Forschung & Aktivitäten

Minor Universality (ERC)

Minor Universality
Narrative World Productions After Western Universalism

ERC Consolidator Grant

Principal Investigator: Markus Messling

Das Forschungsprojekt „Minor Universality“ beschäftigt sich mit einer für das gegenwärtige Weltverständnis zentralen Frage: Wie werden nach der erkenntnistheoretischen und ethischen Kritik des europäischen Universalismus neue Konzeptionen von Universalität produziert, die eine zentrierende und hegemoniale Logik hinter sich lassen?
Auf der Grundlage einer allgemeinen Narrationstheorie untersucht das transdisziplinäre Vorhaben, wie sich in zeitgenössischen kulturellen Praktiken und sozialen Prozessen – in den Literaturen der Welt ebenso wie in filmischen Dokumentationen und biographischen Berichten, auf Kulturfestivals, in „free spaces“ oder durch museale Präsentationen – Erfahrungen einer „kleinen Universalität“ ausbilden, die nach der Geschichte einer eurozentrischen Moderne und nach deren postkolonialer Kritik auf ein neues Menschheitsbewusstsein hindeuten. Untersucht werden Haltungen zur Welt, in denen diese als eine gemeinsame erfahren, zur Sprache gebracht und auch reflektiert wird.
Das an der Universität des Saarlandes angesiedelte Team setzt sich aus Forscherinnen und Forschern der Literatur- und Kulturwissenschaft, der Übersetzungstheorie und Ethnologie, der Museumsforschung und Kultursoziologie zusammen. Es arbeitet mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit zusammenarbeiten und entwickelt seine konkreten Fragestellungen und Forschungen in struktureller Kooperation mit Universitäten in Tunis, Hong Kong und dem Colegio de México. Es besteht zudem ein Artists-in-residence-Programm und eine Kooperation mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt, an dem das Minor-Universality-Team eine als Teil der Forschungsarbeit konzipierte Ausstellung plant.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projekthomepage.

 
Transmediterranes Jugendwerk

Internationale Expertengruppe des DFJW

Sprecher: Franck Hofmann & Markus Messling

Die internationale Expertengruppe begleitet das Generalsekretariat des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW/OFAJ) im politischen Prozess der möglichen Gründung eines transmediterranen Jugendwerks. Sie widmet sich den kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen eine solche Gründung sinnvoll und wegweisend erscheint. Ihr Auftrag ist es, programmatische und strukturelle Vorschläge zu erarbeiten, auf deren Grundlage Bildungskooperationen und Jugendaustausch auf Augenhöhe in der Méditerrannée realisiert werden können. Die Arbeit der Expertengruppe wird zudem von Forschungsseminaren und Workshops mit Studierenden begleitet, die an der Universität des Saarlandes in Kooperation mit anderen Akteuren wie der Villa Europa durchgeführt werden.

Mitglieder der Gruppe:
Raffaele Carbone (Università degli Studi di Napoli Federico II)
Leyla Dakhli (CNRS / Centre Marc Bloch)
Nicole Fischer (Universität des Saarlandes)
Albert Gouaffo (Université de Dschang)
Franck Hofmann (Universität des Saarlandes)
Antonios Kalatzis (Centre Marc Bloch)
Mohamed Kerrou (Université de Tunis el-Manar)
Mario Laarmann (Universität des Saarlandes)
Nora Lafi (Zentrum Moderner Orient)
Yann Lafon (FWSK Berlin)
Nazan Maksudyan (Freie Universität Berlin)
Markus Messling (Universität des Saarlandes)
Tanja Michalsky (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte Rom – Bibliotheca Hertziana)
Sarga Moussa (CNRS / Université Sorbonne Nouvelle – Paris 3)
Thierry Fabre (IMéRa Marseille)

 
Stadtgespräche

Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussionen

Organisation: Laurens Schlicht & Carla Seemann

Mit einer Serie von Podiumsdiskussionen, die wir in Zusammenarbeit mit dem Filmhaus Saarbrücken veranstalten, möchten wir mit der Saarbrücker Zivilgesellschaft ins Gespräch kommen und uns mit Repräsentant*innen des lokalen öffentlichen Lebens vernetzen. Das Format der Veranstaltungsreihe sieht vor, dass zu einem thematischen Schwerpunkt in vier Abendveranstaltungen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen des Saarbrücker Stadt-, Kultur- und Wissenschaftslebens zusammengebracht werden. Ziel ist es, ein Forum zu schaffen, in dem Menschen sich austauschen können, die von dieser Begegnung profitieren könnten und dies sonst nicht oder zu wenig tun. Die Reihe versteht sich als ein politischer Beitrag zu tagesaktuellen gesellschaftlichen Themen, die – so meinen wir – gerade im Zusammenspiel verschiedener Erfahrungswelten und professioneller Hintergründe besonders gewinnbringend diskutiert werden können. Kulturtheoretische Fragen sollen damit bewusst nicht nur in einem nur wenigen Menschen zugänglichen akademischen Umfeld beforscht, sondern durch andere Perspektiven bereichert, neu gestellt und gleichzeitig für ein breites Publikum zugänglich gemacht werden.

