Nach einer Phase verstärkter Politisierung und Kontroversen innerhalb der EU waren die jüngsten Wahlen zum Europäischen Parlament von einer höheren Wahlbeteiligung begleitet. Im Einklang mit diesem wachsenden Interesse an politischer Teilhabe auf EU-Ebene zeigt die wissenschaftliche Literatur, dass die Europawahlen zwar nach wie vor vorwiegend als Wahlen zweiter Ordnung angesehen werden, die jüngsten Wahlgänge jedoch tatsächlich stärker von europäischen Themen geprägt waren. Demnach scheint sich die Politisierung der europäischen Integration auf der Wahlbühne auszuwirken. Die genauen Mechanismen, die hier am Werk sind, bleiben jedoch eine offene empirische Frage.
Vor diesem Hintergrund spricht die Politikwissenschaftlerin und CEUS-Clusterprofessorin Daniela Braun heute am ACES über ihre Untersuchungsergebnisse der komplexen Beziehung zwischen der Politisierung der europäischen Integration und der Wahlbeteiligung basierend auf Daten aus den Eurobarometer-Umfragen nach den Wahlen von 2019 und 2024. Die Ergebnisse zeigen, dass die Politisierung nicht unmittelbar Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat, sondern über das politische Europäischsein der Bürger*innen wirkt: Es lassen sich Anzeichen beobachten, dass die politische Polarisierung den Weg zu einem europäischen „Demos“ bereitet.
17.03.2026