Jürgen Dierkes

2013-2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte

 

Kontakt:

juergen.dierkes(at)uni-saarland.de 

 

Vita

seit November 2017: zunächst Pädagogischer Mitarbeiter, dann Geschäftsführender Gesellschafter der Profis – Seminare für Betriebsräte GbR, Detmold

2015-2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Petra Rode-Bosse

2013-2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte, Universität des Saarlandes, Saarbrücken

2011-2013: Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Kassel, Fachgebiet: Geschichte Westeuropas im 19. und 20. Jahrhundert / Französische und Spanische Landes- und Kulturwissenschaften

2010-2011: Lehrkraft für Französisch, Sozialwissenschaften und Spanisch (AG) an der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule, Lengerich (Kreis Steinfurt / NRW)

WS 2008, SoSe 2009: Lehraufträge an der Universität Kassel

2005-2009: Tätigkeit als Tutor und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte Westeuropas im 19. und 20. Jahrhundert, Universität Kassel

WS 2003 - SoSe 2004: Auslandsstudium an der Université Paul Valéry Montpellier III, Frankreich

2001-2008: Hochschulstudium der Fächer Romanistik-Französisch, Europawissenschaften und Wirtschaftswissenschaften (Diplom) an der Universität Kassel

1993-2010: Ausbildung und anschließende berufliche Tätigkeit als Angestellter sowie als Selbstständiger im Werbe- und Verlagswesen

1992: Abitur in Beverungen (Kreis Höxter / NRW)

Dissertationsprojekt

Cotutelle, Betreuung durch Prof. Dr. Dietmar Hüser (Universität des Saarlandes) und Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix (Université Paris IV - Sorbonne)

"Ménage à trois" im Ost-West-Konflikt: Städtepartnerschaften zwischen westdeutschen, französischen und ostdeutschen Kommunen von den 1950er Jahren bis zum Fall der Mauer
Ab 1959 bildeten sich über einen Zeitraum von 30 Jahren bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989 rund 30 westdeutsch-französisch-ostdeutsche Dreieckskonstellationen auf kommunaler Ebene heraus. Konkret heißt das: Eine französische Stadt unterhielt gleichzeitig eine Städtepartnerschaft mit einer westdeutschen und mit einer ostdeutschen Stadt. Der neu – und in aller Regel für eine der beteiligten deutschen Städte zumeist unfreiwillig – entstandene "ménage à trois" eröffnete Möglichkeiten, vor allem aber führte er zu Spannungen, Konflikten und Missverständnissen. 
Die Mikroebene der über Städtepartnerschaften miteinander verbundenen westdeutschen, französischen und ostdeutschen Kommunen erinnert an die "asymmetrische Dreiecks-konstellation" (Begriff angelehnt an Ulrich Pfeil) auf der Makroebene zwischen der Bundesrepublik, Frankreich und der DDR: Die Existenz eines zweiten deutschen Staates prägte wichtige politische Entscheidungen maßgeblich und der andere deutsche Staat wurde häufig als Größe mitgedacht. 
Ziel der Arbeit war es herauszufinden, inwiefern die städtepartnerschaftliche Mikroebene der interkommunalen Dreieckskonstellationen als eine Art Miniaturabbildung der asymmetrischen westdeutsch-französisch-ostdeutschen Dreieckskonstellation auf der Makroebene der drei betroffenen Staaten charakterisiert werden kann.
Die Arbeit stellt die erste empirisch gesättigte zeithistorische Analyse der westdeutsch-französisch-ostdeutschen Dreieckskonstellationen auf kommunaler Ebene dar. Für die Untersuchung wurden vier Beispiele ausgewählt. Es handelt sich um die Fälle Rendsburg – Vierzon – Bitterfeld (1959), Wangen im Allgäu – Châtillon-sous-Bagneux – Merse¬burg (1953), Velten – Grand-Couronne – Seelze (1969) sowie Dortmund – Amiens – Görlitz (1971).
Als zentrales Ergebnis lässt sich festhalten, dass wir es mit einem komplexen Geflecht verschiedener, sich wechselseitig überschneidender Interdependenzen zu tun haben. Das betrifft zum einen die Auswirkungen des Kontexts des Kalten Krieges auf das städtepartnerschaftliche Geschehen und die Perzeption der interkommunalen Dreieckskonstellationen. Zum anderen lassen sich auch Indizien finden, dass die „untere“ Ebene ihrerseits nicht ohne Einfluss auf Entscheidungen der "hohen Politik" blieb. 
Allerdings kennen die wechselseitigen Abhängigkeiten Grenzen, da jede Städtepartnerschaft lokalen Besonderheiten unterliegt und maßgeblich von ihren Akteuren geprägt und gestaltet wird. Spannungen auf der Makroebene werden für die Mikroebene praktisch bedeutungslos, wenn es eine starke Verankerung in der Zivilgesellschaft gibt. 
Es finden sich viele Parallelen, ähnliche Entwicklungen und Schnittmengen zwischen Konzepten der Makroebene und den interkommunalen Dreieckskonstellationen, letztere können jedoch niemals eine Eins-zu-Eins-Abbildung der Makroebene auf der Mikroebene darstellen: Bei jedem untersuchten Fall handelt es sich letztlich um ein Unikat.

