Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltung von Hermann Gätje im Sommersemester 2023

Franz Kafka und Hermann Hesse – Vergleichende Betrachtung und Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart

Franz Kafka und Hermann Hesse gehören zu den bekanntesten Vertretern ihrer Epoche und stehen dennoch für eine markante Gegensätzlichkeit. Während Kafka als innovativ und einzigartig in der Literatur gilt, wurde Hesses Werk häufig stereotyp als sentimental, antiquiert-romantisch und epigonal abgewertet. Hesse war jedoch einer der wenigen Zeitgenossen, der den Autor Kafka schon zu dessen Lebenszeit schätzte und sich in literarischen wie essayistischen Texten mit ihm auseinandersetzte. Das Proseminar möchte das Verhältnis der beiden Autoren in ihrer Zeit sowie der Rezeption bis heute kritisch hinterfragen und eine Auswahl ihrer Werke vergleichend untersuchen.

Das Proseminar findet montags von 14 bis 16 Uhr statt.

Literatur:

Zur Einführung in das Thema

  • Hermann Hesse: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Zwölfter Band. Schriften zur Literatur 2: Eine Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen. Hrsg. von Volker Michels. Frankfurt am Main 1987, S. 477–491, 503–505, 551–553. (Sammlung von Artikeln bzw. wichtigen Aussagen Hermann Hesses über Franz Kafka; wird als Kopie in MSTeams bereitgestellt)
  • Helga Abret: „ein geistiges Paradoxon“. Hermann Hesse und Franz Kafka. In: Henriette Herwig / Sikander Singh (Hrsg.): „Magischer Einklang“. Dialog der Künste im Werk Hermann Hesses. Göttingen 2011, S. 52–70. (wird als Kopie in MSTeams bereitgestellt)

Zu Leben und Werk

  • Manfred Engel / Bernd Auerochs (Hrsg.): Kafka Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart 2010.
  • Sikander Singh: Hermann Hesse. Stuttgart 2006.

Lehrveranstaltung von Sikander Singh im Sommersemester 2023

„Im Wald, unter rauschenden Bäumen“ – Über den Wald in der Literatur

In den europäischen Literaturen ist der Wald sowohl Ort der Handlung als auch Symbol und Motiv. Indem er seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang nationaler und nationalistischer Debatten zu einem Sinnbild deutscher Kultur stilisiert wurde, ist er seit der romantischen Epoche in besonderer Weise mythisch überhöht und metaphorisch aufgeladen worden: In dem Bestreben diesem gedanklich-weltanschaulichen Konstrukt eine Legitimation durch Geschichte und Tradition zu verleihen, wurden historischen Darstellungen wie derjenigen des römischen Geschichtsschreibers Publius Cornelius Tacitus, literarischen Werken der mittelalterlichen Literatur wie dem Nibelungenlied oder den Epen Hartmanns von Aue, aber auch Märchen und Sagen eine Relevanz im und für den Diskurs der Gegenwart zugeschrieben.
Jenseits philologischer Sammlungen (und Editionen) sowie (literar)historischer Darstellungen dokumentieren vor allem die literarischen Werke, die in und seit der Romantik entstanden sind, diese besondere Bedeutung des Waldes in der deutschen Literatur. Vor diesem Hintergrund untersucht das Seminar anhand ausgewählter Erzähltexte aus dem langen 19. Jahrhundert den Wald als Handlungsort, metaphorischen wie transitorischen Raum, Ort des Selbstverlustes wie der Selbstfindung und nicht zuletzt als Raum poetologischer Reflexion. Zur Debatte stehen unter anderem Erzählungen von Ludwig Tieck, Joseph von Eichendorff, Adalbert Stifter, Theodor Storm, Gottfried Keller, Wilhelm Raabe, Robert Walser oder Gottfried Benn.

Das Hauptseminar findet dienstags von 14 bis 16 Uhr statt.

Die Texte, die im Seminar behandelt werden, werden über TEAMS zur Verfügung gestellt.

Allgemeine Darstellungen zur Vorbereitung und Vertiefung:

  • Klara Schubenz: Der Wald in der Literatur des 19. Jahrhunderts. Geschichte einer romantisch-realistischen Ressource. Konstanz 2020.
  • Johannes Zechner: Der deutsche Wald. Eine Ideengeschichte zwischen Poesie und Ideologie 1800–1945. Darmstadt 2016.