Decentralized Care Support App

Motivation

Gesundheits- und Versorgungsnetzwerke sind komplexe soziale Systeme, in denen informelles Lernen eine zentrale Rolle spielt. Besonders in der Pflege von An- und Zugehörigen werden Kompetenzen überwiegend praxisnah erworben. Da Pflegebedürftigkeit oft unerwartet eintritt, benötigen Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen als Sorgegemeinschaft verlässliche und individuell zugeschnittene Informationen. Digitale Gesundheitsanwendungen können diese Versorgung bieten, bergen jedoch Datenschutzrisiken, die zu Überforderung oder Ablehnung führen können. Datenschutzkonforme und sichere Lösungen sind daher unerlässlich, um Vertrauen zu schaffen und die Qualität der häuslichen Pflege zu verbessern.

Ziele und Vorgehen

Das Vorhaben „DECURA“ zielt darauf ab, eine digitale Lösung zur Unterstützung in der häuslichen Pflege zu entwickeln. Hierzu soll eine dezentrale Systemarchitektur entwickelt werden, die eine datenschutzkonforme Bereitstellung von Pflegeanwendungen für Pflegebedürftige und ihre Sorgegemeinschaft ermöglicht. Diese Lösung soll die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen und ihrer Sorgegemeinschaft stärken und die Qualität der häuslichen Pflege verbessern. Im Zentrum der Entwicklung stehen die dezentrale Verarbeitung von Gesundheitsdaten auf den Geräten der Betroffenen sowie die Bereitstellung personalisierter Lern- und Versorgungsangebote. Das Vorhaben adressiert dabei die Problematik des Vertrauensverlusts bei zentralisierteren Datenverarbeitung und die damit verbundenen Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Dafür analysiert das Projekt die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen, um bestehende Hürden für dezentrale Systeme im Gesundheitswesen zu erkennen und praktikable Lösungsansätze zu entwickeln.

Innovationen und Perspektiven

Der Ansatz zur digitalen Gesundheitsversorgung in der häuslichen Pflege mit dezentralen Technologien und lokaler Datenverarbeitung ist ein bislang wenig erforschtes Feld im Pflegekontext. Durch die Kombination informeller Lernnetzwerke mit sicheren, individuell angepassten digitalen Inhalten wird das Vertrauen in digitale Gesundheitsanwendungen gestärkt, die Pflegequalität verbessert und die digitale Teilhabe gefördert. Darüber hinaus leistet das Projekt einen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt und eröffnet neue wirtschaftliche Chancen im Gesundheitswesen.
 

Forschungsarbeit des Lehrstuhls

Die Dezentralität der Architektur kann aus rechtlicher Sicht zur Umsetzung des Grundsatzes der Datenminimierung beitragen, aber auch zu Herausforderungen bei der Bestimmung von Verantwortlichkeiten und der Umsetzung von Betroffenenrechten führen. Im Bereich der Verarbeitung von Gesundheitsdaten haben sich zudem mit Verabschiedung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) und des Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) sowie durch neuere Rechtsprechung neue Fragestellungen ergeben, die in der Literatur bislang noch unzureichend aufgenommen worden sind.

Der Lehrstuhl für Rechtsinformatik übernimmt im Projekt die rechtlichen Querschnittsuntersuchungen. Dazu zählt unter anderem eine Untersuchung der datenschutzrechtlichen Anforderungen an die Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch das DECURA-System, eine Analyse der Anforderungen des  EHDS zur Primär- und Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten sowie eine Untersuchung und Evaluation von künftig anwendbaren wesentlichen Anforderungen der Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO) im Zusammenhang mit der Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte.