Philipp Didion

Dissertationsprojekt von Philipp Didion

Stadt – Region – Nation. Bundesdeutsche und französische Fußballstadien als Identifikationsorte von den 1950er bis zu den 1980er Jahren

Das Dissertationsprojekt untersucht die Bedeutung von bundesdeutschen und französischen Fußballstadien als städtische, regionale sowie – teilweise – nationale Identifikationsorte von den 1950er bis zu den 1980er Jahren. Lange Zeit dienten vor allem Kathedralen und Kirchen als landschaftliche Marker und Aushängeschilder. Heute sind es unter anderem Fußballstadien, die diese Funktion übernommen haben und zur Vitrine von Städten, Regionen und Nationen geworden sind. Anhand von vier markanten Beispielen – dem Betzenberg-Stadion in Kaiserslautern, dem Stade Auguste-Delaune in Reims, dem Bökelberg-Stadion in Mönchengladbach und dem Stade Geoffroy-Guichard in Saint-Étienne – soll diesem Phänomen auf den Grund gegangen werden. Das Projekt mischt hierzu Ansätze der Architektur-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte, wobei das Hauptaugenmerk auf letzterer liegt.
Bei der Analyse dieser Fußballstadien als Identifikationsorte, die zum Teil zu legendären Spielstätten wurden, geht es um eine doppelte Vergleichsperspektive: synchron um die deutsch-französischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Stadien während der Erfolgsjahre der jeweiligen Heimmannschaften – 1. FC Kaiserslautern / Stade de Reims in den 1950er Jahren sowie Borussia Mönchengladbach / AS Saint-Étienne in den 1970er Jahren –; diachron um den Wandel dieser sportscapes in den 1960er und 1970er Jahren durch sozio-kulturelle, sozio-ökonomische, massenmediale sowie fußballimmanente Veränderungen. Nicht zu verschweigen ist dabei natürlich, dass die Zeit vor 1945 bereits wichtige Voraussetzungen schuf, um eine solche Identifizierung mit den genannten Fußballstadien überhaupt zu ermöglichen. Die wichtigste Phase dieses Prozesses liegt aber mit Sicherheit in der Nachkriegszeit und ist eng mit den sportlichen Erfolgszeiten der jeweiligen Clubs verbunden. Heute haben diese Sportstätten einen Kult-Status erlangt und sind fester Bestandteil der lokalen, regionalen bzw. nationalen Erinnerungskultur geworden.
Sowohl für Frankreich als auch für die Bundesrepublik Deutschland stellt sich die Frage, wie bzw. aufgrund welcher Faktoren bestimmte Stadien nach 1945 zu einem Aushängeschild ihrer Stadt, ihrer Region und zu bestimmten Zeiten auch ihrer Nation werden konnten. Welche Rolle spielten dabei die verschiedenen Akteursgruppen – die Anhängerschaften der Vereine, das Publikum in den Stadien, die Funktionäre, die politischen und medialen Akteure, die Architekten und Stadtplaner? Was wurde in die jeweiligen Stadien hineinprojiziert? Welche Sehnsüchte, Wünsche, aber auch negativen Gefühle stehen dahinter? Welche Ähnlichkeiten und Unterschiede lassen sich dabei einerseits zwischen Deutschland und Frankreich und andererseits zwischen den 1950er und den 1980er Jahren herausarbeiten?