Urban borderlands in Kernstadtrandlage der Métropole du Grand Paris

Eine diskurstheoretische Konzeptualisierung zwischen Makro- und Mikroperspektive

Der Großraum von Paris erfährt jüngst im Zusammenspiel mit einer sich institutionalisierenden Metropolisierung zugunsten des "Grand Paris" weitreichende Umbrüche: Gemeinden jenseits der Kernstadt in den sog. banlieues werden zu neuen Hotspots der Stadtentwicklung einer "Urbanisierung im Suburbanen" – aktuell insb. im Nordosten im département Seine-Saint-Denis (93) entlang des Ourcq-Kanals der Plaine de l‘Ourcq. Auf Brachflächen in der Nähe zu und zwischen Baubestand des Industriezeitalters, Großwohnbebauung, Einzelhandel, Gewerbe und fortbestehender Industrie entsteht ein postmoderner Mix aus Wohnbebauung, Bürokomplexen und Shoppingarealen als kommende "Erweiterung" der Pariser Kernstadt – verbunden mit medial transportierten Befürchtungen um eine Gentrifizierung vormaliger "multikultureller", über die quartiersbezogene politique de la ville geförderter "Arbeiter-Vorstädte". So ergibt sich eine komplexe, bislang unzureichend systematisch erforschte Gemengelage zwischen gesellschaftlich verankerten Images, medial (re)produzierten Zuschreibungen, politischen, planerischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen sowie divergierendem Erleben der Veränderungen durch "alt eingesessene" und neu zuziehende Bevölkerung.

Hieraus leiten sich zwei zentrale und miteinander verbundene Zielsetzungen des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsvorhabens ab:

  • Die laufenden Umbrüche werden zugunsten einer urbanen Nachverdichtung mit Auswirkungen u.a. auf bauliche und funktionale Erscheinungsformen sowie Lebensstile im Zusammenspiel des skizzierten Arrangements vertiefend analysiert.
  • Den theoretisch-konzeptionellen Zugriff bildet eine poststrukturalistisch-diskurstheoretische Forschungsperspektive in Anschluss an Laclau und Mouffe, die mit ihrem Fokus auf wirkmächtigen Hegemonien und gleichzeitig potenziellen Verschiebungen eine erweiternde und präzisierende Konzeptualisierung erfahren soll: vielfältige Grenzziehungen – physische, administrative, soziale, individuelle etc. – erlangen Relevanz, die durch eine Verbindung der Diskurstheorie mit Arbeiten der border studies eine Fundierung erfahren können. Bisher wurde zudem weniger systematisch dem Zusammenspiel aus gesellschaftlichen und subjektivierten Diskursen Beachtung geschenkt, wofür in Erweiterung ein angepasster Ansatz erprobt werden soll.

Auf diese Weise können "urban borderlands" entlang des Ourcq-Kanals diskursiv zwischen Makro- und Mikroperspektive erschlossen und theoretisch-methodische Impulse für die Diskursforschung generiert werden.

  • Gesamtprojektleitung: Jun.-Prof. Dr. Florian Weber
  • Projektbearbeitung: NN
  • Assoziierte Kollegen: Prof. Dr. Georg Glasze, Prof. Dr. Markus Hesse, Albert Roßmeier und Prof. Dr. Jean-Marc Stébé
  • Vernetzungspartner: UniGR-Center for Border Studies 
  • Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - 460749144.