« Ménage à trois » dans le conflit Est-Ouest : Jumelages de communes ouest-alle¬man¬des, françaises et est-allemandes des années 1950 à la chute du Mur de Berlin en 1989
Sur une période de 30 ans, de 1959 à la chute du mur de Berlin en 1989, une trentaine de constellations triangulaires de jumelages ouest-germano-franco-est-allemands se développèrent au niveau municipal : une ville française était jumelée en même temps avec une ville ouest-allemande et avec une ville est-allemande. Le « ménage à trois » – le plus souvent involontaire pour l’une des villes concernées – ouvrit des possibilités, mais il entraina surtout des tensions, des conflits et des malentendus.
Ce niveau micro des communes liées par un jumelage fait penser à la « constellation triangulaire asymétrique » (terme s’inspirant d'Ulrich Pfeil) au niveau des Etats entre la République fédérale d’Allemagne, la France et la RDA : l’existence d’un deuxième État allemand avait une influence considérable dans les décisions politiques importantes et l’autre État allemand était un facteur souvent pris en compte. 
L’objectif de cette thèse a été d’évaluer dans quelle mesure le niveau micro des villes jumelées peut être caractérisé comme une sorte de projection en miniature de cette constellation triangulaire asymétrique au niveau macro des trois États concernés.
Elle vise à présenter pour la première fois une analyse historique contemporaine empirique et systématique de ces constellations intercommunales afin d’arriver à des résultats plus généralement valables. À cette fin, quatre exemples ont été sélectionnés avec soin. Il s’agit des cas de Rendsburg – Vierzon – Bitterfeld (1959), Wangen dans l’Allgäu – Châtillon-sous-Bagneux et Merseburg (1963), Velten – Grand-Couronne – Seelze (1969) et Dortmund – Amiens – Görlitz (1971).
Le résultat principal est que nous avons affaire à un mélange complexe de différentes interdé¬pen-dances qui se chevauchent mutuellement. D’une part, le contexte de la guerre froide a eu des effets sur les événements du jumelage et la perception des constellations triangulaires intercommunales. D’autre part, des indices montrent que le « niveau bas » n’était pas sans influence sur les décisions du « niveau de la haute politique ». 
Toutefois, il y a aussi des limites aux dépendances mutuelles, car chaque jumelage est soumis à des caractéristiques locales et est largement formé par ses acteurs. Les tensions au niveau macro deviennent presque insignifiantes au niveau micro lorsqu’il existe un fort ancrage dans la société civile. 
De nombreux parallèles, des convergences et des points d’ancrage peuvent être établis entre des concepts de niveau macro et les constellations triangulaires intercommunales, mais ces dernières ne peuvent jamais représenter une reproduction exacte du niveau macro au niveau micro : chaque cas examiné est en fin de compte unique. 

Lehrveranstaltungen

Universität des Saarlandes

WS 2016/2017
Französisch für Historiker_innen: Deutsch-französische Beziehungen auf gesellschaftlicher Ebene (Methodische Übung)

SoSe 2016
Französisch für Historiker_innen: Die Rolle des Elysée-Vertrags im deutsch-französischen Verhältnis (Methodische Übung)
Europäische Integration: Grundlagen und Grundfragen (Inhaltliche Übung)

WS 2015/2016
Deutsch-französische Städtepartnerschaften: Kontroversen und Konflikte (Inhaltliche Übung)
Französisch für Historiker_innen: Das Vichy-Regime (Methodische Übung)

SoSe 2015
Welcher Umgang mit belasteter Vergangenheit? Die Fälle Spanien und Chile (Inhaltliche Übung)
Französisch für Historiker_innen: Annäherung, Aussöhnung und Austausch zwischen Deutschen und Franzosen nach 1945 (Methodische Übung)

WS 2014/2015
Das Europäische Parlament (Inhaltliche Übung)
Französisch für Historiker: Deutsch-französische Beziehungen nach 1945 (Methodische Übung)

