Veranstaltungen Wintersemester 2022/23

Prof. Dr. Patricia Oster-Stierle

Vorlesung: Die Hauptströmungen der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts

Di, 10-12 Uhr

Anmeldung und Kursformat:

  • Der Kurs findet in Präsenz statt.
  • Die Anmeldung zur Vorlesung erfolgt über LSF. Alle auf LSF angemeldeten Studierenden erhalten kurz vor Semesterbeginn eine Einladung zum Kurs auf MS Teams. Bitte überprüfen Sie regelmäßig Ihre Uni-E-Mail-Adresse.

Die Vorlesung durchmißt ein dynamisches Spannungsfeld, das von den entgegengesetzten Tendenzen Romantik und Realismus in der ersten Hälfte des Jahrhunderts und von ihrer Engführung und Steigerung in Naturalismus und Symbolismus in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts bestimmt wird. Die zwei markantesten Gattungen des 19. Jahrhunderts, der Roman und die Lyrik, überbieten sich in diesem Feld in der Suche nach neuen Themen und Ausdrucksformen. Im Mittelpunkt des ersten Teils der Vorlesung wird deshalb zunächst die erste Jahrhunderthälfte mit den großen Romanen Chateaubriands, Stendhals, Hugos und Balzacs und den poetischen Texten Lamartines, Vignys und Hugos stehen. Als zentrale Übergangsfiguren werden sodann der Romanautor Flaubert und der Lyriker Nerval behandelt. Im zweiten Teil der Vorlesung soll darauf die zweite Jahrhunderthälfte in der Spannung zwischen Naturalismus und Symbolismus in den Blick treten. Hier stehen die Novellen Maupassants, die Romane Zolas und die großen Lyriker Baudelaire, Verlaine, Rimbaud und Mallarmé im Mittelpunkt. Die Analyse der einzelnen Texte wird immer auch ihre mediale Realisierung in ihrem Verhältnis zum Medium der Malerei und zum neuen Medium der Photographie (Nadar) reflektieren.

Ein Begleitreader mit Textauszügen wird den Studierenden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.

 

Hauptseminar:

Fred Vargas: Stadtsemiotik und Stadtpalimpsest im Kriminalroman bei Fred Vargas

Mi, 10 - 12 Uhr, Gebäude A2 2, Seminarraum 2.16

Hinter dem Pseudonym Fred Vargas verbirgt sich die Schriftstellerin, Historikerin, Mittelalterarchäologin und Archäozoologin Frédérique Audoin-Rouzeau. Eine große Zahl ihrer Kriminalromane spielen in Paris. Am Beispiel der Romane und Erzählungen L’homme aux cercles bleus, Pars vite et reviens tard und Le Marchand d’éponges soll die Darstellung der Stadt in ihrer Zeichenhaftigkeit verfolgt werden. Denn in ihren Kriminalgeschichten dienen Zeichen wie blauen Kreidekreise auf dem Pflaster, die zunächst nur unbedeutende Gegenstände zu umgeben scheinen, als Eröffnungsklauseln. Ausgehend von Balzacs urbaner Zeichentheorie über die surrealistischen Stadtwahrnehmung bei Aragon und Breton bis zu dem modernen Experiment Delete, dem Projekt „einer Entschriftlichung des öffentlichen Raums“, wird zu untersuchen sein, wie in den Kriminalromanen von Fred Vargas, die in der Tradition des Surrealismus stehen, die Zeichen in der Stadt zum Movens des Geschehens werden. Auch in ihrem Roman Pars vite et reviens tard geht es um Zeichen, die plötzlich an den Türen der Häuser auftauchen und längst vergessene, im Sozialimaginären verborgene Ängste vor der Pest  aufbrechen lassen. Können am Beispiel des Kriminalromans zugleich strukturalistische Narrationstheorien erörtert werden, so wird anhand der filmischen Transpositionen der Romane von Fred Vargas auch die Frage nach der Stadtsemiotik im Film zu stellen sein.

