03.11.2026

"Antigone – Übersetzung(en), Neuinterpretationen und Aktualität der Tragödie von Sophokles"

© Christine Borello

Zeit: 3. November 2026, 19.00 Uhr

Ort: Villa Europa, Kohlweg 7, 66123 Saarbrücken

 

Referent: Prof. Dr. Jean-Marc Narbonne (Université Laval, Québec)

Gastgeber*innen: Prof. em. Dr. Hans-Jürgen Lüsebrink und Seniorprofessorin Prof. Dr. Patricia Oster-Stierle (Romanistik)

Abstract
“Antigone”, vielleicht das berühmteste Theaterstück der Welt, inszeniert die wesentlichen Gegensätze des menschlichen Daseins: jene zwischen Mann und Frau, Jugend und Alter, Menschen und Göttern, Lebenden und Toten sowie zwischen Privatem und Gemeinschaftlichem. Im Fokus steht dabei die letzte Gegenüberstellung: der private und der öffentliche Raum. Erweist sich jene wirklich als derart unvermeidbar, wie oft behauptet wird? Trotz des vom neuen Herrscher Kreon erlassenen Verbots möchte Antigone ihren Bruder würdevoll bestatten. Stellt der daraus resultierende tragische Konflikt zwischen den beiden Figuren den gesamten Inhalt des Stückes dar? Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass sich auch Stimmen des Kompromisses sowie Aufrufe zum Dialog und zur gemeinschaftlichen Beschlussfassung erheben, wodurch ein demokratischer Weg zur Lösung des Konflikts eröffnet wird. 

Wenn Sophokles diesen Weg als existent erachtet hat, wie lässt sich erklären, dass er dem Publikum jahrhundertelang unzugänglich blieb? Und könnte man sogar behaupten, dass wir es hier – angesichts der aktuell immensen Herausforderungen für die Demokratie im Westen – mit einem der modernsten Stücke der Theaterlandschaft zu tun haben?

Vortrag in französischer Sprache.