17.11.2026

"Trumpismus und die Neuordnung der französischen Rechten"

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Deutsch-Französischer Diskurs

 

Zeit: 17. November 2026, genauere Details werden demnächst bekanntgegeben

Ort: Universität des Saarlandes, Campus C5 1, Raum 1.01 (Musiksaal), 66123 Saarbrücken

 

Referentin: Prof. Dr. Élisa Chelle (Université Paris-Nanterre, Paris)

Gastgeber: Prof. Dr. Georg Wenzelburger (Gesellschaftswiss. Europaforschung)

Abstract

Von nahezu allen französischen Medien verabscheut und dennoch seit seinen Gerichtsverfahren von 2023 ununterbrochen präsent, nährt Trump die Aufmerksamkeitsökonomie mit einem steten Strom an Gründen für Empörung – und mit Publikum. Ausgehend von ihrem neuesten Buch La démocratie à l'épreuve du populisme. Les leçons du trumpisme (Odile Jacob, 2025) beleuchtet Prof. Dr. Elisa Chelle diese Ambivalenz. Trump ist das Musterbeispiel eines Populisten, der tatsächlich die Exekutive einer großen Demokratie an sich gerissen hat. Nicolas Sarkozy, der während seiner Amtszeit als „der Amerikaner“ bezeichnet wurde, schmähte ihn 2016 offen, während er im Vorwahlkampf für seine dritte Präsidentschaftskandidatur stand. Der Rassemblement National ging noch weiter: Er lud Steve Bannon 2018 als Stargast seines Parteitags ein und zeigte Interesse sowohl am digitalen Microtargeting als auch an finanzieller Unterstützung. Anschließend distanzierte sich die Partei jedoch vom amerikanischen Präsidenten – angesichts seiner Unbeliebtheit bei den französischen Wählerinnen und Wählern und bei den eigenen Anhängern. Andere wiederum suchten seine Nähe: Éric Zemmour von der rechtsextremen Partei Reconquête nahm an der Amtseinführung 2025 teil und bekennt sich zur MAGA-Bewegung, während Marion Maréchal auf europäischer Ebene einer Fraktion angehört, die offiziell mit der Republikanischen Partei partnerschaftlich verbunden ist. Diese Beispiele zeigen: Die Reaktionen der französischen Rechten auf Trump sind nicht einheitlich, sondern eher selektiv. Letztendlich geht es vielleicht vor allem um finanzielle Unterstützung: US-amerikanische Zuschüsse für ideologisch gleichgesinnte Organisationen, in Brüssel ansässige Netzwerke und die Förderung durch Online-Plattformen kollidieren mit den EU-Vorschriften zu politischer Werbung, Parteienfinanzierung und ausländischer Einmischung, während Staatsanwälte den Missbrauch parlamentarischer Mittel verfolgen. In einer Zeit, in der der Trumpismus im eigenen Land unter Amtsmüdigkeit leidet – inwieweit gewinnt er in Europa an Boden?

Elisa Chelle ist Professorin für Politikwissenschaft an der Université Paris Nanterre und Spezialistin für US-amerikanische Politik und vergleichende Staatstätigkeitsforschung. Sie ist stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift French Politics und Mitbegründerin des Observatoriums für amerikanische Außenpolitik am IRSEM, dem strategischen Forschungsinstitut des französischen Verteidigungsministeriums. Als Gastprofessorin lehrte sie an der Cornell University, in Georgetown, an der Columbia University und an der CUNY; Anfang 2027 wird sie Visiting Fellow an der University of Southern California sein. In französischen Medien kommentiert sie regelmäßig die amerikanische Politik. Zu ihren Büchern zählen Gouverner les pauvres (2012), Comprendre la politique de santé aux États-Unis (2019) und La démocratie à l'épreuve du populisme. Les leçons du trumpisme (Odile Jacob, 2025).

Vortrag in englischer Sprache.