Die theoretischen Texte zur Stadtsemiotik sowie Auszüge aus den Werken Balzacs, Aragons und Bretons werden neben den Texten von Fred Vargas Le marchand d’éponges in Form eines Readers zur Verfügung gestellt.

Zur Anschaffung empfohlen:
Fred Vargas: L'Homme au cercles bleus, Texte intégral. Magnard, Colllège. Classiques & contemporains.
Fred Vargas: Pars vite et reviens tard, Texte intégral. Magnard, Colllège. Classiques & contemporains.

Diese Ausgaben sind in der Campus-Buchhandlung Bock & Seip vorhanden. Bitte unterstützen Sie gerade in diesen schwierigen Zeiten den lokalen Buchhandel und kaufen Sie die Lektüren hier ein. Sie können die Bücher auch kostenlos in die Innenstadt-Filiale liefern lassen, falls Sie gerade nicht auf dem Campus sind.
https://www.bock-seip.de/shop/magazine/138028/standorte_und_oeffnungszeiten.html

 

Hauptseminar: 

Weltnetzwerke – Welterzählungen - Weltbegegnungen: Mit Jules Verne unter die Erde, über die Erde und um die Welt. Globalisierungsphantasien in der Fiktion

Di, 16-18 Uhr

Jules Verne ist einer der Begründer des Zukunftsromans, dessen kühne Visionen erstaunlich oft von der Wirklichkeit des 20. und 21. Jahrhunderts eingeholt wurden. Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Romane Cinq semaines en ballon (1863), Vingt mille lieues sous les mers (1869) und Le Tour du monde en quatre-vingts jours (1873). Ursprünglich in Kooperation mit dem Verleger Hetzel mit pädagogischem Impetus geplant, eröffnen diese Romane heute ein großes Potential für höchst aktuelle Fragestellungen, die im Rahmen des Seminars erörtert werden sollen. Reflektiert Le tour du monde als literarisches Spiel die Entstehungsbedingungen von Weltnetzwerken? Wie verhält sich die Weltzeit zum Kursbuch? Wie verhält sich der neue kartographische Blick Jules Vernes zu den Arbeiten des zeitgenössischen Kartographen August Heinrich Petermann? Fragen der interkulturellen Kommunikation werden in dem ‘fremden Blick’ auf Affen, Kannibalen und Wilde in Afrika oder auf den unheimlichen deutschen Kapitän der Nautilus aufgeworfen. Auch Fragen der optischen Dispositive in der Vermittlung des Blicks auf die Welt von oben oder auf die Unterwasserwelt sollen behandelt werden. Von großem Interesse ist ebenfalls die filmische Transposition der Romane durch den zeitgenössischen Pionier des Mediums Film, Georges Méliès, dem der 2012 mit 5 Oscars ausgezeichnete Film von Martin Scorsese Hugo Cabret ein Denkmal setzt. So ist auch der Film 20000 Lieues sous les Mers (1906) Gegenstand des Seminars und soll in Kooperation mit dem Kino achteinhalb gezeigt werden.

Zur Anschaffung empfohlen:
Jules Verne: Cinq semaines en ballon, Paris: Le Livre de poche, texte intégral.
Jules Verne: Vingt mille lieues sous les mers, Paris: Le Livre de poche, , texte intégral.
Jules Verne: Le Tour du monde en quatre-vingts jours, Paris: Le Livre de poche, texte intégral.