SoSe 2014
Der Spanische Bürgerkrieg - gestern und heute (Übung)
Deutsch-französische Städtepartnerschaften (Übung)

WS 2013/2014
Deutsch-französische Beziehungen seit 1945 - Politik & Zivilgesellschaft (Übung)

Universität Kassel

SoSe 2013
Das Europaparlament: Stimme der Bürger? (Seminar)
Die deutsch-französische Freundschaft: Städtepartnerschaften und Austauschprogramme (Seminar)
Die Kubanische Revolution 1953-2013 (Seminar)
Geschichte Spaniens im 19. und 20. Jahrhundert (Orientierungskurs)

WS 2012/13
Der Spanische Bürgerkrieg. Ereignis und Erinnerung (Seminar)
Die deutsch-französische Freundschaft. 50 Jahre Elysée-Vertrag (Seminar)
"La France de Vichy" - gestern und heute (Seminar)

SoSe 2012
Geschichte Frankreichs im 19. und 20. Jahrhundert (Orientierungskurs)
Geschichte Spaniens im 19. und 20. Jahrhundert (Orientierungskurs)
Lateinamerikas linke Helden: Mythen und Realitäten (Seminar)
Deutsch-französische Städtepartnerschaften (Seminar)

WS 2011/12
Das Europäische Parlament (Seminar)
Frankreich und Tunesien: Koloniales, Konflikte, Kontakte (Seminar)
Jahrzehnt der politischen Extreme: die konfliktreichen 30er Jahre in Spanien (Seminar)
Chile – von der Präsidentschaft Allendes bis zur Rückkehr der Demokratie (Seminar)

SoSe 2011
„Les années noires“ – Kollaboration und Widerstand in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges (Seminar)
Deutsch-französische Kultur- und Gesellschaftsbeziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg (Seminar)
Kuba von den 50er Jahren bis heute: Revolution, Krisen und Reformen (Seminar)

SoSe 2009
Übersetzung Französisch – Deutsch (Sprachpraxis-Übung)

WS 2008/09
Frankreich und Algerien: Vergangenheit mit langen Schatten (Seminar)

Betreute Abschlussarbeiten

Folgende BA-Abschlussarbeiten wurden von Jürgen Dierkes an der Universität Kassel betreut:

SoSe 2014
Jan Debelius: Vergangenheitsbewältigung und kollektives Gedächtnis - Eine komparative Analyse der Fälle Spanien und Chile in Bezug auf die Aufarbeitung ihrer autoritären Regime
Verena Schmidt: Die Städtepartnerschaft Avranches - Korbach

WS 2013/14
Gesa Kip: Zehn Jahre Kirchnerismo – Ein Ausdruck von Stabilität?
Johanna Scholz: Die Wahrnehmung des cacerolazo. Eine Befragung unter jungen Erwachsenen in Argentinien
Julia Stock: Ökonomische Ziele als Motiv der Intervention des "Dritten Reiches" im Spanischen Bürgerkrieg? Eine Analyse der deutsch-spanischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen 1936 und 1939

SoSe 2013
Ann-Christin Baghi: Wahrnehmung Che Guevaras im 21. Jahrhundert. Eine investigative Untersuchung zur Wahrnehmung zwei ausgewählter Zielgruppen von unter 30-jährigen und über 60-jährigen Personen
Julia Hofmann: Hugo Chávez und der Putsch 2002 - eine qualitative Inhaltsanalyse
Natalie Reguillo Carbayo: Die Rolle der Colonia Dignidad in der Pinochet-Diktatur in Chile
Freya Wilken: Widerstand der baskischen Nationalisten gegen den Franquismus. Aktivitäten der Terrororganisation ETA von 1939 bis 1975 und ihre Auswirkungen

WS 2012/13
Madeleine Guinard Rudat: Die Aufarbeitung des Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur in Spanien. Debatten um die spanische Vergangenheitsbewältigung, insbesondere um das Gesetz „Ley de Memoria Histórica“ von 2007
Anne-Christin Below: Gründe für den Erfolg der Revolution in Kuba

SoSe 2012
Sandra Riemann: Spaniens Beitritt zur EG und die Folgen für das Land. Eine Betrachtung der wirtschaftlichen Vorteile des EG-Beitritts
Constanze Schikora: Der Mythos Jeanne d'Arc und die extreme Rechte in Frankreich
Meike Teppner: Die Städtepartnerschaft zwischen Heidelberg und Montpellier

WS 2011/12
Astrid Kaczmarek: Der "leuchtende Pfad" in Peru - von 1980 bis 1992
Patricia-Victoria Schüler: Die convivencia im mittelalterlichen Hispanien