Dr.-Ing. Michael Kohlstedt - Bioingenieur & Studiengangskoordinator
Wenn sich der Notfallplan zum Glücksgriff entwickelt
“Auf den letzten Metern der Promotion” ist Michael Kohlstedt im März 2014 an die UdS gekommen, mit seinem Doktorvater Prof. Wittmann, der einen Ruf an die UdS erhalten hat. Nach dem Wechsel von der TU Braunschweig hat Michael seine Promotion im Bereich Biotechnologie an der UdS abgeschlossen und ist für seinen Post-Doc geblieben. Nach ein paar Jahren kam dann das Angebot, unbefristet an der UdS zu bleiben. Mittlerweile ist Michael akademischer Oberrat und Studiengangskoordinator des Masterstudiengangs Biotechnologie.
“Fairerweise muss ich sagen, ich hatte mich, bevor ich die feste Stelle bekommen habe, schon damit abgefunden, den wissenschaftlichen Bereich hinter mir zu lassen aufgrund der bekannten Probleme - Zeitverträge, unsichere Entwicklungswege, usw. - aber in dem Moment, in dem ich so ein Angebot bekommen hab, da konnte ich nicht nein sagen. Die andere Seite ist, dass ich damals tatsächlich eher aus der Not heraus meine Promotion angefangen habe, weil der Arbeitsmarkt zum Zeitpunkt meines Studienabschlusses 2008/2009 sehr schwierig war. Und erst während der Promotion habe ich die Wissenschaft an sich und das wissenschaftliche Arbeiten wirklich lieben gelernt”, sagt Michael.

“Am Ende von ‘laborlastigen’ Wochen muss der Kittel oftmals dringend in die Reinigung.”
Auf die Frage, ob er seinen Job an der UdS beschreiben kann, erklärt Michael: “Ich habe in dem Sinn nicht nur eine Stelle. Ich halte Vorlesungen, ich bin stark in Laboraufgaben integriert, ich bin Studiengangskoordinator, berate Studierende und ich bin auch Wissenschaftler, der Experimente macht, Publikationen schreibt und Vorträge hält. Es ist eine facettenreiche Stellenbeschreibung und es ist schwer, mich da auf eine Sache festzulegen. Einen typischen Arbeitsalltag in dem Sinne, dass mein Tagesablauf im Büro oder Labor immer gleich ist, gibt es nicht.”
Was Michael an seinem Beruf besonders gut findet? "Du siehst, was es bedeutet, Experimente zu machen, die noch nie jemand gemacht hat. Du siehst, was es bedeutet, andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu treffen. Du siehst, was es bedeutet, wissenschaftlich zu arbeiten, also Publikationen zu lesen und selbst zu schreiben, Daten zu produzieren, auszuwerten und Daten zu verstehen. Ich hatte auch ein schönes Projekt mit verschiedenen Forschungspartnern in ganz Europa, mit denen ich mich austauschen konnte. Nichts wiederholt sich. Man ist immer am Geschehen der Zeit.”

Aktuell sind zwei Themen in Michaels Forschung besonders wichtig. Zum einen die Nutzbarmachung von Lignin. Das ist der Bestandteil der gesamten Biomasse auf der Erde, der für die Stabilität von Pflanzenmaterie sorgt und für den es derzeit noch keine wirtschaftliche Verwendung gibt und somit noch ein Abfallprodukt ist.
Und zum anderen die Recyclingfähigkeit von polymeren Kunststoffen, d.h. es möglich zu machen, diese Kunststoffe wieder in den Kreislauf zurückzuführen. “Wir versuchen, mit unserer Forschung die Industrie, wie wir sie heute kennen, insbesondere die chemische und pharmazeutische Industrie, wegzubekommen von fossilen, endlichen Ressourcen wie Öl und Gas hin zu nachhaltigeren, nachwachsenden Rohstoffen, und diese verwerten zu können. Dazu werden Mikroorganismen genutzt. Mehrheitlich Bakterien, aber auch Hefen und Pilze, die in der Lage sind, die verschiedensten Rohstoffe, die wir da draußen haben, wie z.B. Papierabfälle, zerkleinerte PET-Flaschen, Holzreste, usw., zu verstoffwechseln, sozusagen zu recyclen, und als Ergebnis daraus die Rohstoffe herzustellen, die wir im täglichen Leben brauchen, ohne neue Ressourcen dafür zu verschwenden. Die Publikationen zu diesen Themen werden auch sehr gut angenommen und das macht dann schon auch stolz.”

Die Menschen, die Lage und die Gegebenheiten des Studiengangs
Das sind die Punkte, die für Michael an der UdS besonders sind: “Sehr viel, was man hier macht oder machen möchte, hat mit den Menschen hier zu tun. Es gibt, wenn man sie sich aufbaut, kurze Wege zu Kolleginnen und Kollegen, auch aus anderen Abteilungen, über die man vieles direkt klären kann. Außerdem ist die Lage der Uni hier etwas Besonderes, was durchaus auch von Besucherinnen und Besuchern angesprochen wird. Viel Wald, viel grün. Und als drittes ist für mich auch der Masterstudiengang Biotechnologie hier besonders. Es gibt an der UdS keinen zugehörigen Bachelor, das heißt Studierende kommen aus ganz Deutschland und auch aus der ganzen Welt. Da muss man sich schon fragen, warum kommen die denn hierher? Und das liegt, meines Erachtens, an den speziellen Gegebenheiten und Entwicklungsmöglichkeiten hier. Es ist ein familiäres Studieninstitut, ein gutes Betreuungsverhältnis und auch ein sehr gemischter, internationaler Studiengang. Hier wird man gesehen – und als Biotechnologie-Studierende oder -Studierender händeringend an den Forschungsinstituten gesucht."
Und abschließend eine der wichtigsten Infos: Michaels Ausgleich zur Arbeit? Seine Familie und "mit meinem Bruder Musik machen und Bäume pflanzen".
Einblicke in Michaels Arbeit:
iSBio - Home - Willkommen am Institut für Systembiotechnologie
