Claus Daniel

Wie heißen Sie und in welchem Land bzw. welcher Stadt leben Sie zurzeit?
Mein Name ist Claus Daniel. Ich lebe heute im Großraum Chicago in den USA und arbeite am Argonne National Laboratory.
Was haben Sie an der Universität des Saarlandes (UdS) studiert und wann war das ungefähr?
Ich studierte Materialwissenschaften an der UdS und schloss 2002 mein Diplom ab. Anschließend promovierte ich dort im selben Fachbereich und schloss meine Promotion 2005 ab. Insgesamt war ich von Ende der 1990er Jahre bis 2005 an der UdS. Zusätzlich absolvierte ich im Rahmen meiner Ausbildung einen europäischen Abschluss in Materialwissenschaften und Werkstofftechnik an der École Européenne d’Ingénieurs en Génie des Matériaux in Nancy.
Welche Berufstätigkeit haben Sie nach Ihrem Studium ausgeführt?
Nach meiner Promotion ging ich in die USA und setzte meine wissenschaftliche Laufbahn am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee fort. Dort arbeitete ich zunächst als Wissenschaftler und übernahm später verschiedene Führungsaufgaben in der angewandten Energie- und Materialforschung. Unter anderem gründete und leitete ich eine Forschungseinrichtung des US-Energieministeriums zur Entwicklung und Herstellung von Batterien und Batteriematerialien.
Später wechselte ich in die Industrie zu Carrier Corporation, wo ich globale strategische Partnerschaften in Forschung, Engineering und Nachhaltigkeit leitete. Heute bin ich Associate Laboratory Director für Advanced Energy Technologies am Argonne National Laboratory nahe Chicago und habe gleichzeitig eine wissenschaftliche Berufung an der University of Chicago. Dort verantworte ich gemeinsam mit mehr als 400 Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern, Ingenieurinnen, Ingenieuren sowie Analystinnen und Analysten Forschung und Entwicklung in den Bereichen Energie, Mobilität, Materialien und Produktion.
Warum haben Sie sich für die Universität des Saarlandes (UdS) entschieden?
Ich bin ein gebürtiger Saarländer, geboren und aufgewachsen in Quierschied. Als Kind eines soliden saarländischen Handwerksbetriebs war es für mich bereits ein großer Schritt, zur Uni zu gehen. Eine andere Hochschule als die Universität des Saarlandes war daher natürlich undenkbar.
Außerdem hat mich besonders die Kombination aus einer starken naturwissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung und der vergleichsweise persönlichen Forschungsumgebung angesprochen. Die Materialwissenschaften an der UdS boten die Möglichkeit, Grundlagenforschung mit sehr konkreten technologischen Fragestellungen zu verbinden. Diese Verbindung zwischen wissenschaftlichem Verständnis und praktischer Anwendung hat mich fasziniert – und begleitet mich bis heute durch meine gesamte berufliche Laufbahn. Ich bin auf die Materialwissenschaft aufmerksam geworden, als ich einen Vortrag von Prof. Mücklich in Stuttgart an der Materials Week hörte. Prof. Mücklich war dann auch mein Professor, Mentor und Begleiter während meiner gesamten Karriere.
Haben Sie Tipps für aktuelle Studierende?
Seien Sie neugierig und nutzen Sie die Zeit an der Universität, um Dinge auszuprobieren, auch außerhalb des unmittelbaren Studienplans. Suchen Sie früh den Kontakt zu Forschung, Industrie und internationalen Partnern.
Noch wichtiger: Planen Sie Ihre Karriere nicht zu genau. Einige meiner interessantesten beruflichen Möglichkeiten waren zu Beginn überhaupt nicht vorhersehbar. Entscheidend war vielmehr, bereit zu sein, neue Themen, Länder und Aufgaben anzunehmen.
Und unterschätzen Sie niemals die Bedeutung der Menschen, mit denen Sie studieren und arbeiten. Fachwissen öffnet Türen – langfristig sind es aber häufig Neugier, Verlässlichkeit, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, die den Unterschied machen.
Haben Sie eine besondere Anekdote oder Geschichte aus Ihrer Zeit an der UdS?
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Aufbruchsstimmung in den Materialwissenschaften während meiner Studien- und Promotionszeit. Wir waren eine vergleichsweise junge Gemeinschaft aus Studierenden, Promovierenden und Wissenschaftlern, und vieles wurde gemeinsam aufgebaut und entwickelt.
Für mich war das eine wichtige Erfahrung: Wissenschaft besteht nicht nur darin, vorhandenes Wissen zu lernen, sondern auch darin, etwas Neues zu schaffen. Dieses Gefühl, gemeinsam Forschung aufzubauen und neue Ideen auszuprobieren, hat mich später sowohl in den amerikanischen National Laboratories als auch in der Industrie immer wieder begleitet.
Was war Ihr liebster Ort auf dem Campus?
Während meines Aufenthalts an der UdS verbrachte ich die meiste Zeit im Keller des Physikgebäudes und der famosen siebten Etage im Bereich Funktionswerkstoffe. Mein liebster Ort war weniger ein einzelner Platz als die unmittelbare Umgebung der Materialwissenschaften – Labore, Büros und die Orte, an denen aus spontanen Diskussionen neue Ideen entstanden. Gerade diese Mischung aus Forschung, persönlichem Austausch und studentischem Leben verbinde ich bis heute mit meiner Zeit in Saarbrücken.