In Kooperation mit dem Filmhaus Saarbrücken.

 
Rhinozeros-Salon (Allianz Kulturstiftung)

Europa befindet sich im Übergang. Es sieht sich heute provinzialisiert und muss seine Bezüge zur Welt neu begründen. Der "Rhinozeros-Salon" bringt die Akteure einer offenen Gesellschaft ins Gespräch: Gegen identitäre Politiken setzt er auf Anerkennung, Übersetzung und Welthaltigkeit. Ein Berliner Salon der Konvivenz.

Das Rhinozeros ist gewiss ein merkwürdiges Mitglied der Weltgemeinschaft des Lebendigen. Äußerst wohlgenährt und standsicher, könnte es zuversichtlich in die Zukunft schauen. Aber das ist es nun gerade: Seine Sicht ist extrem eingeschränkt. Vielleicht rühren daher sein Misstrauen und seine Reizbarkeit. Das massive Horn und die schwere Panzerung jedenfalls, die aus der Tiefe der Zeit herrühren, sind überkommen und verleihen kaum Gewissheit. So steht der hochsensible Scheinriese tragisch in der Gegenwart. Auch historisch kommt das Rhinozeros nicht eben leichtfüßig daher. Bereits die römischen Kaiser besaßen Nashörner als Ausdruck ihrer Weltherrschaft, wovon sizilianische Mosaiken zeugen. Als der portugiesische König Manuel I. im Jahr 1515 ein aus Goa importiertes Panzernashorn zur Ehrerbietung an Papst Leo X. nach Rom sendet, steht das tolle Tier erneut für den imperialen Anspruch Europas. Nach einem Kurzaufenthalt auf der Gefängnisinsel Château d’If vor Marseille versinkt die ganze Mission – und mit ihr das arme Biest – vor der genuesischen Küste.
In Lissabon waren allerdings bereits zuvor Skizzen und Beschreibungen angefertigt worden. Auf diese stützt sich Dürer, als er seinen weltberühmten Holzschnitt schneiden ließ und so eine Epoche früh ins Bild setzt: den europäischen Universalismus.
Das Rhinozeros ist ein Emblem. Es steht für Europa und die Erkenntnis, dass seine Beziehung zur Welt zu überdenken ist. In der Schlusseinstellung von Federico Fellinis Schiff der Träume (1983) schaukelt es nach dem Untergang einer europäischen Schiffsgesellschaft im Rettungsboot auf hoher See: Gemeinsam mit einem überlebenden Journalisten blickt es einer unbestimmten Zukunft entgegen. Eine neue Weltordnung zeichnet sich ab, in der es Gewicht abgeben und sich im Zusammenleben erproben muss. Auf dem brüchigen Boden der Geschichte stellt sich so die Frage: Unter welchen Voraussetzungen kann ein halbblinder Mehrtonner den Übergang wagen?

Dies lotet der Rhinozeros-Salon am 8. Oktober 2020 im Haus der Kulturen der Welt (Berlin) mit Kunst, Diskussion und Aktion aus. Er präsentiert die Jahresschrift Rhinozeros – Europa im Übergang (Matthes & Seitz) und bewegt ihren ersten Gegenstand: „reparieren“. Es kann nämlich erst dann sinnvoll über Zusammenleben in einer geteilten Welt nachgedacht werden, wenn die Frage nach historischen Bedingungen und aktuellen Praktiken des Reparierens einer beschädigten Welt gestellt worden ist. Was sind die Möglichkeiten und Grenzen historischer Reparation? Was kostet der Kolonialismus? Dürfen Diskurse der Schuld zusammengeführt werden? Kann Kunst reparieren? Wer kann überhaupt gesellschaftlich reparieren? Und wie gehen wir mit Brüchen um, die irreparabel sind?

Gefördert durch die Allianz Kulturstiftung

In Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt