Tête-à-tête
Tête-à-tête: Zwei Referent:innen aus Deutschland und Frankreich treffen sich, um über ein aktuelles Thema zu diskutieren. Die Veranstaltung findet zweimal jährlich abwechselnd in Lothringen und in Saarbrücken statt.
Die Reihe “Tête-à-tête” wird gemeinsam vom Frankreichzentrum der Universität des Saarlandes, dem Institut d’Études Françaises Saarbrücken, dem Goethe-Institut Nancy und der Université de Lorraine organisiert.
Kommende Veranstaltungen
Nachträge zu vergangenen Veranstaltungen
5. Juni 2025, 18.00–19.30 Uhr, Goethe-Institut Nancy, 39 rue de la Ravinelle, 54000 Nancy
Wie lässt sich ein Land regieren, wenn Wahlen keine klaren und stabilen Mehrheiten mehr hervorbringen? Diese hochaktuelle Frage stand im Zentrum der binationalen Diskussionsveranstaltung, die im Goethe Institut in Nancy stattfand. Die Politikwissenschaftler*innen Anne Jadot (Université de Lorraine) und Georg Wenzelburger (Universität des Saarlandes) analysierten die politischen Entwicklungen in Frankreich und Deutschland, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der gegenwärtigen Krise der repräsentativen Demokratie herauszuarbeiten. Die Veranstaltung wurde von Grégory Hamez moderiert, der dem Gespräch eine klare Struktur gab: Zunächst wurde über die Krise der Demokratie diskutiert, anschließend über die Veränderungen der Parteiensysteme beider Länder. Eine abschließende Fragerunde ermöglichte dem Publikum, sich aktiv an der Debatte zu beteiligen. Im Publikum befanden sich zwei 11. Klassen des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Saarbrücken sowie etwa zehn weitere interessierte Gäste. Die Diskussion wurde durch live gezeichnete Illustrationen und Karikaturen von Catherine Créhange visuell begleitet, die jeweils nach den Themenblöcken eingeblendet wurden und für positive Resonanz sorgten.
Zum Einstieg verwiesen die Referent*innen auf aktuelle politische Ereignisse, die exemplarisch für die gegenwärtige Instabilität stehen: die von Präsident Macron nach der Europawahl angekündigten Neuwahlen in Frankreich sowie die Auflösung der deutschen Ampelkoalition im November 2024. In Deutschland führte dies zu vorgezogenen Neuwahlen im Februar 2025. Laut Wenzelburger dominierte im Wahlkampf eine stark polarisierte Debatte zu Migration und Sicherheit.
Auch Anne Jadot zeichnete ein Bild institutioneller Instabilität: Allein im Jahr 2024 hatte Frankreich vier verschiedene Premierminister. Das neu gewählte Parlament ist in drei große politische Blöcke gespalten – ein linkes Bündnis, das Lager rund um Präsident Macron und die extreme Rechte –, die teils tief zerstritten sind und kaum kompromissfähig erscheinen.
Im zweiten Themenblock wurde die Entwicklung der Parteiensysteme beleuchtet. Wenzelburger betonte, dass die AfD in Deutschland nicht mehr nur aus Protest gewählt werde, sondern viele Wähler*innen mittlerweile eine emotionale Bindung zu der Partei aufbauten. Parallel dazu sei auch die politische Mitte nach rechts gerückt – sogenannte „Ansteckungseffekte“ führten dazu, dass klassische Parteien Elemente rechter Programmatik übernähmen, insbesondere in den Bereichen Migration und Sicherheit. Auch in Frankreich sei eine „extrême droitisation“ zu beobachten, so Jadot. Die Politikwissenschaftlerin warnte zudem vor wachsender Politikverdrossenheit, einem tiefen Misstrauen gegenüber politischen Institutionen und einer besorgniserregenden Sehnsucht nach autoritären Lösungen – etwa in Form eines „starken Mannes“ oder technokratischer Expert*innenregierungen. Ein zentrales Thema war die Rolle von Affekten in der Politik: Radikale Forderungen erzeugten überproportional viel Aufmerksamkeit – unabhängig davon, ob sie mit den Grundsätzen einer demokratischen Verfassung vereinbar seien.
