Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltung von Hermann Gätje im Wintersemester 2022/23

Einführungsseminar Editionswissenschaft (mit Prof. Dr. Nine Miedema)

Germanist(inn)en arbeiten wie selbstverständlich mit literarischen Texten - wie aber werden die Textausgaben, auf die sie sich ebenso selbstverständlich verlassen, eigentlich hergestellt? Geben die Texteditionen literarischer Werke immer denjenigen Text wieder, den die Autorin/der Autor vorgegeben hat, und wenn nicht, wie lassen sich die Eingriffe in die Vorlagen erklären? Welche Aufgaben übernimmt eine Herausgeberin bzw. ein Herausgeber, wenn er/sie eine neue Textausgabe erstellen möchte, und welche unterschiedlichen Möglichkeiten einer angemessenen Präsentation des Textes bieten sich ihm/ihr?

Das Seminar diskutiert verschiedene (auch digitale) Editionstypen und bietet dabei ein wissenschaftliches Instrumentarium zur Beschreibung professioneller Editionsmethoden. Behandelt werden u.a. Fragen der Überlieferung, der Bestimmung von Text'fehlern' und der Kommentierung von Texten. Durch Besuche des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass sowie der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken wird außerdem an die Arbeit mit nicht-edierten Originaltexten vom Mittelalter bis zur Moderne herangeführt.

Das Seminar findet freitags von 8.30 bis 10 Uhr statt.

Zur Anschaffung:

  • Bodo Plachta: Editionswissenschaft. Eine Einführung in Methode und Praxis der Edition neuerer Texte, Stuttgart 2013 (ergänzte und aktualisierte 3. Auflage) (Reclams Universal-Bibliothek 17603).
  • Uwe Bein: Textkritik. Eine Einführung in Grundlagen germanistisch-mediävistischer Editionswissenschaft.  Frankfurt am Main u.a. 2011 (2. überarbeitete und errweiterte Auflage).

Lehrveranstaltung von Sikander Singh im Wintersemester 2022/23

Erzählungen der klassischen Moderne

Wissenschaftliche und technische Entwicklungen, die Industrialisierung, der Verlust von Normen, traditionellen Werten und Glaubensgewissheiten sind in literarischen Texten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach thematisiert und reflektiert worden. Bereits an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert glaubten viele Autoren nicht mehr an die Möglichkeit, die Wirklichkeit objektiv mit den Mitteln der literarischen Sprache darstellen zu können. Aufgrund dieser Zweifel wurde die traditionelle Aufgabe der Sprache fragwürdig. Sowohl diese sogenannte Sprachskepsis als auch die existentielle Krise des modernen, innerlich zerrissenen, einsamen Menschen führt zu der Entwicklung neuer literarischer Formen, die durch Subjektivierung und Psychologisierung gekennzeichnet sind; sie sind wesentliche Voraussetzungen für die Avantgarden der 1920er Jahre.
Das Hauptseminar diskutiert ausgewählte Erzählungen der klassischen Moderne aus den Jahren 1890 bis 1933. Insbesondere sollen, unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes, die spezifischen Merkmale des Epochenbegriffs herausgearbeitet und problematisiert werden. Unter anderem werden Erzählungen von Gerhard Hauptmann, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann, Gottfried Benn, Franz Kafka und Alfred Döblin gelesen.

Das Hauptseminar findet dienstags von 14 bis 16 Uhr statt.

Die Texte, die im Seminar behandelt werden, werden über TEAMS zur Verfügung gestellt.

Allgemeine Darstellungen zur Vorbereitung und Vertiefung:

  • Walter Fähnders: Avantgarde und Moderne 1890–1933. Stuttgart und Weimar 1998.
  • Herbert Grabes: Einführung in die Literatur und Kunst der Moderne und Postmoderne. Die Ästhetik des Fremden. Tübingen 2004.
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 9/1: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870–1900. München 1998.
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 9/2: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900–1918. München 2004.