Sylvi Siebler

Dissertationsprojekt von Sylvi Siebler

Der Alltag der Revolte – Die Transnationalität französischer und westdeutscher Landkommunen in den langen 1960er Jahren

Angestoßen durch den gesellschaftlichen Strukturwandel seit den ausgehenden 1950er Jahren und verstärkt durch Reformbewegungen sowie Proteste rund um ‚1968‘ schlossen sich junge Menschen in Wohnprojekten zusammen, um alternative Lebensformen praktisch im Alltag zu verwirklichen und so eine Veränderung der Gesellschaft anzustoßen. Kommunen und Wohnkollektive entstanden in den ‚langen‘ 1960er Jahren nicht nur in studentisch geprägten Großstädten, auch ländliche Regionen wurden zum Experimentierfeld gesellschaftlicher Utopien. 

Hier setzt das Dissertationsprojekt an und untersucht Landkommunen in Westdeutschland und Frankreich von deren Entstehung und Popularisierung in den 1960er Jahren bis zur sukzessiven Auflösung ab Mitte der 1970er Jahre. Neben der Analyse der Alltagspraktiken der Landkommunen, die zu einer reformierten politischen Ordnung beitragen sollten, gilt es, in grenzüberschreitender Perspektive nach Transfer- und Austauschprozessen zu fragen. Dabei werden unter anderem die Rolle US-amerikanischer sowie weiterer internationaler Einflüsse auf Lebensstil und Weltanschauung der Landkommunenbewohner*innen in Westdeutschland und Frankreich herausgearbeitet. 
Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen wird auch die Mediennutzung der Kommunard*innen untersucht. Viele rezipierten die zur Verfügung stehenden Medien, um sich über Landkommunen weltweit oder über andere Lebensstile und Protestformen zu informieren. Ebenso produzierten die Bewohner*innen eigene Medieninhalte wie Zeitschriften, Musik, Bücher und Dokumentarfilme, um die erprobten naturnahen Konzepte öffentlich zu verbreiten.