Laut einer H.I.MA.-Erhebung in Kooperation mit dem bevh kauften 55 Prozent der Befragten innerhalb eines Jahres gebrauchte Produkte online; Re-Commerce-Umsätze steigen in Deutschland sowie weltweit rasant an. Besonders gefragt sind hierbei gebrauchte Bücher, Bekleidung und Elektronik.
Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag “Drivers of Online Pre-Owned Product Purchases Across Different Product Categories”, welche Faktoren die Einstellung und Kaufabsicht beim Online-Kauf gebrauchter Produkte prägen. Grundlage der Untersuchung ist eine im November 2025 erhobene, nach Alter und Geschlecht quotierte Befragung von 491 Personen in Deutschland. Verglichen werden die Produktkategorien Bücher, Unterhaltungselektronik und Bekleidung.
Die Ergebnisse zeigen: Re-Commerce wird nicht allein durch Nachhaltigkeitsüberzeugungen getragen. Über alle drei Kategorien hinweg sind vor allem wirtschaftliche Vorteile und der Spaß am Stöbern und Entdecken zentrale Treiber. Attraktive Preise und sichtbar ausgewiesene Ersparnisse gegenüber Neuware können die Bereitschaft erhöhen, gebrauchte Produkte online zu kaufen.
Nachhaltigkeitsaspekte verbessern zwar in allen untersuchten Kategorien die Einstellung zu gebrauchten Produkten. In eine konkrete Kaufabsicht übersetzen sie sich jedoch vor allem bei Bekleidung. Dies deutet darauf hin, dass gebrauchte Kleidung auch als sichtbarer Ausdruck eines nachhaltigkeitsorientierten Lebensstils wahrgenommen wird. Bei Büchern und Elektronik stehen dagegen Preis, Funktionalität und Vertrauen in den Zustand des Produkts stärker im Vordergrund.
Ein wesentlicher Hemmfaktor bleibt das wahrgenommene Risiko. Insbesondere bei Elektronik können Unsicherheiten über Zustand, Funktion, Reparaturbedarf und Preis-Leistungs-Verhältnis den Kauf gebrauchter Ware erschweren. Für Anbieter ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Transparente Zustandsbeschreibungen, nachvollziehbare Produktinformationen, standardisierte Qualitätsprüfungen, Garantien und unkomplizierte Rückgabemöglichkeiten können Vertrauen schaffen und Kaufbarrieren verringern.
Die Studie liefert damit konkrete Ansatzpunkte für Plattformen, Händler und Marken: Statt Re-Commerce ausschließlich mit ökologischen Argumenten zu bewerben, sollten sie die Kommunikation nach Produktkategorie ausrichten. Preisvorteile und ein inspirierendes Einkaufserlebnis sind in allen Bereichen relevant. Bei Bekleidung können Nachhaltigkeitsbotschaften besonders wirksam sein; bei Elektronik ist zusätzlich eine glaubwürdige Absicherung von Qualität und Funktionsfähigkeit entscheidend.
Der Journal-Artikel ist im Volltext kostenlos und frei verfügbar über das Journal of Cleaner Production unter https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2026.149444 zum Download erhältlich.
