Dissertationprojekt von Gwendolin Lübbecke


Die Cité national de l‘histoire de l‘immigration im Palais de la Porte Dorée – Transformationen eines Kolonialpalastes. Von der Exposition coloniale 1931 bis heute


Die Arbeit  geht der Frage nach, inwiefern sich gesellschaftlich etablierte, öffentlichkeitswirksame Erinnerungsorte der Kolonialzeit in Frankreich zeitgenössisch umdeuten lassen. Dabei geht es auch um die Frage danach, inwiefern ‚damals’ gestiftete Diskurse und Wahrnehmungsmuster in Bezug auf das Empire und das ‚koloniale Fremde/Andere‘, die Diskurse und Wahrnehmung in Bezug auf die ‚fremden Immigranten‘ ‚heute’ beeinflußen?.
Im Zentrum dieser Untersuchung steht der Erinnerungsort des Palais de la Porte Dorée, der als Teil der großen, internationalen Kolonialausstellung von 1931 erbaut wurde. Er war lange Zeit Instrument kolonialer Propaganda und hatte selbst nach dem ersten großen institutionellen Wandel in den 1960er Jahren hin zum Museum für afrikanische und ozeanische Kunst mit dem eigenen ‚kolonialen Schatten‘ zu kämpfen. Heute kann er als doppelter Erinnerungsort begriffen werden, da er seit den 2000er Jahren für das erste nationale Immigrationsmuseum Frankreichs genutzt wurde. Damit ist hier der historisch gewachsene, über das Gebäude und seine visuelle Gestaltung bis heute erhaltene Erinnerungsort des Kolonialismus sichtbar, sowie der neu etablierte, gleichsam ‚konstruierte‘ Erinnerungsort der Immigration in Frankreich, der v.a. über die Exponate, die Sammlung zur Geschichte der Immigration repräsentiert wird. Ein wesentlicher Ansatz der Arbeit zielt darauf, die einzelnen historischen, institutionellen Schichten dieses Erinnerungsortes als Kontinuität zu denken und Merkmale dieser Kontinuität herauszustellen. Dieser Blick bedingt auch eine umfassende Einbettung der Entwicklung dieses Ortes in tagespolitische, kulturelle, gesellschaftliche und museale Debatten, Gemengelagen und Problemstellungen. Insgesamt leistet diese Arbeit damit einen wichtigen Beitrag zur Herausstellung der Bedeutung des Museums als historischer Quelle.