Abstract
Der Vortrag untersucht die Rolle des Konzepts der Jungfräulichkeit bei der Entwicklung religiöser und sozialer Handlungsformen gottgeweihter Frauen im Mittelalter. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Entwicklungen zwischen Spätantike und Hochmittelalter. Dabei soll die Virginität als sozioreligiöse Praxis verstanden werden. Im Mittelpunkt steht somit ein Konzept, das im Zentrum der Debatten über die Politisierung des Körpers steht und zwischen der Erfindung der Jungfräulichkeit als Instrument männlicher Kontrolle über Frauen und ihrer Nutzung als Rahmen für die Ausübung einer eigentümlich weiblichen Autorität und Macht oszilliert. Diese Spannung wird vor dem Hintergrund der Geschichte der weiblichen vita religiosa untersucht, um die Bedeutung der Unterscheidung zwischen der normativen und oft reduktiven Sichtweise der Jungfräulichkeit durch die mittelalterliche und moderne Kirche einerseits und der Sichtweise der Jungfräulichkeit als Wesen der öffentlichen Autorität der Ordensfrauen andererseits hervorzuheben. Durch die Hervorhebung dieser spezifischen Sichtweise von Jungfräulichkeit werden religiöse Frauen aus dem großen Narrativ der Kirche herausgelöst, deren Geschichte traditionell auf stringente Teleologie der Normierung rund um den Begriff der Klausur reduziert wird. Die Fragestellung soll an Lothringischen und sächsischen Beispielen untersucht werden.
Vortrag in deutscher Sprache.
