Dissertationsprojekt von Amina Boubia

Neue Produktionsformen des Politischen in der arabischen Welt am Beispiel der Musikfestivals in Marokko

Musikfestivals haben sich in Marokko seit der Mitte der Neunziger Jahre nach und nach zu einem regelrechten Gesellschaftsphänomen entwickelt. Ausgehend von dieser Beobachtunguntersucht die vorliegende Doktorarbeit aus vergleichender Perspektive, inwiefern diese künstlerisch-kulturellen Festival-Events neue, nicht-konventionelle Produktionsformen des Politischen in der arabischen Welt im Spannungsfeld zwischen Anfechtung und neuer Rechtfertigung vonbestehender Ordnung begünstigen.Vom Ansatz einer kulturellen Analyse kollektiven Handelns und sozialer Bewegungen her offenbaren die Musikfestivals einerseits einen alternativen politischen Raum mit anfänglich höchst subversivem Potenzial, Ursprung einer postislamistischen Nayda. Andererseits verdeutlichen die verschiedenen unmittelbaren und mittelbaren Prozesse von Vereinnahmung und Inanspruchnahme, in denen sich diese Events nach und nach wiederfinden, das Potential von Herrschaftund autoritärer Kulturpolitik, die der Makhzen ausübt. Schliesslich erfährt diese vielfältige Politisierung, die die Ambivalenz des Kulturell-Künstlerischen und des Politischen zulässt, im Kontext der Bewegung vom 20. Februar und des Arabischen Frühlings eine Steigerung zwischen Radikalisierung und Abschwächung der Festival-Dynamik.

Die Disputation fand am 27. Mai 2014 in Paris statt.