Warum haben Sie sich für dieses Studienfach entschieden?
Materialwissenschaften faszinieren mich, weil Materialien letztlich die Grundlage nahezu aller Technologien bilden. Wer versteht, warum sich ein Material auf atomarer und mikroskopischer Ebene auf eine bestimmte Weise verhält, kann daraus völlig neue Produkte und Technologien entwickeln.
Diese Verbindung zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und praktischer Anwendung war für mich besonders attraktiv. Rückblickend war diese Entscheidung für meine Karriere sehr prägend – von meinen frühen Arbeiten an Werkstoffen über Batterien und Fertigungstechnologien bis zu meiner heutigen Arbeit an Energie- und Mobilitätssystemen.
Wie haben Sie den Übergang in den Beruf gestaltet?
Mein Übergang in den Beruf war gleichzeitig ein großer geografischer und persönlicher Schritt. Nach meiner Promotion in Saarbrücken bin ich in die USA gegangen und habe am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee gearbeitet.
Ursprünglich war dies vor allem eine wissenschaftliche Gelegenheit. Daraus wurde schließlich eine Karriere von inzwischen mehr als zwei Jahrzehnten in den USA. Im Laufe der Zeit verlagerte sich mein Schwerpunkt von der eigenen Forschung zunehmend auf den Aufbau großer Forschungsprogramme, die Zusammenarbeit mit Industrie und Regierung und schließlich auf die Führung großer Forschungsorganisationen.
Ich glaube deshalb, dass der Übergang vom Studium in den Beruf nicht als einmaliger Schritt gesehen werden sollte. Man entwickelt sich kontinuierlich weiter und sollte bereit sein, seine Rolle immer wieder neu zu definieren.
Wie würden Sie Ihre Zeit an der UdS in einem Satz zusammenfassen?
Die Universität des Saarlandes war für mich der Ort, an dem aus meiner Neugier für Werkstoffe die Grundlage für eine internationale wissenschaftliche und berufliche Laufbahn entstand.
Wie würden Sie die Universität des Saarlandes in einem Satz zusammenfassen?
Die UdS verbindet für mich wissenschaftliche Exzellenz mit einer persönlichen, internationalen und interdisziplinären Atmosphäre, in der Studierende die Möglichkeit haben, sehr früh selbst zu Forschenden zu werden.
Was hat Ihnen an Ihrem Studium an der Universität des Saarlandes (UdS) besonders gut gefallen?
Besonders gefallen hat mir die Nähe zur Forschung. Man studierte Materialwissenschaften nicht nur aus Lehrbüchern, sondern konnte sehr früh erleben, wie wissenschaftliche Erkenntnisse tatsächlich entstehen.
Hinzu kam die Interdisziplinarität des Fachs. Materialwissenschaften verbinden Physik, Chemie und Ingenieurwissenschaften – und eröffnen dadurch sehr viele Möglichkeiten. Diese Breite hat mir später erlaubt, an sehr unterschiedlichen Themen zu arbeiten, von neuen Werkstoffen und Fertigungsverfahren über Batterietechnologien bis hin zu heutigen Fragen der Energie- und Industrietransformation.
Was hätten Sie beim Berufsstart gern schon gewusst?
Ich hätte gern früher verstanden, dass eine erfolgreiche Karriere sehr selten linear verläuft.
Als junger Wissenschaftler konzentriert man sich verständlicherweise stark darauf, fachlich möglichst gut zu werden. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ebenso wichtig ist, mit Menschen arbeiten zu können, gute Fragen zu stellen, verständlich zu kommunizieren und unterschiedliche Disziplinen und Organisationen zusammenzubringen.
Außerdem hätte ich gern früher gewusst, dass man nicht auf jede neue Aufgabe vollständig vorbereitet sein muss. Manchmal muss man den Mut haben, eine Gelegenheit anzunehmen und anschließend in die Aufgabe hineinzuwachsen.
Was hat Sie im Studium überrascht?
Mich hat überrascht, wie schnell man vom Erlernen bestehenden Wissens zur Gewinnung völlig neuer Erkenntnisse gelangen kann. Gerade während der Diplomarbeit und Promotion wurde mir bewusst, dass Forschung bedeutet, Fragen zu bearbeiten, auf die tatsächlich noch niemand die Antwort kennt.
Diese Erkenntnis – dass man selbst einen kleinen Beitrag zur Erweiterung unseres Wissens leisten kann – war für mich außerordentlich motivierend.
Was würden Sie gerne noch einmal an der UdS erleben?
Ich würde gerne noch einmal einen ganz normalen Tag aus meiner Studien- und Promotionszeit erleben: morgens ins Institut kommen, mit Kolleginnen und Kollegen über ein Experiment diskutieren, im Labor arbeiten und noch nicht wissen, wohin einen die wissenschaftliche Neugier in den nächsten Jahrzehnten führen wird.
Gleichzeitig würde ich sehr gerne erleben, wie heutige Studierende und junge Forschende an der UdS an den großen technologischen Herausforderungen unserer Zeit arbeiten.