In der abschließenden Fragerunde beteiligten sich sowohl die Schüler*innen des DFG als auch andere Gäste aktiv mit reflektierten Beiträgen. Diskutiert wurden unter anderem die Möglichkeit eines AfD-Verbots, die Rolle etablierter und sogenannter „alternativer“ Medien, die Regulierung sozialer Medien oder der Umgang der politischen Mitte mit dem Rechtsruck Den Abschluss bildete ein Empfang in der Bibliothek des Goethe-Instituts, der Raum für informelle Gespräche bot und den regen Austausch zwischen Publikum und Referent*innen fortsetzte.
Referent*innen: Dr. Anne Jadot (Maîtresse de Conférences en Science Politique, Université de Lorraine) und Prof. Dr. Georg Wenzelburger (Professor für Politikwissenschaft, Universität des Saarlandes)
Moderation: Prof. Dr. Grégory Hamez (Leiter der Maison du Franco-Allemand – Jean David, Université de Lorraine)
Teilnehmende: Zwei 11. Klassen des deutsch-französischen Gymnasiums in Saarbrücken und ca. 10 weitere Teilnehmer*innen
4. Juli 2024, 18.30‒20.00 Uhr, Villa Europa, Kohlweg 7, 66123 Saarbrücken
Das Tête-à-tête im Sommer 2024 stand im Zeichen der Olympischen Spiele, die in Paris im Juli 2024 stattgefunden haben. Nach einer Einführung in das Thema und einer kurzen Vorstellung der Referent*innen, der Säbelfechterin Léa Krüger und des Präsidenten des Rugby-Clubs „Stade Sarrois“, Fabrice Podevin, widmeten sich diese gemeinsamen Fragen wie der Zugänglichkeit und Finanzierung von Sportangeboten, Machtstrukturen im Profi- und Amateursport sowie interkulturellen sportlichen Begegnungen. Dr. Jonas Hock übernahm dabei die Moderation sowie die Übersetzung der Diskussion in deutscher und französischer Sprache.
Die Frage, ob der Sport einen Spiegel der Gesellschaft darstelle, verneinten Krüger und Podevin. Vielmehr würden Sportler*innen eine Vorbildfunktion einnehmen und es sei ihre Aufgabe, tolerante und demokratische Werte vorzuleben. Des Weiteren wurde über die Relevanz der Zugänglichkeit von Sportangeboten diskutiert: Es sei wichtig, Menschen aller sozialen Schichten einen Zugang zu Sportangeboten zuzusichern, um ihnen neue Chancen aufzuzeigen und einen sicheren Raum sowie ein stützendes Netzwerk zu bieten. Dabei müsse auch das Stadt-Land-Gefälle bei Sportangeboten verringert werden. Des Weiteren wurde die Frage nach der Rolle des Nationalismus im Sport angesprochen. Léa Krüger argumentierte, dass aufgrund der Tatsache, dass Sportler*innen ihr Heimatland auf internationaler Ebene vertreten, Nationalismus im Sport immer auch eine Rolle spiele. Es sei aber die Aufgabe der Sportler*innen, die demokratischen und toleranten Werte des Landes zu vertreten und darauf zu achten, dass die Identifikation über eine nationale Zugehörigkeit nicht von einigen Fans ausgenutzt werde. Abschließend sprach Léa Krüger über Gewalt und Missbrauch im Sport. Dies sei ein ernstzunehmendes Problem, welches innerhalb sowie außerhalb der Sportverbände viel zu wenig thematisiert werde. Deswegen setze sie sich für den Aufbau eines Zentrums für Safe Sport ein, welches Machtstrukturen und Machtmissbrauch aufzeigen und aufarbeiten soll.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion gab es für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und bei einem anschließenden Umtrunk mit den Referent*innen ins Gespräch zu kommen.
Referent*innen: Léa Krüger (Säbelfechterin, Studentin der Rechtswissenschaft und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland e.V.) und Fabrice Podevin (Präsident des Rugby Clubs "Stade Sarrois")
Moderation: Dr. Jonas Hock (Universität des Saarlandes)
Teilnehmer*innen: ca. 10 Personen