Diese Ausgaben sind in der Campus-Buchhandlung Bock & Seip vorhanden. Bitte unterstützen Sie gerade in diesen schwierigen Zeiten den lokalen Buchhandel und kaufen Sie die Lektüren hier ein. Sie können die Bücher auch kostenlos in die Innenstadt-Filiale liefern lassen, falls Sie gerade nicht auf dem Campus sind.
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Kolloquium zur Examensvorbereitung

Mi, 14-16 Uhr

Das Kolloquium bereitet auf das Staatsexamen vor und gibt Anleitungen für BA- und MA-Arbeiten. Es besteht aus 2 Blöcken. Zum einen soll die Analyse von lyrischen, narrativen und dramatischen Texten erprobt werden. Zum andern wird die Erstellung von Staats-, BA- und MA-Arbeiten angeleitet und das mündliche Examen wird an konkreten Textbeispielen eingeübt. Zusammen mit der Vorlesung, die jedes Semester einen Überblick über ein Jahrhundert und seine wesentlichen Strömungen bietet, soll auf diese Weise den Studierenden ein literarhistorischer Überblick, ein literaturtheoretischer Ansatz und eine konkrete Übungsmöglichkeit geboten werden.

 

Dr. Sabine Narr-Leute

Grundlagen der Literaturwissenschaft – Französisch (mit Tutorium)

Dienstags, 14-16h, Gebäude A4 1, Raum 3.24

Beginn: 25.10.2022

Ziel des Proseminars ist es, StudienanfängerInnen mit Fragestellungen und Arbeitsweisen der französischen und allgemeinen Literaturwissenschaft vertraut zu machen. In einem ersten Teil geht es dabei zunächst um allgemeine Fragen zur Organisation des Studiums des Französischen und grundlegende Techniken/ Hilfsmittel des literaturwissenschaftlichen Arbeitens (Literatursuche in Bibliotheken und Internet, Bibliographieren, Exzerpieren, Anfertigung von Referaten/ Hausarbeiten).

In einem zweiten Teil führt das Seminar in Literaturtheorie und Methodik ein: Fragen zum Literatur- und Textbegriff, Vorstellung ausgewählter Positionen der Literaturwissenschaft, Rhetorik, Metrik, Stilistik, Textkritik, Epochengliederung in der Literaturgeschichtsschreibung. Anhand ausgewählter Beispiele aus verschiedenen Jahrhunderten werden die wichtigsten literarischen Formen der Lyrik, Narrativik und Dramatik behandelt. Eine Einheit stellt zudem die Filmanalyse vor.

Zur Anschaffung empfohlene Bücher:
- Balzac, Le Colonel Chabert, Reclam Fremdsprachentexte, ISBN  978-3150091593
- Racine, Phèdre, Petits Classiques Larousse, ISBN 9782035859167 

Diese Ausgaben sind in der Campus-Buchhandlung Bock & Seip vorhanden. Bitte unterstützen Sie gerade in diesen schwierigen Zeiten den lokalen Buchhandel und kaufen Sie die Lektüren hier ein. Sie können die Bücher auch kostenlos in die Innenstadt-Filiale liefern lassen, falls Sie gerade nicht auf dem Campus sind.
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Tutorium: Zur Vertiefung der im Seminar behandelten Inhalte wird ein einstündiges Tutorium angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig, jedoch dringend zu empfehlen! Die Uhrzeit des Tutoriums wird in Absprache mit den Studierenden in der ersten Sitzung festgelegt.

Hinweis: Das Proseminar "Grundlagen der frz. Literaturwissenschaft" und die Vorlesung "Die Hauptströmungen der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts" von Frau Prof. Dr. Oster-Stierle sollen im gleichen Semester belegt werden. Beide Kurse können bereits im 1. Semester belegt werden.

Anmeldung und Kursformat: Die Anmeldung erfolgt über LSF. Bitte überprüfen Sie regelmäßig Ihre Uni-E-Mail-Adresse.

Die Veranstaltung ist in PRÄSENZ geplant. Über die genauen Bedingungen je nach Infektionsgeschehen informiere ich Sie per E-Mail. Sie finden die aktuelle Verordnung der Universität unter: https://www.uni-saarland.de/page/coronavirus.html

Die Abschlussklausur/Modulprüfung für das Basismodul Literaturwissenschaft (Vorlesung + Proseminar) findet am 14.2.2023 in PRÄSENZ statt.