auch für Quantentechnologien relevant ist, weil diese nach allgemeinem Verständnis eine solche Doppelverwendungstauglichkeit aufweisen.

Deutsch-französische Impulse für die Quantenstrategie Europas

Darüber hinaus gewinnt der Sektor auch industriepolitisch weiter an Bedeutung. So haben Deutschland und Frankreich im Rahmen der deutsch-französischen Ministerratskonferenz im Juli 2026 vereinbart, ihre Zusammenarbeit unter anderem im Bereich der Quantentechnologien zu vertiefen. In diesem Zusammenhang unterzeichneten beide Staaten zudem ein gemeinsames Positionspapier zum geplanten EU Quantum Act. Dies unterstreicht die wachsende strategische und industriepolitische Relevanz der Quantentechnologien sowie den politischen Willen, Europas Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität in diesem Bereich zu stärken. 

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