MeshNotes
3D-Modelle gehören zum Standard archäologischer Dokumentation: Photogrammetrie und Laserscanning erfassen Fundplätze, Bauwerke und Objekte in hoher Detailtreue. Die eigentliche wissenschaftliche Arbeit, nämlich das Beobachten, Beschreiben und Interpretieren, findet jedoch oft noch getrennt vom Modell statt, in Notizen, an Zeichnungen oder Bildbeschriftungen. Das 3D-Modell bleibt so häufig Illustration statt Arbeitsgrundlage.
MeshNotes ermöglicht es hingegen, Beobachtungen, Beschreibungen und Interpretationen direkt mit dem 3D-Modell zu verknüpfen. Annotationen werden als Punkte, Linien, Polygone, Flächen oder Volumen direkt auf dem Modell verortet und beschrieben. Daraufhin können mehrere Personen zu einer Annotation eigene Einträge beisteuern; frühere Fassungen bleiben erhalten, sodass nachvollziehbar bleibt, wie sich eine Deutung entwickelt hat. Messungen, Profilschnitte und Streiflicht ergänzen die Arbeit am Modell. Vermessungspunkte, etwa aus GPS-Messungen im Feld, lassen sich ebenfalls importieren.
In den Feldforschungsprojekten der Saarbrücker Klassischen Archäologie werden damit Befunde am 3D-Modell dokumentiert und im Team diskutiert. Als Open-Source-Software haben zudem weitere Universitäten und Institute international MeshNotes in ihre Arbeitsabläufe übernommen. Die Einsatzfelder reichen über die Feldarchäologie hinaus: von der Kartierung von Bauphasen und Schäden in der Baudenkmalpflege über die Zustandsdokumentation im Museum bis zur Beschreibung von Herstellungsspuren und Dekor in der Keramikforschung.
Das Werkzeug läuft ohne Installation im Browser, die Daten verbleiben auf dem eigenen Gerät. MeshNotes orientiert sich an etablierten Fachstandards. Annotationen werden im W3C Web Annotation Data Model gespeichert und sind auf die Anbindung an IIIF-basierte Systeme und Forschungsdateninfrastrukturen wie NFDI4Objects ausgelegt; die Metadaten orientieren sich an CIDOC CRM, dem Referenzmodell für Kulturerbedaten. So bleiben die Ergebnisse unabhängig vom Werkzeug lesbar, archivierbar und zitierfähig.
MeshNotes steht Forschung, Lehre und Denkmalpflege unter meshnotes.org frei zur Verfügung und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Es versteht sich als Beitrag zu einer digitalen Archäologie, in der 3D-Modelle nicht nur betrachtet, sondern gemeinsam erforscht werden – als Objekte, an denen Beobachtung, Diskussion und Interpretation zusammenfinden, für andere nachvollziehbar bleiben und zitierfähig werden.


Ansprechperson
Nils Schnorr M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Klassische Archäologie
MeshNotes ist aus der Arbeit in den Feldforschungsprojekten des Instituts heraus entstanden.
Nils Schnorr betreut Konzeption und Entwicklung des Werkzeugs. Die Weiterentwicklung richtet sich nach den Anforderungen aus Forschung und Lehre sowie nach den Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer. Er ist Ansprechpartner für Fragen zum Einsatz von MeshNotes in Forschungsprojekten und Lehrveranstaltungen sowie für Kooperationen.
Weiterführende Informationen
MeshNotes dient nicht nur der Annotation, sondern auch dem Teilen von 3D-Modellen mitsamt ihren Annotationen. Für den kurzfristigen Austausch, etwa im Projektteam oder in der Lehre, lädt die Funktion „Quick Share“ Modell und Annotationen für 90 Tage auf den Server von MeshNotes hoch und erzeugt einen Link, über den beides direkt im Browser geöffnet werden kann. Für die dauerhafte Bereitstellung lassen sich Modell und Annotationen in einem Forschungsdatenrepositorium wie Zenodo veröffentlichen. MeshNotes lädt die Daten dann direkt von dort, während sie im Repositorium archiviert und über dessen DOI zitierbar bleiben. Ein Beispiel ist ein Demo-Skyphos aus der Antikensammlung der Universität des Saarlandes: Datensatz auf Zenodo | [in MeshNotes öffnen].
MeshNotes ist Open Source und steht unter der Apache-2.0-Lizenz frei zur Verfügung. Der Quellcode ist öffentlich auf GitHub einsehbar (github.com/NilsSchnorr/MeshNotes). Fehlermeldungen, Verbesserungsvorschläge und Wünsche nach neuen Funktionen sind ausdrücklich willkommen, am einfachsten über die Issues auf GitHub oder per E-Mail an Nils Schnorr.
MeshNotes selbst ist über die DOI 10.5281/zenodo.20171399 zitierbar.